Handel schnürt Lohnpaket

9. November 2011, 17:41
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Das Gerangel um die Gehälter im Handel geht weiter. 170 Millionen Euro kosten ihn ein Prozent höhere Löhne

Das Gerangel um die Gehälter im Handel geht weiter. 170 Millionen Euro kosten ihn ein Prozent höhere Löhne. Im Konflikt um die Bezahlung der Kassiererinnen wehrt sich H&M gegen den Vorwurf der Sittenwidrigkeit.

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Wien - Peter Buchmüller hält von Zurufen nichts. 3,3 Prozent höhere Gehälter hatte der Handelsverband für die laufende Lohnrunde der Handelsangestellten als angemessen bezeichnet. Eine Messlatte sei das nicht, sagt der neue Chefverhandler der Arbeitgeberseite.

Gesprächsbereit sei man bei der Anrechnung der Karenzzeiten als Berufsjahre. Ebenso was eine frühere Auszahlung der Weihnachts- und Urlaubsgelder betrifft. "Wir haben hier eine Linie gefunden."

Die zweite Runde der Kollektivvertragsverhandlungen ging gestern, Mittwoch, über die Bühne - dass es zu einer Einigung der Sozialpartner kommt, galt jedoch bereits im Vorfeld als unrealistisch. 170 Millionen Euro kosteten den Handel ein Prozent höhere Löhne, rechnet Buchmüller vor. "Es kann nur ein Gesamtpaket geben."

Buchmüller ist Spartenobmann in der Salzburger Wirtschaftskammer und Adeg-Händler. Acht kleine Lebensmittelläden führte er vor fast 30 Jahren, heute sind es zwei große. "Wir mussten reduzieren, sonst hätten wir nicht überlebt."

Dass die Kammer vor allem Vertreter kleiner Betriebe um die Gehälter feilschen lässt, obwohl die Branche längst von großen Ketten dominiert wird, wie Gewerkschafter monieren, lässt er nicht gelten. Im Übrigen seien 60 Prozent aller Angestellten nach wie vor bei kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Weit hergeholt seien auch Zahlen der Arbeitnehmer, wonach die 150 wichtigsten Betriebe zuletzt um 22 Prozent mehr verdienten. Das treffe vielleicht auf 0,3 Prozent der Händler zu. Er aber habe einen Gehaltsabschluss für alle 50.100 zu machen.

Abseits der Lohnrunden rangelt die Branche an weiteren Baustellen. Wie der Standard berichtete, will H&M Arbeit an Kassen nicht höher abgelten. Die Gewerkschaft ist empört und verweist auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. H&M wies am Mittwoch den Vorwurf der Sittenwidrigkeit zurück: Man wolle Mitarbeitern vielfältige Arbeit und unterschiedliche Aufgaben bieten. Spezifisch zugeordnete Kassenkräfte werde es daher auch in Zukunft nicht geben. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2011)

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