warschau

11. November 2011, 23:20
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Die Luft schmeckt nach Vorwinter. Ich nähere mich über die ausgedehnte zentralstädtische Brache "Warszawa Centralna", dem wichtigsten Bahnhof der polnischen Hauptstadt. Ursprünglich sollte hier eigentlich alles dicht mit sozialrealistischen Schmuckbauten bestückt werden, doch dann starb Stalin und der grandiose Plan gleich mit ihm. Auch gut. Man hat nun dafür viel freien Raum für die zentrale Fußballeuropameisterschaftsfanmeile im nächsten Sommer. Auch deshalb wird viel herumgewerkelt an der unterirdisch gelegenen Station und ihren unübersichtlichen Passagen. Kabel hängen von niedrigen Decken, Verrammelungen sind in Stellung gebracht. Stückwerk allenthalben. Für die Warschauer ist das nichts Neues. Denn ihr Bahnhof ist seit seiner überhasteten Fertigstellung zur Feier des Besuchs des sowjetischen Parteichefs Leonid Breschnew im Jahr 1975 ständig renovierungsbedürftig. "In einem der Gänge stand der erste Automat, an dem man Getränke und Süßigkeiten kaufen konnte", erzählt Johanna Król. Die 27-jährige arbeitet für das Museum der polnischen Juden, die Geschichte ihrer Stadt ist ihre Passion. Es sei ein sehr "westlicher" Bahnhof, sagt Król. "Die Regierung lieh sich das Geld für den Bau aus dem kapitalistischen Ausland, die Rolltreppen kamen aus Frankreich." 1843 stand ungefähr an dieser Stelle ein Kopfbahnhof namens Dworzec Wiedeński, der Wiener Bahnhof. Und in wenigen Minuten beginnt hier meine Nachtfahrt an eben jenen Zielort. Sie kostet 29 Euro und wird ungefähr zehn Stunden dauern. Praktischerweise kommt Wagen 347 exakt vor meinem Standpunkt auf dem Bahnsteig zum Stillstand. Vier der sechs Plätze im Sitz-Abteil sind reserviert, darunter meiner. Und zwei sind sogar schon besetzt: Von einem auf spanisch telefonierenden Twen, blaues Hemd und Bart, der seinen Laptop schon auf dem Fenstertischchen in Position gebracht hat. Und einer schmalen jungen Frau, der ein brauner Haarzopf bis in die Kniekehlen reicht. Sie ist in absurd leichter Gewandung erschienen. Ein Nichts von Schuh, weiße Strümpfe, Rüschenkleid. Ein Graukopf in leichter Verwirrung drückt sich wiederholt vom Abteil auf den Gang und wieder zurück. Offenbar sorgt die fehlende Platzkarte für Verunsicherung. Schlussendlich entschließt er sich zum Bleiben. Wir rollen. Der Spanier spricht jetzt Englisch: "Beschissene Reise." Dann nimmt er die Tastatur seines mit dem Aufkleber eines Plattenlabels verzierten Rechners in Beschlag, der Umwelt durch Kopfhörer entrückt. Er wird die Augen für die nächsten Stunden nicht mehr vom Bildschirm abwenden. Der graue Pole hat, wie der Zug die Stadt, seine Unruhe hinter sich gelassen. Sein vierschrötiges Preisboxergesicht steht im Kontrast zu geschmackvoller Kleidung: solides Sakko, ein Schal umschmeichelt leger den Hals. Er blättert in der Gazeta Wyborcza. Bei der Ballerina neben mir plinkt noch ein bisschen das Mobiltelefon, an dem ein schmückendes Anhängsel zusätzlich leise klingelt. Doch ein um den Körper gezogener Mantel gibt bereits dem Willen zur Nachtruhe entschlossen Ausdruck. Noch jedoch leuchtet das Deckenlicht in die Dunkelheit hinaus, während Sobieski auf seiner kerzengeraden Strecke durch die leere masowische Ebene gleitet. Ich sitze vor mich hin. Es gebricht mir an leichter Lektüre, und so bleibt mir nichts, als raschelnd im Plastiksack nach Buttertoffees zu fischen. Die hatte ich mir aus meiner Unterkunft als Wegzehrung mitgebracht und bisher eigentlich für eine typisch schottische Nationalnascherei gehalten. Mehr Proviant