Mord an Polizistin wird immer rätselhafter

10. November 2011, 17:01
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Mutmaßliche Täter horteten Waffen und waren in der Neonazi-Szene aktiv

Berlin - Die deutsche Polizei geht zwar davon aus, dass jener aufsehenerregende Polizistinnenmord von Heilbronn im Jahr 2007 nun geklärt ist. Aber sie kann nach wie vor nicht sagen, warum die damals 22-jährige Polizistin Michèle K. auf einer Festwiese regelrecht hingerichtet worden ist.

Beate Z., jene Verdächtige, die sich vor einigen Tagen in Jena der Polizei stellte, sitzt in U-Haft und schweigt. Ihre beiden Komplizen Uwe B. und Uwe M. haben sich kurz vor ihrer Festnahme erschossen. Danach fand die Polizei im ausgebrannten Wohnwagen der Männer die Dienstpistole von Polizistin Michèle K., zudem ihre Handschellen. "Die Gesamtschau der Indizien lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass der Mord an Michèle K. aus dieser Tätergruppierung heraus verübt wurde. Jetzt gilt es, die erforderlichen Beweise zu ermitteln", sagt Oberstaatsanwalt Frank Rebmann.

Banküberfälle

Mittlerweile haben die Beamten noch viel mehr gefunden: In der ebenfalls ausgebrannten Wohnung des Trios in Zwickau stellten sie insgesamt neun Faustfeuerwaffen, ein Repetiergewehr und eine Maschinenpistole sicher, zudem jede Menge Basecaps, Mundtücher und Parkas. Diese stimmen im Aussehen mit Bildern von Überwachungskameras überein, die bei mehreren (bisher unaufgeklärten) Banküberfällen gemacht wurden. Zwischen 1999 und 2006 waren es alleine drei in Zwickau und sieben in Chemnitz.

Ende der Neunzigerjahre war das Trio in der Thüringer Neonazi-Szene aktiv, gehörte dem "Thüringer Heimatschutz (THS)" an. 1998 fand die Polizei in der Werkstatt der drei fertige Rohrbomben. Zu einer Verhaftung kam es jedoch nicht, da das Trio flüchtete.

Seither waren die beiden Männer und die Frau untergetaucht. Erst jetzt stellte sich heraus, dass sie unentdeckt in der 100.000-Einwohner-Stadt Zwickau gelebt hatten. Bevor sich die beiden Männer vor einigen Tagen erschossen, hatten sie noch eine Bank in Eisenach überfallen. (bau, DER STANDARD-Printausgabe, 11.11.2011)

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    In einer ausgebrannten Wohnung des Trios in Zwickau stellte die Polizei unter anderem neun Faustfeuerwaffen sicher.

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