Wien-Neubau

Bezirksvorsteher zu Hausräumung: "Aufwand war nicht gerechtfertigt"

9. November 2011, 12:44
  • Artikelbild
    foto: reuters/herwig prammer

    Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher von Wien-Neubau, über die Räumung des besetzten Hauses in der Lindengasse: "Meiner Meinung nach hätte es nicht des großen Aufwands bedurft."

Thomas Blimlinger zum Großeinsatz der Polizei, der zu Verkehrschaos, Anrainerfrust und Demos führte

Rund 100 Einsatzkräfte inklusive Wega-Beamte räumten am Dienstag unter großem Aufwand das besetzte Haus in der Lindengasse in Wien-Neubau. Weitere 100 riegelten den siebten Bezirk großräumig ab - mit einer Sperre von der Andreasgasse bis zur Kaiserstraße. Selbst für Bewohner der umliegenden Häuser gab es strenge Kontrollen. Während die Räumung selbst friedlich verlief, kam es im Anschluss daran zu Demonstrationen, in deren Folge vier Personen verhaftet, mittlerweile aber wieder freigelassen, wurden (siehe Bericht).

Für Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher von Wien-Neubau, war der Aufwand nicht gerechtfertigt. Ihm wäre schon im Vorfeld eine Räumung ohne Wega-Beamte lieber gewesen.

derStandard.at: Ein Polizeiaufgebot wie bei einem Wiener Derby, ein Verkehrschaos, frustrierte AnrainerInnen, etc . War dieser Riesenaufwand tatsächlich notwendig und finden Sie ihn gerechtfertigt?

Thomas Blimlinger: Ich habe darüber bereits mit der Polizei gesprochen: Meiner Meinung nach hätte es nicht des großen Aufwands bedurft. Es waren ja nur etwa 25 Leute im Gebäude.

derStandard.at: Von Ihnen war seit Beginn der Besetzung am 14. Oktober kaum eine offizielle Meinung dazu zu hören. Warum haben Sie sich nicht vehementer dafür oder dagegen ausgesprochen?

Thomas Blimlinger: Ich bin sehr für die temporäre Nutzung von Gebäuden, aber ich kann nicht für fremdes Eigentum sprechen. In diesem Fall war es eine eindeutig widerrechtliche Nutzung, weil von Anfang an mit der Buwog vereinbart war, dass das Gebäude abgerissen wird. Die Freifläche, auf der nun ein Wohnhaus und ein Park gebaut werden sollen, ist wichtig für die angrenzende Schule und den Bezirk und der Abriss war bereits lange beschlossene Sache.

derStandard.at: Der siebte Bezirk zählt in Bezug auf Lebensqualität, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu den fortschrittlichsten. Warum nicht einmal Zwischennutzung in Gebäuden ausprobieren - und wenn es nur für ein paar Wochen ist, aber zumindest offiziell erlaubt?

Thomas Blimlinger: Es gibt mehrere Zwischennutzungen im Bezirk, die sehr gut funktionieren, weil dort die Vorgaben akzeptiert werden, wie lange und in welcher Form das Gebäude genutzt werden kann. Freiräume sind immer wichtig, und es ist auch gut, sich dafür einzusetzen, aber in diesem Fall waren die Aktivisten nicht berechtigt, das Haus zu besetzen.

Das Gebäude steht jetzt seit zehn Jahren leer, seit einem Jahr gehört es der Buwog, davor hatte es einen privaten Besitzer, mit dem lange über eine mögliche Nutzung verhandelt wurde. Erst als die Buwog vor kurzem die Fenster mit Brettern vernagelte, war das für die Besetzer ein Zeichen, hineinzugehen. Die Buwog hat meiner Meinung nach sehr fair gehandelt. Zu Beginn hatte es auch den Anschein, als ob man mit den Besetzern reden könnte, aber dann hat sich die Gruppe der Manifestanten in zwei Lager gespalten.

derStandard.at: Gibt es Überlegungen, den AktivistInnen eine Ersatzfläche für deren Zwecke anzubieten?

