Lauter Einser, aber keine Chance auf höhere Schule

10. November 2011, 17:54
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Vorarlberger Mittelschule "unverzeihlich ungerecht"

Bregenz - Die Vorarlberger Mittelschule sei eine Bildungssackgasse, kritisieren die Unabhängige Bildungsgewerkschaft und die Vorarlberger Lehrer/innen Initiative (VLI). Der neue Schultyp, in Vorarlberg an 51 von 55 Hauptschulstandorten eingeführt, bringe nicht die gewünschte Chancengleichheit.

Mit der Neuen Mittelschule würde eine "Zweiklassengesellschaft" zementiert. Schüler der Basisgruppe (Benotung nach Hauptschullehrplan) hätten schlechtere Chancen für einen Wechsel in die Oberstufe als Schüler der Erweiterungsgruppe (AHS). Ein "Sehr gut" in der Basisgruppe entspreche einem "Sechser" in der Erweiterungsgruppe. Gewerkschaftsobmann Gerhard Rüdisser: "Das ist absurd, weltfremd und unverzeihlich ungerecht."

Den Nachweis liefert der "Chancenrechner" , eine virtuelle Serviceeinrichtung des Landesschulrats, mit dem Kinder und Eltern durch Eingabe von Noten und Gruppe die Chancen eines Wechsels in eine höhere Schule checken können. Die kritischen Lehrer haben sich das Rechenmodell genau angesehen und kommen zum Schluss: Die Schüler der Basisgruppe haben nach Berechnungsmethode des Landesschulrats auch mit lauter Einsern keine Chance, in eine höhere Schule aufgenommen zu werden.

DieSPÖ macht die Causa mit einer Anfrage zum Landtagsthema, fordert wie Grüne und FPÖ vehement die Gesamtschule. Landesschulinspektorin Karin Engstler sieht die ersten Früchte der Vorarlberger Mittelschule durch ideologische Diskussionen gefährdet: "An den Schulen wird mit enormem Einsatz gearbeitet, damit die Schüler die gleichen Chancen haben." Klar sei jedoch: "Die Neue Mittelschule ist noch nicht die gewünschte Schule für alle." (jub, DER STANDARD; Printausgabe, 11.11.2011)

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