Stadtentwicklung

Wien-Aspern: Die Heizung ist in 5000 Metern Tiefe

Bericht | Roman David-Freihsl, 10. November 2011, 11:21

Startschuss für das größte Geothermie-Kraftwerk Österreichs: Mithilfe von Thermalwasser werden 40.000 Wohneinheiten mit Fernwärme versorgt

Wien - Als sie 1974 an diesem Ort zum ersten Mal in die Tiefe bohrten, war am Ende wohl lautes Fluchen in der Ebene des Asperner Flugfeldes zu hören. Seit Mittwoch wird genau hier daran gearbeitet, einen Bohrkopf neuerlich in die Tiefe zu treiben - um genau auf das zu stoßen, was damals gefunden worden war: heißes Wasser. Damals, in den 70ern, hatte die OMV nach Öl- oder Gasvorkommen gesucht. Jetzt ist es die Wien Energie, die das dort unten ruhende, rund 150 Grad heiße Thermalwasser nützen will - um bei der Erzeugung von Fernwärme auf fossile Energieträger verzichten zu können.

Das Projekt Geothermie-Kraftwerk Aspern wird das größte seiner Art in Österreich sein: Die erwarteten 40 Megawatt thermisch sind mehr als doppelt so viel, wie jede andere vergleichbare Anlage im Land bieten kann. Mit diesem Output kann der Warmwasser- und Heizenergiebedarf von insgesamt mehr als 40.000 Wohnungen und Betrieben abgedeckt werden.

Überschuss ins Fernwärmenetz

Also weit mehr als die rund 20.000 Wohnungen des geplanten neuen Stadtteiles Seestadt Aspern, für die dieses geothermische Kraftwerk errichtet wird. Der "Überschuss" soll über das Fernwärmenetz der Stadt Wien weitergeleitet werden. Im Vergleich zu einer fossilen Fernwärmeproduktion ist dies eine Einsparung von jährlich 130.000 Tonnen CO2.

Das Thermalwasser wird überdies auch Methan mit an die Oberfläche bringen, das in der Anlage abgesondert und verstromt wird - und den Eigenenergiebedarf des Kraftwerks abdecken soll.

Vorerst allerdings gilt es noch einiges zu buddeln. Denn das 150 Grad heiße Wasser wird in einer Tiefe von rund 5000 Metern erwartet. "Das Wasser lagert im Hauptdolomit, einer Gesteinsschicht, die vom Bereich des Anningers im Süden Wiens schräg hinunter in die Tiefe führt", erläutert Michael Kotschan, Geschäftsführer der von der Wien Energie gegründeten Geothermiezentrum Aspern GmbH. Ein brüchiges, bröseliges Gestein, ideal für derartige Bohrvorhaben: "Das heißt, wir schaffen keine künstlichen Risse, sondern nehmen nur, was natürlich vorhanden ist, nämlich heißes Thermalwasser."

Dieses wird dann ganz von selbst an die Oberfläche drücken. Dort wird dem Heißwasser über einen Wärmetauscher die Wärmeenergie entzogen, die in das Fernwärmenetz eingespeist wird.

Eine schräge Bohrung

Dazu kommt noch eine zweite Bohrung, die in rund 3600 Meter Tiefe führen wird. Durch diese zweite Röhre wird dann das an der Oberfläche abgekühlte Wasser wieder in den Untergrund gepumpt. Diese beiden Bohrungen werden derart schräg ausgeführt, "dass die Endpunkte in einer Entfernung von rund zwei Kilometern liegen werden", erklärt Kotschan.

Auch sonst soll das Geothermie-Kraftwerk den Wasserhaushalt in der Tiefe so gut wie überhaupt nicht beeinflussen. Kotschan: "Das ist wie ein Stich in einen Heuhaufen. Das Thermalwasser-Vorkommen ist dort unten derart groß, dass im nordöstlichen Raum von Wien noch einige weitere derartige Projekte möglich wären."

