Wien sieht sich als "Welthauptstadt" des Passivhauses

Martin Putschögl
10. November 2011, 15:53
  • Das OeAD-Gästehaus in der Kandlgasse im 7. Wiener Bezirk.
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    foto: ig passivhaus / oead

    Das OeAD-Gästehaus in der Kandlgasse im 7. Wiener Bezirk.

  • Bei der alljährlichen Pressekonferenz zu den "internationalen Tagen des Passivhauses" am Donnerstag, v. li.: Günther Jedliczka, Johannes Kislinger, Maria Vassilakou, Günther Stöllberger und Michael Pech.
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    foto: ig passivhaus

    Bei der alljährlichen Pressekonferenz zu den "internationalen Tagen des Passivhauses" am Donnerstag, v. li.: Günther Jedliczka, Johannes Kislinger, Maria Vassilakou, Günther Stöllberger und Michael Pech.

Vizebürgermeisterin Vassilakou hebt Rolle der Bundeshauptstadt in Sachen energieeffizientem Wohnbau hervor - Tage des Passivhauses am Wochenende

Neue Gebäudetypen wie das Null- oder sogar das Plusenergiehaus rücken zunehmend in den Fokus, wenn es um nachhaltiges, energieeffizientes Bauen geht. Wie passt da das Passivhaus, das es schon seit 20 Jahren gibt und das einen Heizwärmebedarf von 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr "toleriert", in die nahe Zukunft des Bauens?

Johannes Kislinger, Architekt und Obmann der IG Passivhaus Ost, gab am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien eine Antwort darauf: Maßgeblich sei vor allem eine bestens gedämmte, luftdichte Gebäudehülle, darauf konzentriere sich die Passiv-Bauweise vorrangig. Die Passivhaus-Hülle wird damit also zur Grundvoraussetzung für noch effizientere Gebäudetypen.

18 geförderte Passivhaus-Wohnanlagen in Wien

Die Vorreiterschaft als "Welthauptstadt" in Sachen Passivhaus reklamiert die Stadt Wien für sich, namentlich deren Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou von den Grünen. "Das Passivhaus muss zum wesentlichen Standard in dieser Stadt werden", betonte sie, schließlich wolle die Stadt trotz des enormen Bevölkerungswachstums ihren Energiehunger mittelfristig um zehn Prozent drosseln - eine beinahe unerreichbare Aufgabe, so die Vize-Stadtchefin. Die Forcierung des Passivhauses sei dafür aber unerlässlich, aktuell würden sowohl in der Seestadt Aspern als auch beim "Eurogate"-Projekt auf den ehemaligen Aspanggründen im 3. Bezirk je 2000 PH-Wohnungen entstehen.

Insgesamt weist Wien schon 18 geförderte mehrgeschoßige Passivhaus-Wohnanlagen auf, dazu kommen vier Studentenwohnheime mit rund 650 Plätzen (das jüngste davon, das Oead-Gästehaus in der Gasgasse hinter dem Westbahnhof, wurde erst im September eröffnet) sowie zahlreiche private Einfamilienhäuser im Passivhaus-Standard.

Pollen und Feinstaub draußen halten

Beim "Eurogate"-Projekt - im Endausbau soll sich in Wien-Landstraße die größte Passivhaussiedlung Europas befinden - errichtet der Bauträger ÖSW ein so genanntes "Passivkomforthaus", das einen "wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz des Passivhauses im mehrgeschoßigen Wohnbau" leisten soll, wie ÖSW-Geschäftsführer Michael Pech erklärte. Ausgereifte Filtersysteme, die Pollen und Feinstaub draußen halten, sollen dort eine sehr hohe Raumluftqualität sicherstellen. Die immer noch etwas höheren Errichtungskosten eines Passiv(komfort-)hauses könnten mit "intelligenter Planung" im Zaum gehalten werden; Mehrkosten von drei Prozent, die in die Haustechnik investiert werden müssen, würden aber durch die enorme Heizkostenersparnis mehr als wettgemacht, so Pech.

Dass so mancher Passivhaus-Bewohner im Sommer Probleme mit Überhitzung bekommen kann, dieses Problem habe man erkannt, gab der technische Geschäftsführer des Bauträgers ARWAG, Günther Stöllberger, zu Protokoll. Abhilfe könne hier das Öffnen der Fenster in der Nacht schaffen. Günther Jedliczka, Geschäftsführer der OeAD Wohnraumverwaltungs GmbH und Vorstandsmitglied der IG Passivhaus Ost, empfahl außerdem Verschattung, um ein übermäßiges Aufheizen durch die Sonneneinstrahlung zu verhindern. 

