Nachlese

"Super"-Mario Monti als Fels in der Brandung

10. November 2011, 20:51

Der Wirtschaftsexperte Mario Monti könnte Silvio Berlusconi nachfolgen - Als EU-Kommissar legte er sich mit Großkonzernen an - Präsident Napolitano hält ihn für den Richtigen

"Unausweichlich" sei die Wahl von Mario Monti zum Übergangsregierungschef. Beinahe resigniert klang Silvio Berlusconi nach dem Gespräch mit Staatspräsident Napolitano. Auf seine bisherige Forderung nach sofortigen vorgezogenen Parlamentswahlen wolle er verzichten, signalisierte er, um ein Kabinett Monti zu unterstützen. Am Donnerstag ernannte Staatschef Napolitano überraschend Monti zum Senator auf Lebenszeit. Eine offenkundige Unterstützung, mit der er Monti ostentativ in Stellung für die Nachfolge Berlusconis bringt. Noch am Donnerstag hat sich Monti mit Präsident Giorgio Napolitano und dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, zu Gesprächen getroffen, von deren Ausgang auch der amerikanische Präsident Obama telefonisch unterrichtet wurde.

Präsident Napolitano preferiert eine breit getragenen "technische" Übergangsregierung bis zur regulären Wahl im Frühjahr 2013 oder zumindest bis zu Neuwahlen. Vier "technische Übergangsregierungen" hat es seit dem Zweiten Weltkrieg in Italien gegeben. Zuletzt führte Giuliano Amato ein Jahr lang das Land von 2000 bis 2001.

Parteilos und rigoros

Der parteilose Wirtschaftsprofessor und Ex-EU-Kommissar Monti ist derzeit der logische Kandidat für eine derartige Expertenregierung. Monti gilt als unbestechlich, rigoros und international vorzeigbar. Er stünde für Stabilität inmitten der bedrohlichen Wirtschaftskrise. Das Wichtigste dabei: die "Märkte" würden auf ihn wohl freundlich reagieren.

Der aus Varese stammende Monti studierte Wirtschaft in Mailand und Yale, war Rektor der renommierten Bocconi-Wirtschaftsuniversität in Mailand, deren Präsident er immer noch ist. Als EU-Kommissar für den Binnenmarkt und für Wettbewerb gab sich "Super"-Mario Monti durchaus streitbar, legte sich mit großen Konzernen wie VW oder Microsoft an und erwarb sich so den Ruf eines rigorosen und unbeindruckbaren Kämpfers für die Sache. Der EU-Kommissar verdonnerte Microsoft wegen Wettbewerbsverstößen nicht nur zu einer Millionen-Geldbuße, sondern erlegte ihm auch strenge Auflagen für den Verkauf des Betriebssystems Windows und anderer Software auf. Deutsche Landesbanken zwang er, widerrechtliche Staatszuschüsse zurückzuzahlen.

Berlusconi und Monti

Der skandalumwitterte Berlusconi und der bedachte Fachmann Monti sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Immer wieder hat Monti die Wirtschafts- und Wachstumspolitik Italiens kritisiert, hat Berlusconi vorgeworfen, mit seinen Eskapaden von den wirklich wichtigen Fragen abzulenken, nämlich "Was wird aus unserem Land in zehn oder 20 Jahren? Werden unsere jungen Leute Arbeit finden." 2004, als Italien in der damals schwersten wirtschaftlichen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckte und Wirtschaftsminister Tremonti wegen massiver Kritik an seiner Haushaltspolitik zurücktreten musste, versuchte Berlusconi den mittlerweile 68-Jährigen ins Boot zu holen galt. Er hoffte, das angekratzte Image seines Kabinetts mit dem geradlinigen und kämpferischen Monti aufpolieren zu können. Dieser spielte nicht mit und gab Berlusconi einen Korb. Der Cavaliere musste vorerst den Job selbst machen.

