Glenn-Murcutt-Ausstellung im Architekturzentrum Wien

9. November 2011, 13:53
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Großformatige Fotografien, Pläne, Skizzen des australischen Pritzker-Preisträgers

Wien - Glenn Murcutt ist ein Einzelkämpfer. Er verzichtet auf ein Architekturbüro oder technische Hilfsmittel, stattdessen sitzt er allein in seinem Atelier und zeichnet ein Projekt nach dem anderen. Dennoch wurde  im Architekturzentrum Wien (Az W) nicht an Superlativen gespart. Er sei der "bedeutendste und wichtigste Architekt Australiens", dessen "radikale Position unvergleichbar" ist, schwärmte Direktor Dietmar Steiner am Mittwoch vor der abendlichen Eröffnung  im MuseumsQuartier : "Ich halte jedes seiner Gebäude für ein für sich stehendes Meisterwerk." 

Architektonisch, ästhetisch und technisch sei die vier Monate lang bis 13. Februar gastierende Wanderausstellung genau das Gegenteil zur eigenproduzierten Vorgänger-Schau über Alexander Brodsky, erläuterte Steiner, dennoch sei die Abfolge nur scheinbar antipodisch: "Beide arbeiten mit der Hand, beide arbeiten alleine", beide gelten als Vertreter der sogenannten 'slow architecture'. Trotz der eigenwilligen Arbeitsweise sei der heute 75-jährige Murcutt in 40 Jahren Praxis auf knapp 500 Projekte gekommen (darunter aber wohl auch kleine Umbauten und Änderungen).

Inklusive lächelnder Sonne

Der Australier, der 2002 mit dem Pritzker Preis ausgezeichnet worden war, arbeite "immer mit dem Ort, mit der Landschaft, mit den klimatischen Bedingungen", verneigte sich Steiner vor der "Demut vor den Rahmenbedingungen des Bauens". Projektkoordinatorin Katharina Ritter verwies dabei auf Murcutts Zeit mit den Aborigines, von denen er sich das Motto "touch the earth lightly" angeeignet habe. Er arbeite so reduziert wie möglich, gerne mit Wellblech, Holz und anderen leichten Materialien, stets mit dem Ziel des geringstmöglichen Materialverbrauchs.

"Wenn er ein Haus plant, verbringt er oft Tage auf dem Grundstück, beobachtet die ökologischen Besonderheiten, den Lauf der Sonne, bevor er überhaupt an die Arbeit geht", erzählte Ritter. Und Steiner ergänzte, dass hier Architektur "nicht als Schöpfungsakt, der aus einer Eingebung kommt, sondern als ein Weg der Entdeckung" verstanden werde. Murcutt ist demgemäß weniger für singuläre Bauten als vielmehr für seine grundsätzliche Haltung bekannt, seine meist weiträumigen und energieschonenden Einfamilienhäuser stehen auch im Mittelpunkt der Ausstellung.

Großformatige Fotografien und Planmappen, Skizzen (inklusive lächelnder Sonne!) und handschriftliche Notizen sollen Interessierten den Stararchitekten näher bringen und die zukunftsweisende "Lektüre der Landschaft" begreifbar machen. Real können die Gebäude jedoch nur in Australien begutachtet werden, denn Murcutt arbeitet ausschließlich auf seinem eigenen Kontinent. Internationale Anfragen hat er stets konsequent abgelehnt, auch wenn er weltweit unterrichtet habe. Der Ausstellung in Wien wird er wegen eingeschränkter Reisetätigkeit nicht beiwohnen können.  (APA)

  • Magney House, Bingie Point, Neusüdwales, Australien (1982/84, 1999)
    foto: azw / anthony browell

    Magney House, Bingie Point, Neusüdwales, Australien (1982/84, 1999)

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