Passivhaus-Tage am Wochenende

Wie sich private Häuslbauer in ihren Passivhäusern fühlen, das kann in den kommenden Tagen bei den "8. Internationalen Tagen des Passivhauses" erfragt werden. Mehr als 100 Besitzer von Passivhäusern laden österreichweit wieder zur Besichtigung ein, die überwiegende Mehrheit davon sind Einfamilienhäuser. Es können aber beispielsweise auch alle vier OeAD-Gästehäuser in Wien besucht werden, außerdem manche Bürogebäude, Schulen und Kindergärten.

Das genaue Programm der Passivhaustage findet sich auf den Webseiten der IG Passivhaus Österreich samt deren Länderseiten.

GesmbH statt Verein

Neues gibt es auch von der IG Passivhaus selbst: Zusätzlich zum Verein IG Passivhaus wurde im Sommer auch eine GesmbH gegründet, die die nicht gemeinnützigen Tätigkeiten übernehmen soll. Die Änderung geschah primär aus Haftungsgründen, erklärte der neue Geschäftsführer Franz Gugerell: Für den Geschäftsführer eines Vereins haften alle Mitglieder auch mit ihrem Privatvermögen, bei einer GesmbH ist diese Haftung limitiert. Alleiniger Gesellschafter der GesmbH ist der Verein IGPH Österreich. Gugerell führt ein Planungsbüro in Amstetten und ist auch für das Department Bauen und Umwelt der Donau Universität Krems tätig.

Die IG Passivhaus gliedert sich nun in sieben regionale Vereinigungen, die insgesamt rund 320 Mitglieder aus verschiedenen Bereichen der Bauwirtschaft, Wissenschaft und Forschung haben. Noch mehr planende und ausführende Firmen als Mitglieder zu gewinnen ist das erklärte Ziel der IG Passivhaus. (Martin Putschögl, derStandard.at, 10.11.2011)

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Vorarlberg ist der Vorreiter. Wien ist letzter.

Was die Grünen mit den Passivhäusern zu tun haben wollen, ist mir schleierhaft, der Hype hat schon vor der letzten Wahl begonnen - Trittbrettfahrer...

ad Passivhaus (Erfahrungswerte):
Schimmel? Nein!
Komfort? Ja, der Lüftungswahn mit 5 mal Stosslüften am Tag fällt aus...(verbunden mit dem Schwachsinn irgendwelcher Ingenieure, dass man am Schimmel sowieso selber schuld ist)
Gesundheit? Danke - mir geht es gut (sagt auch mein Doktor)
Kosten? Sinken, weil man am Anfang auf den qm-Verbrauch einer vergleichbaren Wohnung eingestuft wird - gibt aber immerhin fette Rückzahlungen

Und: Ich muss beim Einrichten nicht auf die dämlichen Heizkörper Rücksicht nehmen...

Es gibt zum Glück ein paar "Gallier", die es wagen, dem derzeitigen Dämm- und Abdichtungswahnsinn auf wissenschaftlicher Ebene etwas entgegenzusetzen (die meisten "Baufachleute" machen bei dem Wahnsinn leider mit, da sie selbst davon profitieren).

http://clausmeier.tripod.com/enev5.htm

http://www.haufe.de/immobilie... ticleID=81

2

"..Durch die Dämmung kühlen Fassaden angeblich so stark aus, dass Wasserdampf kondensiert"

Ha ha, wer da nicht lachen kann, kann es sonst wohl auch nicht.. ;)

Sie tun sich schwer mit Glaubwürdigkeit, wie wohl es immer das Recht auf 2 Seiten geben muß: das der Nacktbader und jenes der Züchtigen

Vielleicht versuchen´s mal das verwiesene in eigene Worte zu packen.
Vielleicht pack mas dann

Das "Passivhaus" ist im Gebiet des Wohnes das Gleiche wie die "Energiesparlampe" auf dem Gebiet der Beleuchtung:

Lt. technischen Taten hui und von "Experten" klug beworben, in Wirklichkeit ein großer Scha.s, kontraproduktiv, unökologisch, ungesund, in letzter Konsequenz wird man sogar draufkommen, dass es unwirtschaftlich ist, wenn man die gesamten Lebenszyklus-, Wartungs-, Technikreparatur- und Entsorgungskosten einkalkuliert.

so so
Und die Mondlandung fand doch statt

18 geförderte mehrgeschoßige Passivhaus-Wohnanlagen

Oje,

das ist doch mehr als wenig

Ob Wien Welthauptstadt an Passivhausquantität ist oder nicht kann ich nicht beurteilen. Es dürfte jedoch hinter Westösterreich an Durchdringung zurückliegen

Passiv oder nicht, hässlich ist das abgebildete Haus jedenfalls. Und wenn an daran denkt, wie es in 20 Jahren aussieht, kommt einem erst recht das Schaudern.

In 20 Jahren wird man über die Passivhäuser genauso lachen

wie man heute die Nauweise der 70er Jahre unmöglich findet. Entsprechend werden die Preise für derartige abgedichtete, hybridtechnisierte Häuser in den Keller fallen und niemand wird sie haben wollen.

