Kasinos: Ausland frisst Inlandsgewinn auf

9. November 2011, 18:25
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Für die Standorte in Italien und Griechenland werden Käufer gesucht. Für Brüssel hätte man gern einen Partner

Im Inland läuft das Geschäft für die Casinos Austria zwar wieder besser, das Ausland bereitet aber weiter Sorgen. Nun werden Käufer für die Standorte in Italien und Griechenland gesucht. Für Brüssel hätte man gern einen Partner.

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Wenigstens der Zufall meint es gut mit der Casinos-Austria-Gruppe. Wegen der gehäuften Zahl an Mehrfach-Jackpots im heurigen Jahr werden die Lotterien voraussichtlich das "beste Betriebsergebnis" ihrer Geschichte abliefern, kündigte Generaldirektor Karl Stoss am Mittwoch an. Für die Finanzministerin bedeutet das mehr als 400 Millionen Euro an Steuereinnahmen, und die Lotterien werden unterm Strich wohl einen Jahresüberschuss von über 40 Millionen Euro erwirtschaften, so Stoss.

Nach einigen mageren Jahren sollen auch die zwölf heimischen Kasinos wieder deutlich im Plus liegen. Stoss rechnet mit einem operativen Ergebnis von zwölf bis 16 Millionen Euro. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sei es gelungen, die Personalkosten um einige Millionen zu drücken, sagte Stoss. Pausen wurden gekürzt, Vorbereitungszeiten gestrichen und Dienstpläne neu gestaltet.

Trotz dieser guten Zahlen dürfte das Ergebnis des Gesamtkonzerns nicht allzu rosig ausfallen. Er "hoffe" auf ein positives Ergebnis, so Stoss. Nach wie vor gibt es große Probleme im Auslandsgeschäft, zu dem 60 Kasinos in 18 Ländern gehören. Im ersten Halbjahr 2011 lag das Minus bei 30 Millionen Euro. Dass im zweiten nochmal die gleiche Summe dazukommt, "hoffe ich nicht", sagte Stoss. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits eingeleitet, 200 bis 300 Mitarbeiter wurden oder werden abgebaut. Die größten Baustellen der Casinos Austria International (CAI) im Überblick:

- Italien: Die vier Standorte in Italien mit 150 Mitarbeitern sollen verkauft werden. Für die Lizenzen wurden dort 23 Millionen ausgegeben. Zumindest einen Teil davon will Stoss von einem potenziellen Käufer zurückhaben.

- Griechenland: Ebenfalls zum Verkauf steht die Beteiligung (6,8 Prozent) im griechischen Loutraki. Krisenbedingt sind die Umsätze dort um 20 bis 25 Prozent eingebrochen.

- Kairo: In Ägypten hat der Ausbruch der arabischen Revolution für noch größere Einbußen gesorgt. Nicht zuletzt wegen abendlicher Ausgangssperren gab es heuer um 45 Prozent weniger Gäste. Das Kasino steht dort in der Nähe des Tahrir-Platzes, auf dem regelmäßig Demonstrationen stattfanden.

- Brüssel: Große Probleme bereitet auch das Brüssel-Kasino. 80 von 360 Mitarbeitern wurden bereits abgebaut, 30 weitere sollen folgen. Gesucht wird nun nach einem Partner, der sich um den Eventbereich mit rund 1000 Sitzplätzen kümmert.

- Deutschland: In Niedersachsen wiederum beklagt Stoss Benachteiligungen (Zugangskontrollen, Rauchverbot, höhere Steuern) der Kasino-Betreiber gegenüber Automatensalons. Dort soll mit der Politik verhandelt werden, bevor weitere Schritte gesetzt werden.

- Online: Und schließlich zieht man sich auch aus dem Online-Glücksspiel in Großbritannien zurück. In den letzten zwei Jahren versuchte man sich dort mit maltesischer Lizenz und versenkte dabei zehn Millionen Euro.

Dass sich die Eigentümer-Struktur der Casino Austria AG (Casag) in Bälde ändert, glaubt Stoss nicht. Zuletzt hatte es bei der Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die 5,31 Prozent an der Casag hält, geheißen, man denke mittelfristig über einen Ausstieg nach. Stoss meinte, es gebe "unterschiedliche Strömungen" in der Kirche. Er kenne auch Bischöfe, die sich keineswegs von der Beteiligung trennen wollten.

Für nicht fix hält er auch den Ausstieg der Münze Österreich (hält 33 Prozent), über den immer wieder spekuliert wurde. Nächstes Jahr werde das Direktorium der Nationalbank, zu der die Münze gehört, neu bestellt. Dann werde man weitersehen, so Stoss. Zum derzeitigen Zeitpunkt sei ein Verkauf jedenfalls "töricht", meint er. Da erst 2012 die Kasino-Lizenzen neuerlich vergeben werden, sei für deren Anteil derzeit wohl wenig zu bekommen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2011)

 

  • In Österreich erwirtschaften zehn von zwölf Kasinos einen Gewinn. Im 
Ausland ist die Lage schlechter. Europa sei für die Casinos Austria 
International ein "Problemkind", sagt Generaldirektor Stoss.
    foto: standard/heribert corn

    In Österreich erwirtschaften zehn von zwölf Kasinos einen Gewinn. Im Ausland ist die Lage schlechter. Europa sei für die Casinos Austria International ein "Problemkind", sagt Generaldirektor Stoss.

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