erachtete ich für unnötig, denn polnische Omaküche aus einer der immer seltener werdenen Milchbars, leicht angestaubten Etabissements mit dem Charme von Betriebskantinen, füllte mein Inneres weitgehend aus. Auf der Entdeckungsreise in eine feuchtwarme Atmosphäre hinein vergreife ich mich tastend ein ums andere Mal in den Matsch einer überaus reifen Bananenschale. Mein betont leeren Blick gibt sich alle Mühe, nichts von diese kleinen Fiaskos nach außen dringen zu lassen. Der Spanier nützt sofort seine Chance. Ohne Vorwarnung schnellt er, mir einen fragenden Blick zuwerfend, hoch - und legt den Lichtschalter um. Sofort bedaure ich mein mittels zustimmenden Kopfnickens erteiltes Einverständnis. Zu spät. Meine Schläfrigkeit ausstrahlende Inaktivität hat den Weg für die wichtigste und folgenreichste Entscheidung nächtlicher Zugfahrten bereitet. Sie ist unumkehrbar. Dunkelheit flutet. Nun fühlt es sich auch wirklich nach Nacht an. Wir erreichen bewohntes Gebiet. Ansiedlungen punkten von draußen herein. Wir werden langsamer. Wir halten. Ein Bahnsteig. In den Preisboxer kehrt das Leben zurück. Er hastet nach draußen. Kaum ist er weg, drängt ein Neuer ins Abteil. Das muss der vierte Reservierer sein: ein Dicker mit Kugelbauch. Breitbeinig sitzt er da, die Leibesfülle lässt wohl nichts anderes zu. Unerschrocken streckt die Ballerina ihre zerbrechlichen Läufe zwischen die Stempel ihres Gegenüber. Bei einer Bewegung seinerseits würde eine Katastrophe ihren Lauf nehmen. Leider ist er nicht so still wie bewegungslos. Jeder Atemzug verebt in einem Rattenschwanz absurdester kleiner Geräusche. Er klingt wie eine alte, sehr große Maschinerie. Quietscht, knarzt, pfeift, inhaliert, rasselt. Fahrkahrtenkontrolle. Der etwas abwesende Schaffner spricht gebrochenes Deutsch. Einen Kollegen hat er mit dabei, nein, nicht allzuviel los heute. Sie werden nur bis Kattowitz mitfahren und von dort nach Warschau zurückkehren. Ab dann übernehmen die tschechischen Kollegen. Wir sind bereits ein paar Stunden unterwegs, noch hat niemand ein Wort gesprochen. Mir geht der Fudge aus. Ich hebe den Arm Richtung Leselampe, sie reagiert mit matter Helle. Erleichterung. Ich ziehe zwei Paperbacks aus meinem Rucksack. Geschenke. Polnische Autorinnen, die ich nicht kenne. Ich blättere. Ich fühle Missbilligung von der Ballerina abstrahlen. Es muss jetzt nach Mitternacht sein. Der Spanier schreibt nicht mehr, starrt nur noch. Auf dem Bildschirm jetzt wohl einen Film. Er bearbeitet in stakkatoartigen Ausbrüchen einen Kaugummi. Manchmal durchzuckt eine in wahnwitziger Schnelligkeit ausgeführte Bewegung seinen Körper, den sein Geist offenbar bereits verlassen hat. Ich sehe es. Es macht mir Sorgen. Man meint, nie zu schlafen, auf solchen Nachtfahrten. Doch das Täuschung. Kann man Wachheit träumen? Immer wieder rutscht der Kopf in scheinbar ewiger Wiederholgung unerbittlich zur Seite weg und kippt ins Nichts. Ich schrecke auf. Neben mir sticht die weiße Schulter der Ballerina aus der Ummantelung hervor ins Dunkel. Wir stehen. Viertelwachheit. Ein Bahnhof. Es könnte Ostrava sein. Wir haben Kugelbauch verloren. Der Spanier hat den Computer zusammengeklappt. Ich hatte befürchtet, er würde im Augenblick des Abschaltens sterben. Doch er atmet noch. Das nächste Mal erlange ich mein Bewusstsein exakt in Meidling wieder. Bis zum Westbahnhof dauert es nun nur noch einen Augenblick. Ich erhebe mich. Die Welt ist neu, das Klo nur mittelmäßig versaut. Die Ballerina entelft. Der Spanier sagt Good bye. Wir sind angekommen. Baustelle auch hier. Ich kaufe zwei Zuckerkipferl.