Thomas Blimlinger: Derzeit sehe ich im Bezirk keine freien Flächen für die Pläne der Aktivisten. Und es handelt sich dabei ja nicht um Obdachlose. Ich habe noch die Besetzung des Arena-Geländes 1976 miterlebt - die Besetzer im Gebäude in der Lindengasse waren nicht wirklich der harte Kern der Autonomen.
Worüber jetzt nach der Räumung gesprochen wird, ist, ob die Aktivisten ihre persönlichen Dinge wie Fahrräder, die sie im Gebäude zurücklassen mussten, wiederbekommen. Die Bereitschaft seitens der Buwog ist da, aber man muss sehen, wie das machbar ist. (isa/derStandard.at, 8.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 576
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
tramezzino
14
14.11.2011, 17:08
komisch

warum die chaoten immer in der innenstadt die häuser besetzen...

floridsdorf oder donaustadt ist wohl zuwenig hipp...

torch
 
05
10.11.2011, 20:21
Bezirksvorsteher zu Hausräumung: "Aufwand war nicht gerechtfertigt"

Naja,

hätte halt der Herr Bezirksvorsteher zum Kaffee geladen, dann wäre das wesentlich kostengünstiger abgelaufen.

Hat er aber nicht, daher findet die klassische grüne Pflichtnummer "hättiwäritati" in voller Kompetenz Anwendung und mit viel warmer Luft, Sprachqualm und intellektuellem Nebelwerfen ... Kernkompetenz der Entscheidungsträger und Vordenker halt.

Dazu folgendes:
00
10.11.2011, 14:00

Also wenn sich das Interview wörtlich so zugetragen hat wie hier transkripiert dann ist die Schlagzeile eine journalistisch äußerst fragwürdige Zuspitzung einer Aussage, die so nie getätigt wurde!

El Bulli
12
10.11.2011, 12:45
wahrheit zwischen standard und krone

die art und weise, mit der in dem forum die besetzer zu ganz lieben, alternativ denkenden, von der raubtierkapitalistischen gesellschaft unverstandenen typen gemacht werden, die einfach nur gutes für alle tun wollen, ist unglaublich. die berichte hier sind ähnlich tendenziös (brickners blog: "schlechtes gewissen wegen der umweltschäden, weil man leider auf generatoren angewiesen ist...") wie in der krone - nur halt in die andere richtung. die wahrheit wird wie so oft in der mitte liegen.

milli tante
03
10.11.2011, 12:11
s g herr blimlinger ,

sie sind ein populist, welche farbe ??? gift-grün ???

es schmerzt mich umso mehr ich einige freunde bei den grünen hab die wirklich gute arbeit leisten,...

in hainburg hab ich sie ja nicht gesehen oder ???

entweder sind sie komplett falsch informiert was in ihrem bezirk passiert, oder sie lügen hier um ohne verantwortung zu übernehemen heimlich still und leise aus dieser geschichte rauskommen ???

aber das lasse ich sicher nicht geschehen, ich bin sehr sehr entäuscht ja sogar verletzt durch ihr mehrgleisiges undurchsichtiges verhalten,...

sie zerstören und spalten auch ihre eigene grüne basis, dabei sind doch erst in 4 jahren wieder wahlen ?

treten sie doch einfach zurück aus anstand
danke

parapente
15
10.11.2011, 10:04
Wir lernten halt schon

in der Familie mein und dein zu unterscheiden.

peace & love
25
10.11.2011, 09:41
kanonen auf spatzen.

und wieder zahlen wir ALLE für eine verwaltung, die jeglichen sinn für verhältnismässigkeit verloren hat.

forever52
31
10.11.2011, 09:37
Wir sind in Syrien !!!

Schnurz Homunculus
00
10.11.2011, 15:47
wär schön, wenn Sie

aus Syrien posten würden. Da hätten Sie nämlich andere Probleme...

salzstreuerIn
10
10.11.2011, 14:08
pillen einnehmen nicht vergessen!!!!!!!!!!!!!

naihoit
34
10.11.2011, 09:27
2.-Versuch: Wessen Rechte zählen nun wirklich?

Und wieviel?
Ich hätte kein Verständnis dafür, daß irgend jemand mein Auto requieriert, weil ich ja schon Tage lang zu Fuß gehe oder mit dem Fahrrad fahre, mein Auto also ja eh nicht brauche.
Für Immobilien sehe ich das genau so.
Was ich aber absolut nicht ein sehe ist, daß ich immer meinen Meldezettel bei mit haben muß, damit ich auch heim gehen kann wann ich das will.

peace & love
02
10.11.2011, 09:43
wann wir Ihr auto abgerissen?

milli tante
01
10.11.2011, 12:14
wir mit ihrem haus weggefahren ???

naihoit
00
10.11.2011, 12:37
Ihr Kommentar ist verständlich, aber auch verzichtbar.

naihoit
12
10.11.2011, 10:19
So bald ich dafür kein "Pickerl" bekomme.

