Einkaufsstadt sucht Mieter

10. November 2011, 17:49
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Schlossgärntner will mit regionalen Händlern bis zu 300 Jobs schaffen - Experten zweifeln am Neustart

Wien - Er nehme nur eigenes Geld in die Hand und gehe volles Risiko ein. Einen Plan B gebe es nicht, sagt Christian Blazek, "es wird uns gelingen". Der Niederösterreicher betreibt mit seiner Frau einen Gartenbaubetrieb und pflanzte mit ihr Schloss Wartholz in Reichenau an der Rax neues Leben ein. Seit Juni besitzen die zwei neben einer ehemaligen Kaiserresidenz auch eine frühere Einkaufsstadt. Sie ist derzeit von allen Händlern verlassen - gehen Blazeks Ideen auf, sollen dort die Geschäfte aber ab Herbst des kommenden Jahres wieder florieren. Der Name Leoville ist Geschichte, der neue ist Bloomfield.

Um 40 Millionen Euro entstand einst auf der grünen Wiese um Leobersdorf ein Factory Outlet Center, das mangels Mieter und Kunden nur drei Jahre überlebte. Seit 2008 steht es leer. Nun versuchen die Blazeks den Neustart und investieren rund 25 Millionen Euro. 60 Mieter sollen sich die Verkaufsfläche von insgesamt 14.000 Quadratmetern teilen und dort 200 bis 300 Arbeitsplätze schaffen.

Bloomfield nennt sich Lifestyle Shopping Center. Es lehnt sich an ein Konzept aus den USA an, sagt Michaela Blazek: Boutiquen sollen viel Umsatz auf wenig Fläche erzielen, Diskonter blieben draußen. Mit dabei: internationale Ketten, vor allem aber regionale Produzenten und Händler, auch eine Handwerkerstraße mit Schustern und Schneidern sei geplant. Dazu Slow-Food-Gastronomie, Beauty-Spezialisten, Ärzte und Solartankstelle. Grüne Flaniermeilen sollen Innenstadtflair bringen. Die Nachhaltigkeit wird amtlich bestätigt.

Bisher seien die Flächen zu 20 Prozent ausgelastet, für die Eröffnung in einem Jahr verspricht Blazek 90 Prozent. Die Miete pro Quadratmeter betrage 20 bis 30 Euro.

In der Branche befürchten viele verlorene Investitionen. Der Bau an sich sei architektonisch gelungen, es habe aber einen Grund, warum, obwohl es günstig zu haben war, selbst namhafte Konzerne davor zurückschreckten.

Wolfgang Richter sieht es schon am Einzugsgebiet scheitern: Wiener vorbei an der SCS, dem größten Einkaufscenter Europas, nach Leobersdorf zu holen, sei schwierig. Das geplante Konzept möge in den USA funktionieren - dass es das auch in Österreich tut, sei aber unwahrscheinlich, meint der Chef des Marktforschers Regioplan. Es gebe hier anders als in den Staaten "genug kleinteilige Strukturen und jede Menge Handelsfläche".

Es gibt eine Veränderung in der Handelsszene und einen Trend zu kleineren leistbaren Flächen, gibt sich Blazek zuversichtlich. Er hält die Region Triestingtal für unterschätzt und sieht ein Einzugsgebiet von 1,3 Millionen Menschen.(Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2011)

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    Bloomfield soll flügge werden...

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