Israel betont die globale Gefahr iranischer Atomwaffen
In demonstratives Schweigen hüllte sich die israelische Regierung nach
der Veröffentlichung des IAEO-Berichts, ganz im Kontrast zu den
lärmenden Debatten über einen möglichen Militärschlag in den Tagen
davor. Premier Benjamin Netanjahu erteilte seinen Ministern Redeverbot -
offenbar sollte der Eindruck vermieden werden, dass Irans
Atomwaffenprogramm vor allem oder ausschließlich Israels Problem wäre.
Deutlich trommelte etwa Oppositionschefin Zipi Livni die Botschaft: "Die
ganze Welt muss geeint sein und den Iran stoppen", sagte die
Exaußenministerin im Radio, "es gibt eine lange Reihe von Dingen, die
man tun kann und die bisher nicht getan wurden."
Von der klaren Sprache des Berichts zeigten sich israelische Experten
keineswegs überrascht. Geheimdienste vieler Länder hätten längst
gewusst, dass der Iran seit Jahren verdeckt an verschiedenen Komponenten
einer Kernwaffe arbeite. Der frühere Chef der Atombehörde, Mohammed
ElBaradei, habe das aber heruntergespielt. "Jetzt ist es offiziell",
sagte Livni, die Länder, die vor Sanktionen zurückschreckten, hätten
jetzt keine "Ausreden" mehr: "Sie müssen verstehen, dass der Preis eines
nuklearen Iran höher sein wird als der Preis, den sie zahlen, wenn sie
jetzt keine dramatischen Sanktionen verhängen."
Ex-Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser von der Arbeiterpartei
meinte, die Bedrohung richte sich nicht nur gegen Israel, sondern auch
gegen sunnitische arabische Staaten: "Wer sich an die Spitze des Kampfes
stellen muss, sind die USA, ist die freie Welt, die sich um die
Stabilität im Nahen Osten sorgt."
Uzi Eilam, Exdirektor der Israelischen Atomenergie-Kommission, sagte
aber, man brauche nicht "hysterisch" zu reagieren. Es würde noch "einige
Jahre" dauern, ehe der Iran vielleicht imstande wäre, einen nuklearen
Sprengkörper mit einer Rakete abzuschießen. (DER STANDARD Printausgabe, 10.11.2011)