Kinderklinik Innsbruck: Plattform beklagt weitere Propofol-Fälle

10. November 2011, 14:17
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Kinder sollen ebenfalls mit Propofol sediert worden sein

Innsbruck - An der Innsbrucker Kinderklinik soll es noch mehr mögliche Behandlungsfehler gegeben haben. Am Donnerstag präsentierte die "Elternplattform Kinderklinik" bei einer Pressekonferenz in Innsbruck zwei mögliche weitere Fälle: Es geht um ein 16 Monate altes und um ein dreijähriges Kind, die beide nach Routineoperationen mit dem Narkosemittel Propofol sediert worden sein sollen und von denen eines seitdem behindert sei. Gabriele Fischer, Sprecherin der Elternplattform, forderte, die gesamte Tilak-Führung unter "Supervision" zu stellen.

Bei dem 16 Monate alten Kind sollen laut Fischer sogar Assistenzärzte versucht haben zu intubieren. Eine "unabhängige, externe Kommission aus dem Ministerium" soll nun die publik gewordenen Fälle sowie die Tilak und ihren gesamten Verwaltungsapparat überprüfen, verlangte Fischer. "Die Führung der Tilak sowie die ärztliche Direktorin Alexandra Kofler sind nicht mehr tragbar. Sie sind auszutauschen", sagte die Elternplattform-Sprecherin. Spätestens seit dem "Fall Nadina" aus dem Jahr 2008 laufe etwas schief an der Kinderklinik. "Die Tilak hat endlich Verantwortung zu übernehmen. Sie kann nicht sagen, sie hat von nichts gewusst. Den Eltern geht es nicht um Geld. Sie wollen einfach Antworten haben", erklärte Fischer. Sie forderte zudem eine Personalaufstockung bei den Ärzten.

Sechsjähriger Bub

Bei der Pressekonferenz anwesend war auch der Vater eines sechsjährigen Buben aus Südtirol, der nach einer Hauttransplantation in der Innsbrucker Klinik vor fünf Jahren schwerbehindert sein soll. "Belege zeigen, dass ein nachweislich gesundes Kind nach Verbrennungen zu einer Standardoperation in die Klinik kam. Danach wurde es laut einem Befund 14 Tage im künstlichen Tiefschlaf gehalten", berichtete Fischer. Anschließend sei zudem Methadon für den Schmerzmittelentzug gegeben worden. Sie wolle zwar nicht mutmaßen, aber Methadon setze man ihrer Meinung nach nur ein, wenn zuvor Propofol verwendet wurde, meinte Fischer.

Der Bub habe jedenfalls einen irreparablen Hirnschaden davongetragen und werde "ein Leben lang behindert" bleiben. Bisher gebe es vonseiten der Verantwortlichen nur unterschiedliche Antworten. Einmal werde ein Sauerstoffmangel als Grund angeben, ein anderes Mal sei von einer Stoffwechselerkrankung die Rede. "Bitte sagt's uns endlich, was los ist. Wir reden hier von Kindern und nicht von Dummies, die am OP-Tisch liegen", empörte sich Fischer.

Fall wird neu aufgerollt

Laut Tilak sei das Kind mit schwersten, großflächigen Verbrühungen eingeliefert worden. Für den erforderlichen Tiefschlaf auf der Intensivstation habe das Kind kein Propofol erhalten, für die Narkose während der Hauttransplantation schon, so die Tilak in einer Stellungnahme. Der Fall des Buben soll bereits im Jahr 2008 Thema bei der Patientenanwaltschaft gewesen sein. "Damals konnte kein Fehlverhalten vonseiten der Innsbrucker Klinik festgestellt werden und der Fall wurde nicht weiter verfolgt", erklärte der landeseigene Krankenanstaltenbetreiber Tilak am Donnerstag in einer Aussendung.

"Aufgrund der heutigen, massiven Vorwürfe von Frau Fischer werden wir den Fall neu aufrollen und nächste Woche dazu Stellung nehmen, wenn wir die Vorwürfe untersucht haben und vonseiten der Eltern eine Entbindung von der Schweigepflicht erhalten haben", hieß es in einer Stellungnahme der Tilak. In Österreich gebe es keine Ausbildung und kein Berufsbild der Kinderanästhesie. Die Tilak verfüge jedoch über eine "ausreichende Zahl von Anästhesisten", die im Bereich der Kinderanästhesie über reichlich Erfahrung verfügten.

Fischer habe der Tilak jedenfalls bereits "endlos viele Fälle" geschickt. Bei vielen von diesen Fällen sei mutmaßlich Propofol eingesetzt worden. Eltern würden sich anonym bei ihr melden, einige auch unter Angabe des Namens. "Ich habe darum gebeten, die Krankengeschichten anzuschauen. Bisher hat sich nichts getan. Sie wollen keine Antworten geben und auch nicht nachschauen", kritisierte das Sprachrohr der Elternplattform. (APA)

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