Ob Monti jetzt den Job von Berlusconi machen wird, ist trotz aller Indizien nicht in Stein gemeißelt. Ohne Stimmen aus dem Regierungslager wird auch er Schwierigkeiten haben, die von der EU und dem IWF geforderte Sanierung Italiens durchzuziehen. Berlusconis Bereitschaft, mit Monti beim Aufbau einer Übergangsregierung zu kooperieren, stößt in seinem Mitte-rechts-Lager nämlich auf Widerstand. Die Regierungspartei Lega Nord kündigte sogar an, dass sie in die Opposition gehen werde, sollte Monti zum neuen Premier ernannt werden. Die Sozialdemokraten (PD) wollen beim Umsetzen eines Sanierungspaketes nur mitstimmen, wenn es "sozial gerecht" ist, egal unter welchem Übergangspremier. Lange wird sich Italien für eine Lösung nicht Zeit lassen können. Die EU verlangt schnelles Handeln. (red, derStandard.at, 10.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 65
1 2
Horstl Schorschl
01
11.11.2011, 08:45
Die Farce geht weiter...

man tauscht in GRE und Ita die Marionetten aus und das soll was bringen.

In Italien bestimmt der Regierungsmafiosi wer der beste Nachfolger für ihn ist, weil er ja das Land fast in den Abgrund geritten hat, eh logisch, da muss man ja quasi auf Berlusconi hören.

Raus aus der vollkommen korrupten EU solange es noch ohne gröbere Verluste geht !!!!!

W s
40
11.11.2011, 07:18
Die Pietro und die anderen Linken lehnen Monti bereits vehement ab. Warum?

Italiens allergrößtes Problem liegt in den radikalen Linksgewerkschaften, die jede Sparmaßnahme bekämpfen. Diese werden wie ihre griechischen Kollegen jedem schwachen Nachfolger Berlusconis nur noch mehr die Hölle heiß machen.

BPC
00
11.11.2011, 13:08
hihihihihihihi...wieder so eine Witzstunde von dir...

Die Pietro und Links, man muss da schon die Faschisten von rechts überholen, um das zu glauben...Wenn Silvio die vielen Jahren wirklich regiert hätte und nicht nur sich um Bunga Bunga,Gesetze ad personam und gleich jedem dahergelaufenen Verbrecher auch noch einen Pöstchen in der Regierung verschafft hätte, bräuchte man dieses Desaster nicht. Fakt ist, die Gesamtverschuldung haben die Linken ins Lot bringen wollen, Silvio nur heiße Luft von sich gegeben, wie immer, tutto fumo, niente arrosto, bis die EU-Politiker und Finanzmärkte genug davon hatten und heuer müssen wir alle die Zeche für über ein Jahrzehnt Verbrechertum in der Regierung bezahlen. Shame on Silvio und seinem Verbrechersyndikat

tonipolenta
00
11.11.2011, 12:20
bruhaha

die "anderen linken" wie alemanno, la russa etc? ma dai dai dai. wie der bekannte mailänder philosoph prosperini stets sagte "ciapa el camel, ciapa la barcheta...".

hamaca reservada
01
11.11.2011, 04:00
na ja. ist eine harte praxis-probe.

wie dieser mann tickt: echt europäisch, integrations- und bildungsorientiert. setzte sich für akive integration und toleranz bei zuwanderern ein.
und er war immer ein mahner im sturm der dränger. er hat bei tobin studiert - vielleicht hat er da auch einiges gelernt.
heute machen ihm die nationalistischen strömungen sorgen, aber er schlägt z.b. vor, keine eu-förderungen für reine betriebsverlagerungen innerhalb europas zu geben. es macht ihm auch sorgen, dass soziale standards und deren umsetzung den bach hinunter gehen. unlängst erst war er in ungarn bei einer tagung zu den zukünftigen sozialprogrammen der eu.

hier ganz grundsätzliche überlegungen http://ec.europa.eu/commissio... 0_1_de.pdf

sepp schilehrer
20
11.11.2011, 09:54

Toleranz bei Zuwanderung? Find ich gut, in Italien brauchens nämlich unbedingt noch ein paar Afrikaner, die gefälschte Taschen verkaufen können...