Den Grund für ihren derart beschaffenen Annamen werden sie erst klar nennen müßen

Also ich kenn fast niemanden, der sich in einem Passivhaus richtig wohlfühlt. Da können alle angeblich so supertollen technischen Daten nicht darüber hinwegtäuschen.

supertechnisch - toll meint: keine größeren Betriebskosten

Quatsch,

Ich kann wieder mal für Wien nicht reden,..

Aber ich kenne - niemanden, der sich in Niedrigenergiehäusern (Mietzinsbezieher passen wohl in Passivhäuser so gut wie in Ferraris rein) nicht wohl fühlt.
Vielleicht liegt das Unwohlsein an zu hoher Miete?

"Niedrigenenergiehaus" ist ja noch etwas anderes und durchaus sinnvoll. Absurd wirds allerdings beim "Passivhaus", da hat man den Boden verlassen und begibt sich in ein von Technokraten ersonnenes Konstrukt.

Es ist letztenendes dasselbe, ob 3 - oder 4 l Motor für Otto Normalverbraucher Stadtmensch ist egal.
"Passivenergiehäuser" gab es vor hundert Jahren!
Jede Erfindung ist ersonnen, vom Fischerdübel bis zum Rad

Als Anrainerin

vom Eurogate ist meine Feinstaubbelastung und Lärmbelöstigung nicht der Rede wert. Staub vom Fensterbankerl wischen alle drei - vier Tage, aufstehen um sechs Uhr und LKWs deren Motoren anscheinend keinen Aus-Schalter besitzen. *grummel*

Wer die Realität um die "Pasivhäuser" kennt, dem tun solche Aussagen richtig weh. Außerdem wird er böse, dass der Konsument für so dumm verkauft wird. "Ausgereifte Filtersysteme sollen eine sehr hohe Raumluftqualität sicherstellen".

So ein Unsinn. Es ist eine Tatsache, dass die Schadstoffbelastungen durch Bau- und Belagsstoffe immer stärker zunehmen. Gerade Dichtungsmassen, wie sie bei Passivhäudern massenweise eingesetzt werden, haben das höchste Schadstoffpotential.
Durch die dichte Bausweise mit "Komfortlüftung" können die chem. Stoffe aber nicht mehr ausreichend nach außen gelüftet werden und müssen permanent inhaliert werden.

Ein Passivhaus hat einen 10-20 x geringeren Luftwechsel als ein gesundes Haus. Die Energieersparnis, mit der dabei argumentiert wird, amortiisert sich erst nach 10-20 Jahren - nach dieser Zeit ist allerdings schon wieder eine Sanierung der Bausubstanz fällig. Außerdem ist der Mensch abhängig von Wartung und Reparatur der Haustechnik.

da steht aber schojn viel Unsinn

war ja mit der Aktualitätsgüte wie "Passivhäuser" nicht anders zu erwarten

Luftwechsel geringer, no na

Amortisierungsrate, no na .. am billigsten käme Wellblech!

Dichtungsmassen der höchsten Schadstoffklasse

das ist sicher ein Randthema vermehrter Chemie / Baustoffe

aber nicht so signifikant hoch wie Schimmelbelastung raumfeuchtegeschädigter simpler Hütten

Leider hat das Kondensations-/Schimmelproblem gerade durch die diffusionsdichte Bauweise stark zugenommen.

Eine Studie lt. ÖKO-TEST 2001 mit 10.000 in Deutschland untersuchten Wohnungen ergab, dass ein Drittel aller deutschen Wohnungen so stark mit Schimmelpilzen und Wohngiften belastet ist, dass sie eigentlich nicht mehr bewohnbar sind.

Zit.: "Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel gibt es besonders in Energiesparhäusern. Dafür sind einerseits verbesserte Wärmedämmung durch moderne Bauweise verantwortlich..."

Interessant auch:
Studie von Brasche (Uni Jena): Über 20% der Gebäude haben Schimmelproblem, hierbei sind 60% der Probleme durch die Bauweise bedingt.

Quatsch

gerade durch Überbrücken von Kondensationspunkten gibt es weniger Schimmel

Wären Sie so nett und könnten Sie Ihre Behauptung, dass Passivhäuser mit Luftumwälzung "10-20 x geringeren Luftwechsel" haben als ein "gesundes Haus" mit Quellen belegen?

Und bitte kommen Sie mir nicht mit Verschwörungstheorien wieso die böse Baumafia jegliche Beweise unterdrückt.

z.B. Wikipedia:
"Typische Luftwechselraten sind: Bei undichten Altbauten 4 bis 12 h-1;
bei Neubauten ohne besondere Sorgfalt 3 bis 7 h-1; bei Passivhäusern 0,1 bis 0,6 h-1. "

http://de.wikipedia.org/wiki/Diff... sverfahren

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