Ein Paralleluniversum beginnt sich aufzulösen. Verschwindet einfach. Vier birkengelbe, ahornrote, bettgeschwängerte Tage, der Normalwelt und ihren Realitäten irgendwie enthoben. Vorbei. Es geht zurück in ein anderes Leben. Die Luft schmeckt nach Vorwinter. Ich nähere mich über die ausgedehnte zentralstädtische Brache dem Warschauer Hauptbahnhof. Ursprünglich sollte hier eigentlich alles dicht mit sozialrealistischen Schmuckbauten bestückt werden, doch dann starb Stalin und der grandiose Plan gleich mit ihm. Man hat nun dafür viel freien Raum für die zentrale Fußballeuropameisterschaftsfanmeile im nächsten Sommer. Auch deshalb wird viel Herumgewerkelt an der Station und ihren unübersichtlichen subterranen Passagen. Kabel hängen von niedrigen Decken, Verrammelungen sind in Stellung gebracht. Stückwerk allenthalben.

Auch an diesem unauffälligen Abend unter der Woche haben sich massenhaft Leute auf dem Bahnsteig verteilt. Verblüffend. Auf welchem der beiden möglichen Gleise mein Zug einfahren wird, der neben Wien auch noch Prag und Budapest als Ziel zu haben scheint, wird bis zuletzt geheimgehalten. Allen möglichen Durchsagen zum Trotz. Die Verzögerungstaktik scheint hier so üblich zu sein. Sie sorgt für eine anregende Unruhe in der Magengegend und nötigt den zukünftigen Passagieren zudem einiges an spekulativen Fähigkeiten bezüglich einer möglichst vorteilhaften strategischen Positionierung im Gelände ab.

Einfahrt. Praktischerweise hält mein Zugteil exakt vor meinem Standpunkt. Ich kann Gelassenheit ausstrahlen und mich so glanzvoll aus dem anhebenden Gelaufe und Geschiebe herausheben. Mit festem Schritt besteige ich den im heimatlichen Graurot gehaltenen Waggon. Vier von sechs Plätzen im Abteil sind reserviert, darunter meiner. Das geht. Zwei sind sogar schon besetzt. Von einem spanisch ins Fon parlierenden Typen, der seinen Aufklapprechner schon auf dem Fenstertischchen in Position gebracht hat, und einer schmalen jungen Frau, der ein brauner Haarzopf bis in die Kniekehlen reicht. Sie ist in absurd leichter Gewandung erschienen. Ein Nichts von Schuh, weiße Strümpfe, Rüschenkleid. Ein Graukopf in leichter Verwirrung drückt sich wiederholt vom Abteil auf den Gang und wieder zurück. Offenbar sorgt die fehlende Platzkarte für Verunsicherung. Schlussendlich entschließt er sich zum Bleiben. Wir rollen.

Der Spanier, jung, in blauem Hemd und Bart, spricht jetzt Englisch: "Beschissene Reise." Dann nimmt er die Tastatur in Beschlag, der Umwelt durch Kopfhörer entrückt. Er wird die Augen für die nächsten Stunden nicht mehr vom Bildschirm abwenden. Der graue Pole hat, wie der Zug die Stadt, seine Unruhe hinter sich gelassen. Blättert in der Zeitung, genauer: starrt beharrlich eine einzige Seite an. Sein etwas vierschrötiges Preisboxergesicht steht im Kontrast zum Qualitätsblatt und geschmackvoller Kleidung: solides Sakko, ein Schal umschmeichelt leger den Hals. Für einen Architekten zwar bei weitem nicht genug Schwarz, Universitätslektor in Markt- und Meinungsforschung oder Betriebswirtschaft ginge sich aber ohne weiteres aus. Bei der Ballerina neben mir plinkt noch ein bisschen die Kommunikationstechnologie, während des Antwortens klingelt ein schmückendes Anhängsel leise am Telefon. Doch ein um den Körper gezogener Mantel gibt bereits dem Willen zur Nachtruhe entschlossen Ausdruck. Aber noch leuchtet das Deckenlicht in die Dunkelheit hinaus, während Sobieski auf seiner kerzengeraden Strecke durch die leere masowische Ebene gleitet.

