Die Uraufführung eines Fußballstücks

9. November 2011, 18:20
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Marcel Koller hat das erste Trai­ning als ÖFB-Teamchef geleitet. Es lief professionell ab, die Spieler waren vom Schweizer begeistert. Sollten sie künftig auch Partien gewinnen, steht einer rosigen Zukunft nichts im Weg.

Wien - Es war am Mittwoch kurz vor zwölf Uhr Mittag, da hat der Betreuerstab einen Kreis gebildet. Die Arme lagen auf den Schultern der Nachbarn (zwei Arme, zwei Nachbarn), es war ein schwarzes Bündel aus Menschen auf dem grünen Rasen, der ÖFB zieht seinen Leuten schwarze Trainingsanzüge an. Im Happel-Stadion war ein mehrstimmiger Schrei zu hören, er klang nach einem langgezogenen "Aaahhh". Marcel Koller hatte die erste Übung bestanden, und der Schweizer, der am Freitag 51 Jahre alt wird, sagte, dass sie ihm trotz des Baulärms "Spaß gemacht hat". Und darauf kommt es im österreichischen Fußball schon auch an.

Kurzer Rückblick: Um 10.05 Uhr Wiener Ortszeit hat Marko Arnautovic das Feld als Erster betreten. Das mag purer Zufall gewesen sein, aber vielleicht wollte er dem neuen Teamchef imponieren. Vorausgesetzt, er, der Teamchef, hat das überhaupt registriert. Ungefähr 50 Reporter hatten sich auf der blauen Laufbahn hinter einem braunen Absperrband positioniert, acht Fernsehkameras filmten. Und Koller kam vermutlich spontan auf die Meute zu. Er lieferte eine kurze Inhaltsangabe des Stücks, das der Uraufführung harrte. "Aufwärmen mit Roger Spry, Spielformen mit Assistent Fritz Schmid, offensive Aktionen, die zu Pässen in die Tiefe führen. Und dann ein Spiel. Ich werde oft unterbrechen."

Beobachter

Koller stand zunächst eher abseits des Geschehens, mimte die Rolle des Beobachters, verschaffte sich einen ersten Überblick. Marc Janko zuzuschauen machte keinen Sinn. Der Twente-Legionär trabte solo ein paar Runden, am Donnerstag soll er voll einsteigen. Sofern die Oberschenkel das Zwicken abgestellt haben. Veli Kavlak brach die Einheit zweimal ab, er hatte sich beim Aufwärmen das Kreuz verrissen. Der große Rest berührte den Ball zweimal, man spielte ihn sich im Idealfall zu, das Tempo war überhaupt nicht niedrig. Arnautovic machte den Freigeist. Angriffe in die Tiefe mussten laut Inhaltsangabe sein, David Alaba hat eine dieser Kombination mit einem Treffer abgeschlossen, da applaudierte Koller. Es war übrigens 11.22 Uhr.

Für das 13-minütige Spielchen wurden die Tore am Sechzehner aufgestellt, die Gelben schlugen die Roten 1:0, goldener Schütze war Erwin Hoffer. Nach Vorlage von Martin Harnik. Ein heftiger Zweikampf zwischen Julian Baumgartlinger und Alaba uferte in zwei Schmerzensschreie und zwei Behandlungen, die medizinische Abteilung scheint zu funktionieren. Beide schafften es von der Waagrechten in die Senkrechte. Koller pfiff mehrmals ab und an, gab zur Heiserkeit führende Anweisungen, setzte dabei seinen ganzen Körper ein. Das war perfekter Schattenfußball. Schluss. Kurzes Auslaufen. Kreisbildung.

Positiver Mensch

Die Begeisterung der nationalen Elite war nahezu ausufernd. Sie sollte halt am 15. November in Lemberg gegen die Ukraine zumindest nicht hoch verlieren, um diese an Euphorie grenzende Aufbruchstimmung zu konservieren. Andreas Ivanschitz weiß, "dass es mehr als ein Freundschaftsspiel ist. Wir wollen Erfolg haben." Und wie ist er, der Herr Koller? "Gut. Er gibt uns viele Informationen und Anweisungen, führt Gespräche. Schlägt Lösungen vor, ist extrem positiv, coacht, verlangt Disziplin." Er, Ivanschitz, sei die hohe Qualität von Mainz und Thomas Tuchel gewohnt. "Auch er fordert Vollgas, will, dass wir uns gegenseitig helfen, Ruhe bewahren, die Hektik abstellen."

Alaba kennt das Treiben von Bayern München. "Koller ist ein positiver Mensch, wir ziehen alle gut mit. Er will uns zeigen, dass wir Fußball spielen sollen." Als sich Koller aus dem Kreis gelöst hatte, trat er noch einmal vor die Meute. Es hat also Spaß gemacht. "Jeder wollte sich positiv präsentieren, der Einsatz war hoch. Aber es war nur die erste Einheit, man muss das nun hochhalten und ausbauen."

Bis einschließlich Freitag wird zweimal pro Tag auf dem Hauptfeld des Happel-Stadions trainiert, danach wird das Pensum halbiert. Die Inhalte der weiteren Stücke stehen in den Grundzügen fest. Koller: "Immer Fußball." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 10.11.2011)

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    Sie gehen in dieselbe Richtung. Sie haben ein gemeinsames Ziel. Ab und zu bilden sie ein Bündel, das dann einen Schrei ertönen lässt: Marcel Koller, Thomas Janeschitz, Fritz Schmid.

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    Einer von mehreren angeschlagenen Akteuren: David Alaba.

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