Uni-Budget

AKH: Ärzte protestieren gegen geplante Personalkürzungen

10. November 2011, 13:24

Ärzte-Betriebsversammlung - 14 Prozent Personaleinsparungen ab 2012

Wien- Die Budgetsituation an Österreichs Universitäten nimmt konkrete Formen ein: Das Wiener AKH hat heute zu einer Betriebsversammlung der Ärzte eingeladen. Der Betriebsrat warnt vor Einsparungen beim Personal, es werde weniger Journaldienste geben. Die Versorgung der Patienten werde nicht gefährdet sein, wird versichert. Die Ärzte des AKHs sind Angestellte der Medizinischen Universität - und von der Budget-Misere der Universitäten direkt betroffen.

Schließung der Notaufnahme möglich

In den vergangenen Wochen haben Ärzte der MedUni wiederholt auf die geplanten und beabsichtigten Kürzungen aufmerksam gemacht, etwa in einem Offenen Brief an Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP). Die Rede war darin von "gefährlichen Personalverdünnungen". Gefordert wurde unter anderem, dass die veranlasste "Nichtnachbesetzung" von mindestens 40 bis 50 Stellen rückgängig gemacht werden müsse.

Auch die Nacht-Journaldienste dürften nicht reduziert werden, verlangen die Ärzte. Uni-Rektor Wolfgang Schütz hatte zuletzt die Befürchtung geäußert, dass diese ab Jänner 2012 zurückgefahren werden müssen, "um den Abgang an ärztlichem Personal in Grenzen zu halten". Laut Medienberichten wird auch die teilweise Schließung der Notaufnahme diskutiert. 

"Wir forschen in unserer Freizeit"

Derzeit gibt es 170 Journaldiensträder im Wiener AKH, die sollen auf 148 gekürzt werden. 14 Prozent Personaleinsparungen stehen im Raum. Konkret bedeuted das ein bis zwei Nachtdienste weniger pro Station. Das hat dramatische Folgen, denn Oberärzte müssen nicht nur das Geschehen überwachen, sie sind auch die Ansprechpersonen für Assistenzärzte. Ein Assistenarzt, der namentlich nicht genannt werden will, befürchtet, dass sie dadurch gezwungen werden, nicht akute Fälle entweder nachhause oder in andere Spitäler schicken müssen. Besonders schwierig sei die Situtiation auf der Intensivstation. Jetzt sind dafür zwei Ärzte zuständig, nach der Umsetzung der Kürzung wird es nur noch einer sein.

Offene Stellen werden nicht nachbesetzt, nur noch Karenzstellen ausgeschrieben. Auf jeder Station fehlen ein bis zwei Assistenzärzte. "Wir haben derzeit eine Wochenarbeitszeit von 70 Stunden. Da ist die Forschung, zu der wir vertraglich verpflichtet sind, nicht miteinberechnet. Wir forschen in unserer Freizeit", sagt der Assistenzarzt zu derStandard.at. Der Ball liege nun bei Wissenschaftsminister Töchterle.

Forderungen an Bund

Die Forderungen richten sich an den Bund. Dass die Stadt - die im AKH in erster Linie das Pflegepersonal stellt - einspringt, gilt als eher ausgeschlossen. Der zuständige Krankenanstaltenverbund (KAV) kämpft ebenfalls mit knappem Budget. Geplante Sparmaßnahmen wurden kürzlich, nach Gesprächen mit der Personalvertretung, zurückgezogen. Nun wird mit der Gewerkschaft über modernisierte Betriebsabläufe verhandelt. (mte/APA, derStandard.at, 10.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
F.S.K
12
11.11.2011, 03:03
österreich ist da zu verschwenderisch, fast 50% mehr mitarbeiter als in deutschland

"So sichern 10,8 Krankenhausmitarbeiter je 1.000 Einwohner die stationäre Versorgung in Deutschland, während zum Beispiel in Österreich 15,3, Irland 14,9 und Italien 12,3 Mitarbeiter pro tausend Einwohnern in der stationären Versorgung arbeiten. "

http://de.wikipedia.org/wiki/Klinik

hot doc
00
11.11.2011, 15:45

zahlen muss man auch richtig interpretieren können. zum einen ist es mit der medizinischen versorgung in vielen deutschen krankenhäusern schlecht bestellt.
zum anderen zählen zu den mitarbeitern auch hausarbeiter und reinigungskräfte. das moderne, aber nicht immer effiziente outsourcing macht natürlich solche zahlen gleich viel hübscher, billiger wird der betrieb aber damit nicht.

