Antidiabetika machen Diabetikern das Abnehmen schwer

10. November 2011, 12:45
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Die Gewichtsabnahme ist das zentrale Ziel in der Diabetestherapie - Diabetesmedikamente erschweren dieses Vorhaben

Berlin - Etwa 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig und 20 Prozent leiden an Adipositas. Die „Fettleibigkeit" ist eine chronische Krankheit, die mit einer verkürzten Lebenserwartung, Verlust an Lebensqualität und nicht zuletzt einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht. Zentrales Ziel der Diabetesbehandlung ist es, Körpergewicht zu reduzieren. Über neue Strategien bei der Therapie von Diabetes und Adipositas diskutieren Experten auf der 5. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Veranstaltung findet vom 11. bis 12. November 2011 in Berlin statt.

Wenn Ärzte die Diagnose „Typ-2-Diabetes" stellen, raten sie ihren Patienten meist dazu, ihre Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. Sprich, ihren Lebensstil zu ändern. „Eine nur moderate Gewichtsabnahme von etwa fünf Kilogramm kann bei Patienten bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes eine Abnahme des HbA1c um etwa zwei Prozent bewirken und somit die Stoffwechsellage deutlich verbessern", erklärt Andreas Hamann, Leiter der Diabetologischen Schwerpunktpraxis in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.

Diabetiker legen eher an Gewicht zu

Doch einfach ist das Abnehmen nicht. Für Patienten, die Diabetesmedikamente einnehmen, ist es sogar besonders schwer Pfunde zu verlieren. Viele Betroffene legen eher an Gewicht zu. Denn während die Antidiabetika den hohen Blutzuckerspiegel senken, stimulieren sie gleichzeitig die Ausschüttung von Insulin. „Dieses Zuviel an Insulin in dieser frühen Erkrankungsphase macht es dem Patienten schwer bis unmöglich, sein Gewicht zu verringern oder zu halten", erklärt Hamann.

Klar ist: Eine erfolgreiche Behandlung von Adipositas und Diabetes sollte von Anfang an das Körpergewicht in die Therapieplanung einbeziehen. Inzwischen stehen den behandelnden Ärzten hierfür auch Antidiabetika zur Verfügung, die das Körpergewicht nicht weiter erhöhen oder sogar zu einer stärkeren Gewichtsabnahme führen.

OP als Chance oder Risiko?

Darüber, ob chirurgische Maßnahmen wie etwa Magen-Bypass Operationen oder das Einsetzen eines Magenbandes die Therapie sinnvoll ergänzen können, sind sich die Experten bislang nicht einig. Während manche diese Möglichkeit als Chance sehen, die Stoffwechsellage zu verbessern und Langzeitschäden durch die Diabeteserkrankung abzuwenden, warnen andere vor den Operationsrisiken und Nebenwirkungen wie Vitaminmangel, Unterzuckerungen und Depressionen.

„Das Körpergewicht ist von zentraler Bedeutung, wenn es um die Behandlung - aber auch die Prävention - von Typ-2-Diabetes geht. Wir können diesem Thema nicht genug Aufmerksamkeit schenken", erklären die Tagungspräsidenten Michael Hummel und Martin Füchtenbusch von der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München im Vorfeld der DDG Herbsttagung. (red)

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