45 Millionen Euro Investition

Die Errichtung des Geothermie-Kraftwerks Aspern soll rund 45 Millionen Euro kosten. Zunächst wird auf dem ehemaligen Flugfeld ein rund 45 Meter hoher Bohrturm errichtet, von dem aus die erste Bohrung bis Mitte 2012 bis in 5000 Meter Tiefe vorangetrieben wird. In etwa zehn Metern Entfernung wird dann bis etwa Ende 2012 das zweite, kürzere Bohrloch gebohrt.

Für Ende 2013 ist die Fertigstellung der ersten Wohnungen in der Seestadt geplant - gleichzeitig soll auch die Verlängerung der U2 über zwei weitere Stationen in das Stadtentwicklungsgebiet hinein fertiggestellt sein. 2014 soll dann das Geothermie-Kraftwerk in Betrieb genommen und an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen werden.

Ein entscheidender Vorteil: Die Bewohner werden abgesehen vom Bauwerk kaum merken, dass sich in ihrer unmittelbaren Nähe ein Kraftwerk befindet. Es emittiert nicht nur keine Schadstoffe - sondern auch keinen Lärm: Da kein Dampf produziert oder abgelassen wird, gibt es im Betrieb auch keine nennenswerte Geräuschentwicklung. Und da keine Brennstoffe angeliefert werden müssen, brauchen auch keine Lastwagen zum Kraftwerk zu tuckern. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2011)

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José Atento
10
18.1.2012, 18:16
Noch hat man keine Ahnung,

ob das Projekt jemals realisiert werden kann.

Die Planung der Anlagen wurde jedenfalls einmal gestoppt.

Zuerst muss man wissen was da überhaupt genau herauskommt. Dann muss man hoffen, dass es von alleine heraussprudelt, sonst war die Investition verlorene Mühe.

pleistocene
01

??? nichts ist gestoppt... im Frühjahr gehts los...

José Atento
00
11.3.2012, 17:24

Nur die Bohrungen!

Peter Williams
20
Riskant

Die Erdkruste derart anzubohren ist hochriskant wenn man bedenkt, dass diese nicht nur ruhig daliegt.

da kanns schon mal wärmer als gewünscht werden in Zukunft :)

mika33
61
11.11.2011, 11:51
Das sollte forciert werde, anstatt Windräder aufzustellen.

RebelAngel
 
01
11.11.2011, 15:02
genau

oder alle Chinesen dazu zwingen, in Hamsterrädern zu laufen. Dann haben wir genug Strom und unsere Heimat wird nicht von den pöhsen Windrädern verschandelt!

sleepyc
10
11.11.2011, 14:28
und? dann pumpen sie das warme wasser durch

die stromleitungen?

mika33
01
11.11.2011, 14:31
Mit so heißem Wasser kann man sehr gut Strom erzeugen...

Atomkraftwerke machen auch nix anderes.

José Atento
10
18.1.2012, 18:17

Mit solcher Niedertemperaturenergie kann man überhaupt keinen Strom sinnvoll produzieren.

Man kann maximal Heizungen damit betreiben.

pleistocene
01
30.1.2012, 20:58

theoretisch: calina prozess ab 90°, ab 120° Verstromung möglich.. geothermischer gradient sagen wir mal 28°/km im wiener becken, bei 5000 m = 140°. wär also prinzipell machbar. die frage ist nur ob man genug wasser rausbekommt.

José Atento
00
31.1.2012, 08:43

Eben, bekommt man das Wasser überhaupt heraus?

Geologen wissen nicht sicher, ob der Druck ausreicht. Das ist ein erhebliches Risiko das gsamten Projektes.

pleistocene
01
31.1.2012, 10:16

wieviele tiefer erdölbohrungen glauben sie gibt es im Wr Becken? viele 1.000! und in diesem Horizont (Hauptdolomit) in ähnlichen Tiefen sind es ebenfalls sicher mehr als 20. druck und temp sind recht gut bekannt. also in welcher region haben sie denn soviel wissen bitte???
- so gut wie nirgends. das wr becken ist sicher eines der best untersuchtesten becken der welt. also rauskommen tuts sicher, nur obs halt so eine gute ausbeute gibt wie angenommen (z.b. 100 sekl) dass weiss man nicht.