Userinnen Accountinnen
11
11.11.2011, 02:28

Sehr fein, was ich da lese.

Freue mich darüber, dass es zu Kündigungen kommt. Hoffentlich werden dabei ein paar Professoren auch gekündigt.

Wie es den Patienten geht, ist ma ehrlich gesagt wurscht.

Archi
11
11.11.2011, 10:07
meinen sie das ironisch oder sind sie wirklich so ein du**** a****?

gemeinwohl-ökonomie
04
11.11.2011, 02:24
Das sind ja glänzende Aussichten!

Meine volle Solidarität den Ärzten, die Unmenschliches leisten!
In ganz Europa wird sehr bald an Sozialleistungen, Bildungsausgaben und im Wissenschaftsbereich gespart werden (müssen). Auch in Österreich. Und es dämmert dem Wahlövolk noch immer nicht, daß wir das der unermesslichen Gier unserer Banken und völlig versagenden Politikern zu verdanken haben, weil wegen der Bankenrettungsschirme sich der Staat auf viele Jahre noch mehr verschulden muß. Und noch immer werden Hedgefonds nicht verboten!

saphre
00
30.11.2011, 22:17
unmenschliches leisten....

schön langsam reicht diese unerträgliche selbstbeweihräucherung!

in der notaufnahme findet man nur *untere ärzte* die durchaus bemüht sind. die *oberen* sind daweil beim heurigen, oder lassen es sich sonstwo gut gehen.

phobetor
00
11.11.2011, 01:47

konkrete formen...
...professoren stellen werden an anderen unis schon seit monaten nicht nachbesetzt, glaub die konkreten formen gibts schon länger aber wenns jetzt auch doktoren (medizinische oder gibts andere auch?) bertrifft is natürlich schlimm.

ganz im ernst ich find das schlimm, aber dass es genau damit konkrete formen an nimmt is übertrieben, andere unis haben solche probleme schon lange und auch schon betriebsversammlungen abgehalten etc.

Asylwiener
02
11.11.2011, 00:42

148 Diensthabende Ärzte (WoE und nachts) für 2209 Betten und "Laufkundschaft" -> bonne chance!

saphre
00
30.11.2011, 22:19
wie meinen?

in der notaufnahme werden die meisten mit infusionen versorgt, daweil wird blutbild und urin untersucht und anschließend nach hause geschickt!

ridgero
00
10.11.2011, 23:47
Schließung der Notfall?

Viel Spaß, ich bin gespannt wer diese Abteilung kompensieren sollte.

traumfräulein
02
10.11.2011, 20:06
2 ärzte auf der intensiv

den 2. würde ich gerne mal kennenlernen. ich bin dort immer nur alleine zuständig und auch assistenzärztin. wieder mal gut recherchiert...

ParanoidBoxdroid
00
10.11.2011, 21:05

nicht jede intensiv ist gleich. ich bin assistenzarzt und wir sind zu zweit.

Walter Fenz
162
10.11.2011, 19:13
Hergöttchen, das AKH wird es überleben

und auch jene, die nichts Besseres zu tun haben, als sich dort zum zum Affen oder Professor zu machen.

Keiner zwingt einen Arzt, am AKH "Wissenschaft" UND "Lehre" UND medizinische Prostitution zu simulieren.

In München wird eine der größten Psychiatrien in Bayern mit insgesamt gut 1000 Betten nächtens und am WE regulär mit nicht mehr als 2 Ärzten bespielt- davon häufig nicht mal einer Facharzt. Irgendein OA soll zu Hause erreichbar sein.

An deutschen Unikliniken sind Besetzungen von Diensträdern wie am AKH schlicht undenkbar. Da werden Intensivstationen von Assis alleine bespielt, an einer der größten ostdeutschen Unikinderkliniken kann die Gesamtarbeitserfahrung vor Ort bei 3,5 a liegen. Bei 3 Leuten. Für Maximalversorgung.

the bugger_off
00
11.11.2011, 10:14

das müssen ja schreckliche zustände sein in dieser münchner psychiatrie. so etwas auch noch gut zu heissen ist schlichtweg menschenverachtend.
sie tun mir leid.

hot doc
12
11.11.2011, 15:48

ja, mir tut er auch leid, weil sonst hätten sie ihn dort schon besser medikamentös behandelt.