Astroturfer_57
 
01
11.11.2011, 03:38
Der Herr ist Mitglied im selben Club,

wie der Gründer dieser Zeitung.

THE MGT.
03
10.11.2011, 23:40
Putsch von oben, und oben ist das (virtuelle) Geld.

Im Zuge der Finanzkrise war mal davon die Rede, die Finanzindustrie stärker zu kontrollieren u. das Primat der gewählten(!) Parlamente wieder herzustellen.

Inzwischen stehen IRL, P und GR unter Kuratel von EU, EZB und IWF. Wer gewählt wird ist (vorerst?) vollkommen irrelevant, denn bestimmt wird nicht mehr in den Parlamenten.

Der neue griechische Premier, also der Vollzugsbeamte für o.g. Organisationen, war u.a. Vizepräsident der EZB. Der zwar nicht gewählte aber "unvermeidbare" nächste Premier IT's hat u.a. den Think-Tank (was für ein hübsches Wort für organisierte Einflussnahme durch jene mit dem meisten Geld) BRUEGEL im Rücken, in dem u.a. div. Großbanken sitzen.

Sieht ganz nach der Machtübernahme durch die Finanzindustrie aus.

eva lindt
 
05
11.11.2011, 06:58
na wer ist ihnen jetzt lieber?

berlusconi oder monti?
bzw. wem wollen sie ihr geld lieber geben?

im prinzip stimme ich ihnen aber zu. gleichzeitig ist es halt so, dass die eu per se undemokratisch ist. berlusconi wurde von einem eher kleinen prozentsatz der wahlberechtigten in italien gewaehlt. aber er entscheidet auch darueber, wieviel geld sie und ich in zukunft haben werden. das hat mit demokratie nichts zu tun. erst wenn wir eine euregierung haben werden, die wir auch gewaehlt haben, werden wir wieder demokratische verhaeltnisse haben. so kann das niemals was werden.
und ausserdem. sehen sie sich die ausbildung der meisten politiker heutzutage an. die meisten sind schlicht und einfach damit ueberfordert, den finanzmaerkten paroli zu bieten. es geht nur mit kennern!

Isokolon
00
10.11.2011, 23:58

wenn man bedenkt wie Politik in GR u I bisher gelaufen ist, ist das eigentlich ein zu begrüßender schritt, oder nicht?

Fisch Suppe
01
11.11.2011, 00:40

Nein, das ist keineswegs ein zu begrüßender Schritt, wenn die Finanzheinis die Macht übernehmen.

Bran Van
01
11.11.2011, 05:49

mit ihrer profunden erklärung "finanzheinis" zeigen sie wie viel sie von der materie verstehen. ein guter politiker kann nur jemand sein der auch ein guter volkswirtschaftler ist und dementsprechend vernunftbegabt und sozial verträglich entscheidet. alles andere ist populismus. adjustieren sie einen van der bellen auch den beinamen "finanzheini" ? im gegenteil nahezu alle führenden ökonomen warnen seit dem bekanntwerden , dass markt nicht funktioniert (funktioniert nicht aus vielerlei gründen, ich empfehle ihnen stiglitz zu lesen, wenn sie mehr wissen wollen ) vor den folgen die wir momentan alle spüren und das tun sie seit bald 100 jahren, nur will es niemand hören und schon gar nicht die hochfinanz.

Fisch Suppe
00
11.11.2011, 12:24
@ BranVan

>>adjustieren sie einen van der bellen auch den beinamen "finanzheini" ?<<

Naja, also eigentlich schon irgendwie. VdB ist ein ganz normaler WU-Professor, der sich in die grüne Höhle hineinverirrt hat. Aber vertrtitt er nicht eh schon ÖVP-Ansichten?

