Vergewaltigung: Urteil gegen Ex-Präsident Katzav bestätigt

10. November 2011, 17:06
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Politiker muss für sieben Jahre ins Gefängnis

Eine einstimmige Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Jerusalem setzte gestern den Schlusspunkt hinter die Affäre Mosche Katzav. Der Mann, der bis 2007 Israels Staatspräsident war, muss für sieben Jahre ins Gefängnis, dazu kommen eine zweijährige bedingte Haftstrafe und umgerechnet 20.000 Euro Entschädigung für eines seiner Opfer.

Die drei Höchstrichter, unter ihnen zwei Frauen, bestätigten damit vollinhaltlich den Schuldspruch, den das Tel Aviver Distriktsgericht im Dezember 2010 in erster Instanz verkündet hatte. Dem jetzt 65-jährigen Katzav werden Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte an drei früheren Mitarbeiterinnen angelastet. Eine der Frauen soll er 1998, als er Tourismusminister war, in zwei Fällen unter Anwendung von physischer Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Es gebe keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit dieser Hauptzeugin zu zweifeln, befand nun auch das Berufungsgericht.

Genau in diesem Punkt hakte der angesehene Anwalt Avigdor Feldman, einer von Katzavs Verteidigern, mit ungewöhnlich scharfer Kritik ein. Die Richter hätten sich nur auf ihre "Intuition" gestützt und der Hauptbelastungszeugin alles geglaubt, "auch wenn sie gesagt hätte, die Vergewaltigung hat auf dem Planeten Venus stattgefunden, dort waren nur wir zwei und niemand anderer". Politiker und Kommentatoren sprachen von einem "traurigen Tag" für Israel, weil ein früheres Staatsoberhaupt als Gewaltverbrecher verurteilt wurde, das positive Signal sei aber, dass Frauen sich nicht zu scheuen brauchten, Belästigungen von Vorgesetzten anzuzeigen. "Die wichtige Botschaft ist die Gleichheit vor dem Gesetz", sagte die Chefin der Arbeiterpartei, Schelly Yachimowitsch, die der Hauptzeugin beigestanden war, "auch einer, der Präsident ist und Beziehungen hat und Anwälte, die die Beschwerdeführerinnen verleumden, auch er kommt am Ende vor Gericht, wie ein gewöhnlicher Mensch."

Ein Privileg, das Katzav trotzdem genoss, bestand darin, dass er während des Verfahrens auf freiem Fuß blieb. Nun wird er sich erst am 7. Dezember zum Strafantritt melden müssen. In dem weiteren Aufschub nach dem endgültigen Urteil sahen Vertraute Katzavs auch eine gewisse Gefahr, weil er sich etwas antun könnte. (DER STANDARD Printausgabe, 11.11.2011)

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    Mosche Katzav: Haftantritt erst am 7. Dezember

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