Theater an der Wien vor der Uraufführung von Auerbachs "Gogol"

10. November 2011, 13:45
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Otto Katzameier und Martin Winkler statt Bo Skovhus in der Titelrolle

Wien  - Wahnsinn, russischer Weltschmerz, religiöse Inbrunst: Im Theater an der Wien steht mit Lera Auerbachs "Gogol" am Dienstag (15. November) die Opernuraufführung der heurigen Saison an. "Ich bekenne mich dazu, dass es ohne neue Werke keine Zukunft für die Oper geben kann", beschied Intendant Roland Geyer am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts.

Dieses setze in der Endphase des Lebens von Nikolai Gogol an, als sich dessen religiöser Impetus in Wahn verkehrt hatte, umriss die 36-jährige Russin Auerbach die Grundidee ihrer ersten großbesetzten Oper. Ihr Ansatz sei dabei nicht biografisch, sondern zeige den Autor als Mann mit großen Konflikten zwischen Moral und Begehren. Schließlich sei Gogols Werk eigentlich eines des 21. Jahrhunderts.

"Librettistin ist zu wenig. Es handelst sich bei Lera Auerbach um eine Dichterin", lobte Regisseurin Christine Mielitz "Gogol" und freute sich, nach Jahren der Intendanz am Theater Dortmund wieder einmal bei einer Uraufführung an Bord zu sein: "Da verdichten sich Tradition und Routine zu einem Cocktail, wo man selbst Hunger nach etwas Neuem hat." Auerbachs Musik sei so etwas Neues, brande wie eine Meereswoge über alles hinweg und tauche jedes Detail in russische Farben. Überdies sei auch die Thematik sei perfekt gewählt: "Der Gogol selbst ist ja ein Festfressen für das Theater."

Dass dieses Festfressen die Menschen ins Theater an der Wien locken wird, steht für Intendant Geyer fest: "Das, was wir hier in wenigen Tagen zur Uraufführung bringen, ist sicherlich eine der bemerkenswertesten Arbeiten eines jungen Künstlers." Musikalisch wird diese Arbeit von Vladimir Fedoseyev verantwortet, der erstmals am Pult des RSO stehen wird.

Dabei ergab sich kurz vor Probenbeginn noch eine bedrohliche Situation durch den stimmbedingten Ausfall von Bo Skovhus, der für die Titelrolle vorgesehen und lange ins Projekt involviert war. "Wir standen kurz vor einem Stopp", so Geyer. Die Lösung des Problems: Die Partie wurde auf zwei Baritone aufgeteilt, wofür Otto Katzameier und Martin Winkler gewonnen wurden, welche jeweils die halbe Rolle in zwei Wochen erlernten. (APA)

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