Vor allem in Südafrika könnten Millionen von Menschen durch die Tsetse-Fliege zusätzlich bedroht sein
London - Die Tsetse-Fliege liebt es warm, aber nicht zu heiß. Derzeit leben im Verbreitungsgebiet der Überträgerin der gefährlichen Schlafkrankheit 75 Millionen Menschen, aber in den kommenden Jahrzehnten könnten Dutzende weitere Millionen dazu kommen. US-Wissenschafter befürchten nämlich, dass sich die Fliege infolge der Erderwärmung in neuen Regionen Afrikas
heimisch werden könnte. Zusätzlich 40 bis 77 Millionen Menschen würden demnach im Jahr 2090
durch die Krankheit bedroht sein, die ohne eine medizinische Behandlung tödlich
verlaufen kann.
Die Wissenschafter untersuchten, wie sich die Tsetse-Fliege und der
Trypanosoma-Parasit, den sie überträgt, bei steigenden Temperaturen vermutlich
ausbreiten werden. Bei einem Anstieg der Temperatur um 1,1 bis 5,4 Grad Celsius
- je nach Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids - könnten Teile Ostafrikas
für die Fliege zu heiß werden.
Computersimulationen
Andere Gebiete in der Region sowie im südlichen
Afrika hingegen, die zuvor zu kalt waren, würden zum Verbreitungsgebiet für die
Tsetse-Fliege, fanden Wissenschafter um Sean Moore von der US-Gesundheitsbehörde
CDC durch Computersimulationen heraus. Demnach kann sich die Krankheit bei einer
Durchschnittstemperatur von 20,7 bis 26,1 Grad verbreiten. Die Studie erscheint
im britischen Wissenschaftsmagazin "Journal of the Royal Society Interface".
Nach dem Stich durch die Tsetse-Fliege treten in
der Regel rasch Fieber oder Kopfschmerzen auf. Später können
Herzrhythmusstörungen, Gehirnhautentzündung und neurologische Störungen
hinzukommen. Besonders auffällig sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit. Die
Schlafkrankheit zählt zu einer Reihe gefährlicher
Krankheiten, die sich Wissenschaftern zufolge durch den Klimawandel ausbreiten
können, darunter auch Cholera und Malaria. (red/APA)