Politiker muss für sieben Jahre ins Gefängnis
Eine einstimmige Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Jerusalem
setzte gestern den Schlusspunkt hinter die Affäre Mosche Katzav. Der
Mann, der bis 2007 Israels Staatspräsident war, muss für sieben Jahre
ins Gefängnis, dazu kommen eine zweijährige bedingte Haftstrafe und
umgerechnet 20.000 Euro Entschädigung für eines seiner Opfer.
Die drei Höchstrichter, unter ihnen zwei Frauen, bestätigten damit
vollinhaltlich den Schuldspruch, den das Tel Aviver Distriktsgericht im
Dezember 2010 in erster Instanz verkündet hatte. Dem jetzt 65-jährigen
Katzav werden Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte an drei früheren
Mitarbeiterinnen angelastet. Eine der Frauen soll er 1998, als er
Tourismusminister war, in zwei Fällen unter Anwendung von physischer
Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Es gebe keinen Grund, an
der Glaubwürdigkeit dieser Hauptzeugin zu zweifeln, befand nun auch das
Berufungsgericht.
Genau in diesem Punkt hakte der angesehene Anwalt Avigdor Feldman, einer
von Katzavs Verteidigern, mit ungewöhnlich scharfer Kritik ein. Die
Richter hätten sich nur auf ihre "Intuition" gestützt und der
Hauptbelastungszeugin alles geglaubt, "auch wenn sie gesagt hätte, die
Vergewaltigung hat auf dem Planeten Venus stattgefunden, dort waren nur
wir zwei und niemand anderer". Politiker und Kommentatoren sprachen von
einem "traurigen Tag" für Israel, weil ein früheres Staatsoberhaupt als
Gewaltverbrecher verurteilt wurde, das positive Signal sei aber, dass
Frauen sich nicht zu scheuen brauchten, Belästigungen von Vorgesetzten
anzuzeigen. "Die wichtige Botschaft ist die Gleichheit vor dem Gesetz",
sagte die Chefin der Arbeiterpartei, Schelly Yachimowitsch, die der
Hauptzeugin beigestanden war, "auch einer, der Präsident ist und
Beziehungen hat und Anwälte, die die Beschwerdeführerinnen verleumden,
auch er kommt am Ende vor Gericht, wie ein gewöhnlicher Mensch."
Ein Privileg, das Katzav trotzdem genoss, bestand darin, dass er während
des Verfahrens auf freiem Fuß blieb. Nun wird er sich erst am 7.
Dezember zum Strafantritt melden müssen. In dem weiteren Aufschub nach
dem endgültigen Urteil sahen Vertraute Katzavs auch eine gewisse
Gefahr, weil er sich etwas antun könnte. (DER STANDARD Printausgabe, 11.11.2011)