Spindelegger: "Seine persönliche Entscheidung, sich zurückzuziehen, ist zu respektieren" - SPÖ sieht Ende des Lobbyismus für Großbauern und Grüne orten Krise des Bauernbundes
Wien - "Wenn die Einladung von Bestseller-Autor Thilo
Sarrazin tatsächlich dazu geführt hat, dass ÖVP-Bauernbundchef
Grillitsch von seinem Parteivorsitzenden Spindelegger in die Wüste
geschickt wird, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass in der
ÖVP rechtskonservative und heimatverbundene Kräfte keinerlei Platz
mehr haben", meinte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als Reaktion auf den Rücktritt von Bauernbund-Chef Fritz Grillitsch. Strache reiche daher "all jenen ÖVP-Funktionären, die mit dem
Linksabdriften ihrer Partei zutiefst unzufrieden sind, die Hand, ein
Stück des Weges gemeinsam zu gehen". Die FPÖ sei heute die letzte im Land
verbliebene Partei, die den Focus auf den Erhalt unserer Werte und
Kultur lege. "Wer willens ist, dies gemeinsam mit uns zu verteidigen,
ist uns herzlich willkommen", so Strache.
Die ÖVP hat sich am Donnerstag in einer Vielzahl von
Aussendungen von Bauernbund-Chef Fritz Grillitsch verabschiedet und
ihm für seine Arbeit gedankt. "Fritz Grillitsch übergibt einen starken Bauernbund. Seine
persönliche Entscheidung, sich zurückzuziehen, ist zu respektieren",
so ÖVP-Chef Michael Spindelegger, der sich ausdrücklich für die "hervorragende Arbeit"
des scheidenden Präsidenten bedankte.
Für die SPÖ freute sich hingegen Kräuter, dass mit Grillitsch im
Agrarbereich eine "Ära des Lobbyismus für Großbauern, der
Reformverweigerung und der bürokratischen Strukturbewahrung" endet.
Der Grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber wertete den
überraschenden Abgang als Zeichen der demokratiepolitischen Krise des
Bauernbundes. (red/APA)