Ich sitze vor mich hin. Es gebricht mir an leichter Lektüre, und so bleibt mir nichts, als raschelnd im Plastiksack nach Buttertoffees zu fischen. Die hatte ich mir aus dem im ehemaligen jüdischen Ghetto gelegenen Bett und Frühstück als Wegzehrung mitgebracht und bisher eigentlich für eine typisch schottische Nationalnascherei gehalten. Mehr Proviant erachtete ich für unnötig, denn polnische Omaküche aus einer der immer seltener werdenen Milchbars, leicht angestaubten Etabissements mit dem Charme von Betriebskantinen, füllte mein Inneres weitgehend aus.

Auf der Entdeckungsreise in eine feuchtwarme Atmosphäre hinein vergreife ich mich tastend ein ums andere Mal in den Matsch einer überaus reifen Bananenschale. Mein betont leeren Blick gibt sich alle Mühe, nichts von diese kleinen Fiaskos nach außen dringen zu lassen. Der Spanier nützt sofort seine Chance. Ohne Vorwarnung schnellt er, mir einen fragenden Blick zuwerfend, hoch - und legt den Lichtschalter um. Sofort bedaure ich mein mittels zustimmenden Kopfnickens erteiltes Einverständnis, das doch nur durch einen willenlosen Reflex zustande kam. Zu spät. Meine Schläfrigkeit ausstrahlende Inaktivität hat den Weg für die wichtigste und folgenreichste Entscheidung nächtlicher Zugfahrten bereitet. Sie ist unumkehrbar. Dunkelheit flutet. Nun fühlt es sich auch wirklich nach Nacht an.

Der zwischenzeitlich in sich zusammengesunkene Pole beginnt sich wieder zu regen. Plötzlich leuchtet auch sein Gesicht bläulich, ein weiterer Laptop ist in betrieb gegangen. Wir sind bereits ein paar Stunden unterwegs, noch hat niemand ein Wort gesprochen. Mir geht der Fudge aus. Ich hebe den Arm Richtung Leselampe, sie reagiert mit matter Helle. Erleichterung. Ich ziehe zwei Paperbacks aus meinem Rucksack. Geschenke. Polnische Autorinnen, die ich nicht kenne. Ich blättere. Ich fühle Missbilligung von der Ballerina abstrahlen.

Wir erreichen bewohntes Gebiet. Ansiedlungen punkten von draußen herein. Wir werden langsamer. Wir halten. Ein Bahnsteig. Keiner zuckt auch nur mit der Wimper. Routiniertes Phlegma. Doch dann, wir stehen sicher schon minutenlang, kehrt die Unruhe in den Preisboxer zurück. Er steht auf, schaut nach links, nach rechts. Peilt die Lage. Sucht. Verrenkt sich dann halb den Hals, beim Blick aus dem Fenster. Vielleicht hat er die Aufschrift im Halbdunkel sehen können: Sosnowiec. Da drängt sich ein korpulenter Mann ins Abteil, sagt kurz etwas auf Polnisch. Will den Platz des Fahrigen. Der verzieht sich nach kurzem resigniertem Achselzucken in den Gang, obwohl noch zwei Plätze frei gewesen wären.

