Wien Museum zeigt "Ankäufe und Schenkungen seit 2000"

9. November 2011, 14:59
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Ausstellung mit 500 Objekten in 20 Themenstationen als Sammelsurium des Wiener Alltags

Wien - Ein Carepaket der Nachkriegszeit, Kreiskys Dienst-Rover, Reste des Südbahnhofs, Falcos von Helmut Lang designte Bühnengarderobe und das Mistkübelmodell "Otto orange": fünf von mehr als 10.000 Kunstwerken und Gegenständen, die das Wien Museum seit 2000 erworben hat - entweder aus Schenkungen oder aus dem mit  rund 400.000 Euro pro Jahr dotierten Ankaufsbudget. Eine Auswahl von rund 500 dieser Objekte zeigt das Haus am Karlsplatz von 10. November  bis 18. März in der Ausstellung "Absolut Wien". Die Bandbreite reicht von Stadtmöbeln und Schriftdesign über Spielzeug und Modeartikel bis hin zu Porträtfotos und Dokumenten politischer Stadtgeschichte.

Mit der Vielfalt und Diversität der "Attraktionen", die das Publikum erwartet, will das Wien Museum gleichsam Zeugnis für das breite Spektrum seiner Sammeltätigkeit ablegen, erläuterte Direktor Wolfgang Kos in einem Pressegespräch am Mittwoch. Es handle sich aber nicht um simple Aneinanderreihungen von Objekten, sondern um "Mini-Ausstellungen", die sich um rund 20 Themenstationen gruppieren.

Als gut sichtbarer Teaser prangt bereits seit einigen Wochen der Original-Schriftzug des 2009 abgerissenen Südbahnhofs über dem Eingang  des Haerdtl-Baus. Unmittelbar danach stößt man im Foyer auf Kreiskys Dienstwagen aus den 1970er Jahren, einen dunkelgrünen Rover - laut Kos "das wahrscheinlich wichtigste Politikerauto neben dem Porsche mit Schüssel und Haider".

Im Stiegenhaus wird dank heimischer Autofahnen und Fanpackages an die Fußball-EM 2008 erinnert.  Der Kernbereich der präsentierten Collage, die zu einem Gutteil den urbanen Lebensalltag erzählt, findet sich im ersten Stock. Anhand exemplarischer Neuzugänge werden Themen wie Sesseldesign, Wiener Stars oder Integration abgehandelt. Der Parcours führt an einem der berühmten Stadthallenstühle von Roland Rainer ebenso vorbei wie an einem Stahlrohrsessel aus der Grinzinger Badeanstalt.

Unter der Klammer "Brisante Themen" reihen sich die Dienstkleidung eines Kronenzeitungsverkäufers an einen Lichtbildausweis für Fremde - gespendet vom Kabarettisten Dirk Stermann - und Georg Eislers Gemälde "Lichtermeer", das auf die gleichnamige politische Aktion aus dem Jahr 1993 als Reaktion auf das Anti-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ rekurriert. Auch ein Button aus Zeiten der Donnerstagsdemos gegen Schwarz-Blau hat inzwischen Eingang in die Sammlung gefunden.

In der nicht unironischen Rubrik "Typisch Wien" sind unter anderem ein Mehlspeisenbuch, eine Sängerknaben-Uniform und Schneekugeln mit Riesenrad und Stephansdom zu bewundern. Prägende Modeerscheinungen von der rosa Badehaube bis zu Doc-Martens-Stiefeln, ein Original Carepaket, ein Nachtkästchen aus dem mittlerweile geschlossenen Obdachlosenheim Meldemannstraße, generationenprägendes Spielzeug wie die Klick-Klack-Kugeln, historische Rohrpostkapseln und (Porträt-)Fotografien beispielsweise von Didi Sattmann oder Christian Skrein zeigen darüber hinaus die unterschiedlichsten Facetten der Wiener Stadt- und Alltagsgeschichte.

Mit einer eigenen Mistkübelzeile, das diverse Modelle urbaner Abfallbehälter aneinanderreiht, spürt die Ausstellung gewissermaßen der Corporate Identity der Bundeshauptstadt nach. "Daran erkennen wir unsere Stadt im Schlaf", so der Direktor. Ein früheres Palmers-Logo mit dem "damals berühmtesten Grün Wiens" macht ebenfalls die Präsenz gewisser Logos und Schriftbilder im städtischen Alltag bewusst.  (APA)

  • Der Dienstwagen von Bundeskanzler Bruno Kreisky (1971-1974; Ankauf 2007) im Foyer des Wien Museums: ein Rover P5 3,5l V8, bekannt auch als das Lieblings-Privatauto der Queen
    foto: wien museum / herta hurnaus

    Der Dienstwagen von Bundeskanzler Bruno Kreisky (1971-1974; Ankauf 2007) im Foyer des Wien Museums: ein Rover P5 3,5l V8, bekannt auch als das Lieblings-Privatauto der Queen

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