sleepyc
00
11.11.2011, 15:42
bei 150°C

wird das nicht so effizient funktionieren.
aber heizen, heizen und so geht schon ganz gut...

mika33
00
11.11.2011, 16:17
Ja stimmt natürlich, der Wirkungsgrad ist bei der Temperatur schlecht

und Raumwärme vorzziehen. Aber den ganzen Sommer hindurch könnte man doch Strom machen, wenn auch mit schlechtem Wirkungsgrad

José Atento
00
18.1.2012, 18:19
Wie kann man aus 150 °C Wasser Strom machen?

Bitte um Aufklärung.

pleistocene
00
30.1.2012, 20:59

typisch reden ohne ahnung: z.b.: http://de.wikipedia.org/wiki/Kali... eisprozess
möglich ists sogar unter 100°

José Atento
00
31.1.2012, 08:42
Theorie und Praxis ?

Da sind eben oft Meilen dazwischen.

Zählen Sie mir bitte einige Großanlagen auf, wo das realisiert wurde - und zwar zu vertretbaren Kosten der Errichtung, der Wartung und des Betriebes!

pleistocene
00
31.1.2012, 10:20

warum sind sie den immer so obergscheit? das ist wirklich mühsam. soll ich sie zum kaffe einladen und ihnen vielleicht noch einen privatvortrag geben. wenn sie was in den raum stellen (nämlich es geht nicht) - ist es einfach blödsinn, ganz klar! mit einem klick gefunden Unteraching: http://de.wikipedia.org/wiki/Geot... terhaching

José Atento
00

Naja, ist eben auch nur ein relativ kleines Pilotprojekt.

Wie teuer eine kWh elektrisch ist, wird da leider wieder nicht erwähnt. Kosten spielen heute keine Rolle - Hauptsache es kann ein grünes Mäntelchen umgehängt werden.

Ich behaupte ja nicht, dass man hier nicht weiter forschen und entwickeln sollte, aber man sollte auch nicht so tun, als wäre das DIE Lösung all unserer Energieprobleme. Es ist vielleicht eine (derzeit teure ?) Lösung unter sehr vielen.

pleistocene
01

..und NIEMAND behauptet dass es DIE lösung ist. wenns da ist soll mans halt versuchen zu nutzen, warum nicht...

pleistocene
01

"Wie kann man aus 150 °C Wasser Strom machen?
Bitte um Aufklärung."
das war ihre frage oben!! jetzt reden sie sich immer weiter raus. unterhaching ist bald wirtschaftlich, dauert halt länger als beim kohlehraftwerk, aber es wird sich armotisieren. aber auch da muss ich vermutlich für sie einmal googlen. sie haben einfach KEINE ahung. sie behaupten ersteinmal (oben): "es geht nicht". und diese einstellung sollten sie vielleicht mal überdenken.

pleistocene
00

armortisieren

Heavyweather
00
12.11.2011, 19:47

Im Sommer brauchst kein Warmwasser?
Die Überschüssige Wärme geht ins Fernwärmenetz. Da finden sich auch im Sommer genug Abnehmer.

mika33
00
14.11.2011, 10:03
Der Warmwasserbedarf im Sommer ist vernachlässigbar ....

... wenn die Kapazitäten auch für Winternacht -15° ausgelegt sind.

UNBEQUEM
11
11.11.2011, 11:15
Endlich mal etwas Intelligentes

So könnte schon ganz Wien beheizt werden aber bisdato reichte ja das Hirn der Politiker nicht soweit!
Die Fernheizkosten würden sich bei Verwendung von Geothermie halbieren!
Scheinbar haben aber die Politiker ihre Schulbildung völlig vergessen: Das Wiener Becken liegt am Rande der Thermenlinie und in 80 m tiefe fließt aich schon ein Grundwasserstrom von 60 Grad warmen Wassers. Also die 5000 m Bohrungen sind nichtmal notwendig!!!

Aber bitte das in Aspern ist mal ein intelligenter Anfang!

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