Der Neue musste der vierte Reservierer sein. Ein Dicker mit Kugelbauch. Breitbeinig sitzt er da, die Leibesfülle lässt nichts anderes zu. Unerschrocken streckt die Ballerina ihre zerbrechlichen Läufe zwischen die Stempel ihres Gegenüber. Bei einer Bewegung seinerseits würde eine Katastrophe ihren Lauf nehmen. Doch er ist ganz Statik. Leider ist er nicht so still wie bewegungslos. Er klingt wie eine alte, sehr große Maschinerie. Quietscht, knarzt, pfeift, inhaliert, rasselt. Jeder einzelne Atemzug verebt in einem Rattenschwanz absurdester kleiner Geräusche. Und das bleibt jetzt so? Tut es. Und es ist kaum auszuhalten. Saturiert und in völliger Unschuld dasitzend, treibt mich der Koloss langsam in den Wahnsinn. Ich packe die Bücher weg, lösche das Leselicht. Ich versuche, zu meditieren.

Der Spanier schreibt nicht mehr, starrt nur noch. Auf dem Bildschirm jetzt wohl Film. Es muss nach Mitternacht sein. Von Zeit zu Zeit bearbeitet er in stakkatoartigen Ausbrüchen einen Kaugummi. Er ist eine Salzsäule, dann durchzuckt eine in wahnwitziger Schnelligkeit ausgeführte Bewegung den Körper. Danach ebenso blitzartige Rückkehr in die Nullstellung. Ich sehe es. Es macht mir Sorgen. Wir haben Kattowitz hinter uns. Typisch polnischer Bahnsteig, also auf das absolut Wesentliche reduziert. Ein bisschen Bewegung draußen, Eisenbahnermützen im Sowjetstil ziehen am Fenster vorbei.

Ich scheine einzuschlafen. Immer wieder rutscht der Kopf in scheinbar ewiger Wiederholgung unerbittlich zur Seite weg und kippt ins Nichts. Unbewusste Bewusstheit. Taube Dämmernis. Ich schrecke auf. Neben mir sticht die weiße Schulter der Ballerina aus der Ummantelung hervor ins Dunkel. Längst ist jene Phase erreicht, in der man trotz Veränderung der Körperhaltung - Beine auf den Sitz gegenüber ausstrecken, Beine anwinkeln. Gewicht nach rechts verlagern, Gewicht nach links verlagern. Nach unten gleiten, sich aufrichten - im immergleichen Verspannungszustand verbleibt. Es ist dieses Wabern am Steiß, von dem man jedesmal von neuem vergeblich glaubt, ihm dieses Mal entgehen zu können. Der Spanier hat den Computer zusammengeklappt. Ich hatte befürchtet, er würde im Augenblick des Abschaltens sterben. Doch er atmet noch.

Wir stehen. Viertelwachheit. Ein Bahnhof. Zug gegenüber. Ebenfalls ruhend. Wird unserer nun auseinandergenommen? Eine sanft spürbare Erschütterung würde darauf hindeuten. Es könnte Ostrava sein. Eine blecherne Stimme kreist sich in mein Bewusstsein. Sie scheint in Endlosschleife Immergleiches zu deklamieren. Es scheint eine Sprache zu sein, die ich verstehe. Wir haben Kugelbauch verloren. Man meint, nie zu schlafen, auf solchen Nachtfahrten. Doch das Täuschung. Kann man Wachheit träumen? Die frühen Stunden. Es sind wie üblich die unwirklichsten, die längsten und die klammsten. Dafür sorgt schon allein die aus unerfindlichen Gründen plötzlich im Vollbetrieb für Kaltluftzufuhr. Drei Mumien kauern unter Aufbietung aller verfügbaren Gewandschichten im Abteil, als das österreichische Zugpersonal mit schneidenden Stimmen einen guten Morgen wünscht. Das Panorama des Leids wird es ignorieren.

Das nächste Mal erlange ich mein Bewusstsein eine Stunde später wieder. Exakt in Meidling. Bis zum Westbahnhof dauert es nun nur noch einen Augenblick. Ich erhebe mich. Die Welt ist neu, das Klo nur mittelmäßig versaut. Wir sind angekommen. Die Ballerina entelft. Der Spanier sagt Good bye. Byebye sage ich. Die Notwendigkeit hat mich wieder. Ich kaufe zwei Zuckerkipferl.

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