Da es nun schon 13 Jahre alt ist wird das nicht mehr so lange dauern, was aber nichts daran ändert, daß es mir gehört, so lange ich das will.
Und so lange mache ich damit, was ich will.
Ich werde Ihr Gewand nicht pink, orange oder grell bunt einfärben -nur, weil mir das wichtig scheint- und Ihnen auch nicht -Freiheit für die Schuhe- die Schuhbänder weg nehmen, weil mir klar und wichtig ist, daß das Ihr Eigentum und daher für mich unangreifbar ist.
Ob ich meine Semmel esse, so lange sie frisch ist oder hart werden lasse geht niemanden etwas an.
Das sollte gerade für sog. "autonome" selbstverständlich sein.

Schnurz Homunculus
00
10.11.2011, 15:53
Das Problem bei der Immobilie ist,

dass man sie nicht in eine Garage parken kann wie ein Auto, um sie vor den Chaoten zu schützen.

Auch hat sicherlich Hr. Cap großes Verständnis für die rigorose Polizeiaktion, denn so eine Besetzung könnte ihm ja auch bei seinen Zinshäusern passieren und was dann???

PS: seit September stehen die Campingplätze leer und könnten eigentlich besetzt werden. Nachteil: sie sind nicht im Zentrum und relativ weit vom Straßenstrich und vom Zugang zu Drogen entfernt

Raphae1
11
10.11.2011, 12:00

Sie gehöhren wahrscheinlich zu den Leuten, die ihr Altpapier vor der Entsorgung nass machen, damit niemand auf die Idee kommt es als Anzünder zu gebrauchen. Schlagen Sie auch alte Möbel kaputt bevor sie diese auf den Sperrmüll bringen? Und zerschneiden Sie ihr altes Gewand, damit sie niemals jemandem begegnen können, der Ihr altes Gewand trägt? Analfixierung nennt das der Fachmann.

naihoit
00
10.11.2011, 14:52
Ich habe Vollholzmöbel, die vermutlich länger halten werden als ich lebe,

mein Altpapier gebe ich einmal mtl. zur Wertstoffsammlung und das Gewand, das ich nicht mehr tragen will (oder kann, weil es zu eng wurde) gebe ich -sofern noch brauchbar- zu Humana.
P.s.: wer das als "Analfixierung" bezeichnet und sich Ihnen als Fachmann anbot ist ein Scharlatan, zumindest aber mehr Möchtegern als Spezialist.
Lassen Sie sich nicht blenden oder zahlen Sie zumindest nicht für so einen Schwachsinn.

Raphae1
10
11.11.2011, 09:17

Dann gilt ihre Analfixierung also nur für ihr Auto? Wie oft putzen Sie ihr Auto, das Sie nicht mehr fahren dürfen?

Schnurz Homunculus
01
10.11.2011, 15:54
Raphael zahlt eh nicht, der besetzt die Praxis

und verbrennt die aufliegenden Zeitungen, weil ihm kalt ist

naihoit
00
11.11.2011, 09:19
Danke.

Ich verdanke Ihnen ein herzliches Lachen.
Schön.

linuxforeverlinux
22
10.11.2011, 09:48

sie haben es eindeutig nicht kapiert!
er hat nicht davon gesprochen, dass sein auto abgerissen wird, sondern dass es requiriert wird!
es darf einem nicht verwundern, warum sie es nicht verstanden haben, sie dürften einfach ein linker sein, der solche rechtswidrigen besetzungen noch gutheisst!
einfach abscheulich sowas!

naihoit
11
10.11.2011, 11:09
bin auch "ein Linker",

habe aber trotzdem Achtung für Eigentum und Eingentumsrechte.

linuxforeverlinux
00
10.11.2011, 11:31

habe ja niemals behauptet, dass sie einer derjenigen sind, die als linke mit pflastersteinen werfen u fremdes eigentum missachten!

naihoit
00
10.11.2011, 12:46
Linke achten Eigentum, Linke werfen nicht mit Pflastersteinen.

Linke halten es einfach nur für unverantwortlich, daß der Reichtum der Einen schneller wächst als die Armut der Mehrheit.
Und das ist im Interesse der Reichen.
Wenn die Kluft zu groß wird, werden sie alles verlieren.
Wir wurden den Adel los, weil er sich vom Volk zu weit entfernte.
Wir werden den Geldadel los werden, wenn sie aus der Geschichte nichts lernen.
Wer leben will muß leben lassen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 576
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.