Also "Finanzheini" - das ist doch nicht wirklich abwertend, oder? Immerhin sag ich ja auch "Psychoheini", wenn ich vom Psychologen red.

Stiglitz ist sicher lesenswert, er steht IBRD und IWF kritisch gegenüber, er hat sich mit dem ENRON-Skandal befasst und befürwortet eher Keynes anstatt Karl August von Hayek - ganz im Gegensatz zu den Politheinis bei uns in der EU, wo's bereits 2004 in deutschen TV-Sendern geheißen hat, "Keynes ist tot" und Deficit Spending sei das Werk des Teufels.

asdf 1234
00
11.11.2011, 13:20
Was ist VdB ?

WU-Professor? Das ist mir aber neu:-))
Bisher war ich der Meinung, er wäre Prof. für VWL.........

lessismore
04
11.11.2011, 05:06

Das Publikum der Oper in Rom singt den Gefangenenchor, nach einer Ansprache Riccardo Mutis mitten in der Aufführung:

http://www.youtube.com/watch?v=G... e=youtu.be

Peter Hammer 06
00
11.11.2011, 07:08
Berührend und hoffnungsfroh - VIVA ITALIA !!

Fisch Suppe
00
11.11.2011, 12:48

Ja, sehr berührend, und es ist ja der Gefangenenchor auch ein bisserl unsere Hymne, weil auch wir Österreicher - gefangen in den Klauen der EU - diesen Gefangenenchor bei diversen Anti-EU-Demos als Kampflied gegen die EU auserkoren haben!

Gott schütze Österreich!

soseies
10
10.11.2011, 22:57

"Als EU-Kommissar legte er sich mit Großkonzernen an..."

und nun hieven ihn die finanzkonzerne in den neuen job, toller sache....super...

Bailout the Poor
22
10.11.2011, 22:10

Schreibt mal was über den Herausgeber des Standard und seine Verbindung zu "Montis-Partei". So was wird zensuriert!

Fisch Suppe
00
11.11.2011, 00:59

Mario Monti und Oscar Bronner haben bei Bilderberg-Konferenzen teilgenommen. Aber das ist nichts Neues.

Herr Monti hat 2005 auch einen Preis der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung in Freiburg im Breisgau erhalten. Das sagt natürlich alles.

Und das alles erklärt auch den einen oder anderen Hetzartikel gegen Silvio Berlusconi, der nicht schnell genug die berühmten "Strukturreformen" umsetzen wollte.

rafaelo 3
01
10.11.2011, 21:50

Ex-Technokrat "Super" Mario nein Danke.!

Poldi Fesch
10
11.11.2011, 00:31
und

warum ? Legafan ?

BPC
00
11.11.2011, 13:13

Die Lega ist ein Phänomen.Über ein Jahrzehnt in der Regierung und geschafft nix von dem,was man immer wollte, auch wenn das oft eines und das Gegenteil davon war.Einzig: wir wollen Ministerien in Norditalien haben, damit wir schön die Kosten für den Umzug vom Staat und somit von uns Steuerzahlen finanzieren zu lassen. Also anstatt dafür zu sorgen, weniger Ministerien zu haben, um Geld zu sparen, einfach noch einmal mehr ausgeben, um dann wieder zu jammern, der Norden zahle alles.Lega, die nächste italienische Witzfigur neben Silvio...

Poldi Fesch
00
11.11.2011, 14:11
besonders beeindruckend, vorgestern

der "Zwerg", merk mir nie, wie der heiszt, gestern Cota, beide labern grosso modo, was bei uns nur die extreme Linke sagt, "man musz die Maerkte herausfordern", "wer sid die, die Maerkte" ect ect. Da fragst du dich, von welchem Liberalismus die traeumen

Bailout the Poor
12
10.11.2011, 19:21

Sind wir schon in China?

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