Italienkrise schockiert Märkte

10. November 2011, 12:06
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Frankfurt/Wien - Die Angst um Italien und damit die Zukunft der Euro-Zone hat an den internationalen Finanzmärkten weiter für hohe Nervosität gesorgt. "Um die Märkte zu beruhigen, muss das Vertrauen - vor allem in die italienische Fähigkeit zur Haushaltsreform - wieder hergestellt werden", sagte ein Händler. "Aber das kann man nicht erzwingen." Hoffnungen auf eine rasche Regierungs-Neubildung in Rom nach dem angekündigten Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi stützten am Vormittag aber die Kurse. Vor allem in Mailand drehte der Standardwerte-Index Mib ins Plus und notierte gut zwei Prozent höher. Der Dax folgte und stieg um 1,1 Prozent auf 5895 Punkte. Der ATX hingegen  blieb nach einem negativen Handelsstart am Vormittag weiterhin im Minus.

Am Devisenmarkt erholte sich der Euro von seinem Tagestief von unter 1,35 Dollar und notierte bei 1,3565 Dollar. Auch die Renditen der italienischen Staatsanleihen gaben etwas nach, lagen aber sowohl im fünf- wie im zehnjährigen Bereich über sieben Prozent.

In Rom verlautete, in Berlusconis Partei werde die Möglichkeit einer Einheitsregierung unter Führung des früheren EU-Kommissars Mario Monti sowie Neuwahlen diskutiert. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht. Präsident Giorgio Napolitano hatte am Vortag Monti auf Lebenszeit zum Senator ernannt. Dies wurde in Italien als Signal dafür verstanden, er könnte mit der Regierungsbildung beauftragt werden. "Monti würde an den Märkten positiv aufgenommen", sagte ein Börsianer. "Ihm bringen die Märkte Vertrauen entgegen."

Dennoch blieben die Zinsen für italienische Staatsanleihen weiter deutlich über der kritischen Marke von sieben Prozent. Die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen notierten am Donnerstag bei 7,35 Prozent.

Hoffnung auf neue Regierung in Athen

Auch in Athen keimte nach dem langen Gerangel um eine neue Regierung wieder Zuversicht auf. "Der Markt preist Hoffnungen ein, dass Lucas Papademos doch noch ernannt wird", erklärte Takis Zamanis, Chefhändler bei Beta Securities. Das würde den Märkten eine Rückkehr zur Normalität signalisieren.

Vor allem die griechischen Banken profitierten von der Entwicklung. Der Athener Banken-Index stieg um über acht Prozent. Der Standardwerte-Index legte 2,3 Prozent zu.

Telekom kann Anleger begeistern

Im Dax zählten nach der Vorlage von Geschäftszahlen die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 32,12 Euro zu den Gewinnern. Die Titel von Siemens notierten nach der Vorlage von Geschäftszahlen 0,5 Prozent höher bei 72,70 Euro.

Besonders unzufrieden waren die Anleger dagegen mit dem Düngemittel- und Salzhersteller K+S. Wegen eines vorsichtigen Ausblicks rutschten die Titel um über sechs Prozent ins Minus.

In Paris zogen EADS - die Titel des Raum- und Luftfahrtkonzerns sind auch im deutschen Nebenwerte-Index MDax gelistet - um über sechs Prozent an. (Reuters/red)

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