Asylwiener
01
11.11.2011, 00:45

schon mal einen AKH-Vertrag gesehen?

Als Unibediensteter ist 1/3 Forschung, 1/3 Lehre, und 1/3 Klinik im Vertrag festgeschrieben...

Walter Fenz
01
11.11.2011, 10:23
Kein Arzt muß am AKH arbeiten,

wer unbedingt Maximalversorgung und Wissenschaft betreiben möchte, hat in Österreich durchaus mehr Möglichkeiten, schon gar im Ausland (unter teils deutlich besseren Arbeitsbedingungen).

Man muß dann eben seine Allerwertesten aus Wien hochbekommen, aber das ist ein anderes Problem.

ParanoidBoxdroid
04
10.11.2011, 21:08

die wichtigere frage: finden sie das gut?

oder leiden sie wie viele kolleginnen und kollegen am akuten heldensyndrom.
natürlich geht es noch schlechter, aber was heißt das?

n m
02
10.11.2011, 20:49

a) Ein Übel rechtfertigt nicht das andere, oder finden Sie das besonders toll, wenn 1000 PatientInnen an einer Psychiatrie von 2 ÄrztInnen betreut werden?
b) Kein Arzt/keine Ärztin wird gezwungen Klinik und Forschung und Lehre zu machen, das stimmt schon. Aber woher u.a. denken Sie kommen die wissenschaftlichen Forschungen, die dazu beitragen, die Medizin und letztlich Ihre Versorgung/Vorsorgemaßnahmen/Behandlung voran zu treiben?

siliconvalley
06
10.11.2011, 20:26

das AKH mag es schon überleben, aber wieviele Patienten werden nicht so viel Glück haben?

Takeshi Kovacs
03
10.11.2011, 20:14
das ist noch gar nix:

in den usa werden 100000000 von einem resident betreut; am wochenende nur vom portier!!

Bonair
03
10.11.2011, 19:55
Na dann: Wenn die anderen unfähig sind, dürfen wir ihnen ja in Nichts nachstehen...

Ihnen ist schon klar, dass das AKH Versorgungsaufgaben für Patienten übernimmt, die es in Wien, teilweise in ganz Österreich, sonst nicht gibt? Eine Psychiatrie ist leicht zu finden, aber viel Glück wenn Sie mal Exoten wie Morbus Gaucher o.ä. haben - die trifft eine Minderung der Versorgungsqualität doch recht hart.

Walter Fenz
20
10.11.2011, 20:26
Welche Versorgungsaufgaben soll denn

das AKH bitte KONKRET für ganz Österreich (?!) übernehmen, die es sonst nicht gibt, schon gar in der Nacht und am Wochenende ?

Wozu hat man dann die Unikliniken in Innsbruck, Graz und Salzburg, die Maximalversorger in Feldkirch, Linz/Wels, St. Pölten, Klagenfurt ?

Mir wäre ein "akuter" Gaucher, den nur das AKH mitten in der Nacht versorgen kann, neu......

Es geht hier um Diensträder, nicht um Spezialambulanzen !

An der Charité in Berlin ist es nicht unüblich, daß der bauchchirurgische Vordergrund einen hochakuten Bauch nicht operieren kann - und dann eben auf den OA wartet. Und das im Herzen einer 3,4-Mio-Stadt.
Stirb oder stirb - das kommt da vor. Das wird man sich in Wien auch noch leisten können !

Asylwiener
11
11.11.2011, 00:48

und die nächste Blüte der Fenz'schen einsicht.

Hyperbare Therapie, zB, gibt's genau 3 mal in Ö und einmal 24x7 (raten Sie mal wo!)

und wieviele NFAs haben Sie schon ausserhalb des Hauptabendprograms gesehen?

usw usf

Walter Fenz
00
11.11.2011, 10:10
Thoraxchirurgie Graz hat around the clock

Druckkammer, die Druckkammer am AKH ist noch nicht mal funktionsfähig :

http://wiev1.orf.at/stories/527079

Was sollen also diese plumpen Lügen ?

Notfallaufnahmen gibt es eigentlich auch in allen anderen Grundversorgungsspitälern in Österreich, einschließlich der Maximalversorger- allerdings ist das AKH in Wien nicht mal Monopolist für Notfallaufnahmen, weil es da noch die KAV-Spitäler und auch die UKHs gibt .

Die Arbeit in der Notfallaufnahme ist heute hundsnormaler Teil der Turnusausbildung, was soll daran besonders sein ?

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