Mögen die Übungen gelingen!

10. November 2011, 10:48
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Schluss mit lustig, hier kommt die Strafe für alle, die es genau wissen wollen: Ein absolut humorloser Be­richt vom ersten Training unter Marcel Koller

Training l 09.11.2011 um 10 Uhr

Aufwärmen (Dauer ca. 25 min)

  • Der gesamte Kader wärmt gemeinsam unter der Anleitung von Fitnesstrainer Roger Spry auf. Zu Beginn wird eine rhythmische Laufschule durchgeführt, mit dem Ziel, den gesamten Körper zu aktivieren und koordinative Bewegungsmuster zu festigen. (Video 1)
  • Es folgt ein kurzes Dehnungsprogramm für die Hauptmuskelgruppen in Form von Partnerübungen. Nach etwa 10 Minuten wird das Aufwärmprogramm mit Ball fortgeführt. Die Spieler positionieren sich um den Mittelkreis und führen in verschiedenen Variationen basistechnische Elemente wie Passen und Ballführung unter passivem Gegnerdruck aus, mit anschließenden Positionswechseln. Dabei wird die Intensität gesteigert und Schnelligkeitsreize werden gesetzt (Video 2 und 3). Das Aufwärmen wird mit einer kurzen Schwunggymnastik, sowie einer freien Passform zu zweit abgeschlossen.

Hauptteil 1 (Dauer ca. 20 min. / 2 min. Intervalle)

  • Der rekonvaleszente Marc Janko führt ein spezielles Individualtraining mit Konditionstrainer Michael Vettorazzi durch, abseits des Mannschaftstrainings. Die Torhüter werden in einem separaten Trainingsprogramm vom Roger Spry geschult, der für den verhinderten Otto Konrad eingesprungen ist. (Video 4)
  • Alle anderen zur Verfügung stehenden Feldspieler spielen in einem Raum von ca. 30 x 30 m, 4 vs. 4 mit 5 Außenspielern auf Ballhalten (variiert auch 5 vs. 5 mit 4 Außen). Trainingsschwerpunkte sind dabei das Anbieten und Freilaufen in Ballbesitz (außerhalb des Deckungsschattens des Gegenspielers), Dreiecksspiel (damit der Ballführende mindestens zwei (links und rechts), besser noch drei (plus zentrale) Anspielstationen hat), Handlungsschnelligkeit, Spielverlagerungen (Raumöffnung) sowie präzises Passspiel. Darüber hinaus kann mit den Außenspielern eine Überzahlsituation hergestellt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die sich anbietenden Spieler ihre eigenen Außenspieler nicht zustellen um sich nicht des Vorteils der Überzahlsituation zu berauben. Im Defensivverhalten ist wesentlich, dass kompakt und eng als Block verteidigt wird und günstige Momente der Ballereroberung erkannt und genutzt werden. (Video 5)
  • Diese Spielform wird variiert, indem die Außenspieler nach Anspiel eines Innenspielers einen Positionswechsel vollziehen.

Hauptteil 2 (Dauer ca. 20 min)

  • In dieser Komplexübung werden im 6 vs. 2 Lauf- und Passwege über die Flügel einstudiert, die im 4-4-2 angewandt werden. In zwei Varianten sind die Positionen der defensiven Mittelfeldspieler, der Außenspieler sowie der Stürmer besetzt, die gegen zwei Innenverteidiger agieren müssen. Die Angriffsmuster werden abwechselnd über links und rechts eingeübt. In der ersten Variante spielt der rechte defensive Mittelfeldspieler auf den linken, dieser wiederum passt auf den eingerückten Linksaußen, der den Ball annimmt und aufdreht um auf den kurz kommenden Außenverteidiger zu passen. Sofort nach seinem Zuspiel startet der linke Außenspieler tief zur Grundlinie und erhält den Ball vom Außenverteidiger. Währenddessen starten die beiden Stürmer auf den kurzen und langen Pfosten und ein defensiver Mittelfeldspieler beläuft den Rückraum am 16er um die Hereingabe vom tief gegangen linken Außenspieler zu verwerten. Im Falle der Balleroberung durch die Innenverteidiger, müssen diese mit dem ersten oder zweiten Ballkontakt die Kontersituation einleiten. (Video 6)
  • In der zweiten Variation spielt der linke Außenverteidiger nicht tief auf seinen Vordermann, sondern auf den kurz kommenden Stürmer, der den Ball zurückprallen lässt. Im Anschluss wird die Angriffsaktion flexibel zu Ende geführt. (Video 7)


Hauptteil 3 (Dauer ca. 15 min)

  • Zum Abschluss des Trainings findet ein Match 10 vs. 10 von 16er zu 16er statt. Beide Mannschaften agieren in einem 1-4-3-2 System. Trainer Koller unterbricht das Abschlussmatch vielfach, um den Spielern Details seiner Spielauffassung zu verdeutlichen. Aufgrund des nichtendenwollenden Baulärms (!), können seine Anweisungen nur erahnt werden. Das Hauptaugenmerk legt er vorrangig auf das Defensivverhalten. (Video 8)
  • Zum Ausklang (Dauer ca. 5 min) findet ein kurzes Auslaufen statt.

Fazit

  • Natürlich lässt sich nach einer Trainingseinheit keine allumfassende Beurteilung ausführen. Vielmehr soll es sich hierbei um einen ersten Eindruck handeln, verstärkt auch durch die Beobachtungen der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag (ähnlicher Trainingsaufbau, im Hauptteil wurden Ballhalten mit Schwerpunkt auf Spielverlagerung durchgeführt (Video 9) und der Spielaufbau aus dem 1-4-4-1 trainiert). (Video 10)
  • Der Trainingsaufbau wirkt strukturiert und der komplette Trainerstab sehr engagiert. Marcel Koller kommuniziert klar und deutlich mit den Spielern und vermittelt sehr bestimmt seine Fußballauffassung. Entscheidend wird sein, wie schnell eingeübte Mechanismen greifen können. So kamen etwa die in der Komplexübung einstudierten Lauf- und Passwege in der anschließenden Spielform kaum zur Anwendung. Außerdem kann die Frage in den Raum gestellt werden, ob eine unter chronischem Zeitmangel leidende Nationalmannschaft, taktische Elemente bereits in das Aufwärmprogramm integrieren sollte, was mit verschiedenen Spielformen durchaus möglich ist.

P.S.

  • Wir blicken dem ersten Ländermatch unter der Regie Marcel Kollers, am Dienstag gegen die Ukraine, voller Vorfreude entgegen, um sein System in einer Wettkampfsituation kennen zu lernen. (derStandard.at; 10. November 2011)
  • Video 1

  • Video 2

  • Video 3

  • Video 4

  • Video 5

  • Video 6

  • Video 7

  • Video 8

  • Video 9

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