Trauer um Hickstead, denn ein Pferd ist kein Tennisschläger

10. November 2011, 17:47
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Springreiter Eric Lamaze denkt an Rücktritt

Toronto - Springreiter Eric Lamaze, den der am vergangenen Sonntag während des Weltcups in Verona einem Aortenriss erlegene Hengst Hickstead zum Olympiasieg und an die Spitze der Weltrangliste getragen hatte, denkt an Rücktritt. Der 43-jährige Kanadier steht nach wie vor unter Schock. "Wenn ein Pferd stirbt, ist das etwas anderes, als wenn beim Hockey oder beim Tennis ein Schläger zu Bruch geht", sagte Lamaze während einer Pressekonferenz in Toronto. Selbst im Todeskampf sei Hickstead noch um seine Sicherheit bemüht gewesen. "Er ist so gefallen, dass er mich dabei nicht verletzen konnte. Er wollte, dass ich okay bin. " Hickstead habe seine Karriere und sein Leben verändert. "Er hat mir alles bedeutet."

Tatsächlich war Lamazes Karriere eigentlich schon beendet gewesen, ehe er Hickstead in Belgien fand. 1996 war der Reiter aus Montreal positiv auf Kokain getestet worden. Vier Jahre später folgten positive Tests auf Ephedrin und neuerlich Kokain. Eine lebenslange Sperre wurde aufgehoben, nachdem der Anwalt von Lamaze dessen schwierige Kindheit und Depressionen als Milderungsgründe angeführt hatte.

Hickstead, der mehr als vier Millionen Dollar Preisgeld ersprungen hat und lukrativ in der Zucht eingesetzt wurde, ist weder finanziell noch sportlich zu ersetzen. Lamaze hat zwar noch talentierte Rösser im Stall, für eine Medaille bei Olympia 2012 sind sie aber nicht gut genug. Lamaze will in den nächsten Wochen darüber nachdenken, ob er dennoch die Spiele in London anpeilt oder aus dem Sattel steigt. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. November 2011, sid, lü)

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