Surfen

Der wellenreitende Wunderknabe

Florian Vetter, 9. November 2011, 19:34
  • Bilder zum Träumen.

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    Ein Ritt im Jahr 2006 beim Pipeline Masters an der North Shore von Hawaii.

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    Kelly Slater stand in seiner Karriere nicht immer ganz oben am Podest: Cory Lopez und Rob Machado (beide USA) feiern mit ihm den mittlerweile verstorbenen Andy Irons beim Pipeline-Masters 2006 (in Gelb).

Kelly Slater ist als 11-maliger Weltmeister eine Surflegende - Eine Annäherung an ein zeit­loses Phänomen

Die Wand aus Wasser ist hoch, eine einzige apokalyptische Kraft, pure kinetische Energie. Sie fasziniert, bedroht und sorgt für Adrenalin. Selbst für den "King of Surf" ist sie kein Kinkerlitzchen, sogar ein Glückskind wie Kelly Slater kann sich nicht immer elegant an eine Welle anschmiegen. Für einen Sieg am Ocean Beach in San Francisco reichte es jedoch. Er selbst sagt, er sei nicht der spektakulärste Surfer und hat vielleicht deshalb für die junge Surfszene wenig Vorbildfunktion. Slater ist aber 11-maliger Weltmeister, der Gott unter den Wellenreitern. Und sein Lebenswerk könnte ein Lehrstück darüber sein, wie wenig Schein und Sein gemeinsam haben müssen.

"The bald guy", wie er in der Szene von den genannt wird, die seinen Namen schon nicht mehr hören können, ist 39 Jahre alt und surft noch immer mit Leidenschaft gegen Konkurrenten, die mitunter halb so alt sind wie er. Seine Karriere endet bis dato nicht wie die von Sportlegenden a la Michael Jordan, der seinen Zenit längst überschritten hatte und bei dem sich am Ende zur Demütigung auch eine traurige Gleichgültigkeit gesellte (manchmal hatte man das Gefühl, es war ihm egal, dass er nicht mehr so dominant war). Slater ist noch immer die Nummer eins, nach seinem elften Triumph könnte es einen Abschied geben, nach 21 Jahren. "Es fühlt sich an, als hätte sich der Kreis geschlossen", sagte er nach seinem Triumph in San Francisco und denkt an ein Karriere-Ende: "Ich wollte immer 11 Titel haben. An einen 12. habe ich nie gedacht." Einem seriösen Surfer kann man das glauben, aber Kelly Slater sagte auch: "Die Menschen kommen immer auf mein Alter zu sprechen. Ich bin fast 40, aber die Jahre sind für mich nur Zahlen. Ich denke, man kann seine Form beibehalten. "Warum sollte ich mit 50 nicht noch besser drauf sein als jetzt?"

48 Siege für die Ewigkeit

Als ich Kelly Slater 2006 beim Pipeline-Masters an der North Shore von Hawaii bestaunen durfte, war er wie allerorts Star der Szene, Mittelpunkt des Publikums, es gab nicht viel Platz neben ihm für die Konkurrenz. Aber er war nicht unnahbar, plauderte locker mit den Fans am Strand. Es war seine Familie, der Wettkampf. Und vielleicht suchte er trotzdem noch immer die Einsamkeit des Ozeans. Zum Sieg gratulieren durfte er damals artig seinem größten Konkurrenten Andy Irons, der mittlerweile tot ist. Der Hawaiianer Irons starb alleine in einem Hotelzimmer an einem Herzinfarkt. Er soll ausgebrannt gewesen sein. Wann hört eigentlich Slater auf?

Glänzende blaue Augen, ein kahler Kopf, asketischer Oberkörper und ein starker Kiefer: Anders ist mir der Mann aus Florida kaum in Erinnerung. 1992 gewann er seinen ersten Weltmeistertitel und erhöhte nun das Alter des ältesten auf 39 Jahre. 48 World-Tour-Siege stehen zu Buche, der erste Verfolger der ewigen Siegerliste hält bei 33, der beste unter der aktiven Konkurrenz bei 12. Als 15-Jähriger wurde Kelly Slater erstmals gesponsert, scheffelte mit Preisgeldern und hochdotierten Werbeverträgen später Millionen. Sein Lifestyle blieb aber unprätentiös. Er ernährt sich gesund, hat auf der Suche nach guten Wellen ein ordentliches Reisebudget. Ansonsten brauche er aber nicht viel, fühlt sich dort beheimatet wo er gerade ist.

Ein Leben ohne Skandale

Slater hat keine Abstürze erlebt, keine Skandale produziert. Als sein Stern aufging, hatten Wellenreiter das Image verträumter Chaoten, die sich von der seelenlosen Konsumgesellschaft in die Ozeane verabschiedeten. Oder sie gebärdeten sich auf der Tour wie Rockstars. Drogen und Alkohol waren ständige Begleiter, nur nicht für Slater. Er war kein typischer Surfer.

20 Jahre später dominiert er einen Boomsport, Firmen wie Billabong oder Quicksilver machen Milliarden-Umsätze. Bei Nike rangiert der Surfen in der Konzernhierarchie mittlerweile an Nummer drei hinter Fußball und Basketball. Slater ist das Gesicht der Surfszene, und es scheint als ob er Ruhm genießen könne, ohne ihm zu unterliegen. Aus Hollywood hat er sich verabschiedet, nachdem er mit Auftritten als Jimmy Slade im Rettungsschwimmer-Epos Baywatch berühmt wurde (da hatte er noch Haare am Kopf). Er war der Freund von Pamela Anderson, Gisele Bündchen und angeblich auch von Cameron Diaz.

1998 nahm sich der "King of Surf" eine fünfjährige Auszeit und sagte rückblickend: "Ich habe meine sportliche Karriere mit 26 aufgegeben, weil ich die Sorge hatte, dass mich mein Ehrgeiz zerfrisst". 2003 kehrte die Kampfmaschine auf die Profi-Tour zurück und holte zwei Jahre später den nächsten WM-Titel.

Mit der Zeit Schritt gehalten

Und genau deshalb ist Kelly Slater auch ein so verdammt guter Surfer. Denn die Wellenreiterei hatte sich in der Zwischenzeit verändert: Slater kam aus einer Zeit, als vor allem die Anzahl der Manöver pro Welle bewertet wurde. Heute wird bei den Richtern auch mit Sprüngen gepunktet, obgleich die wegen der ständig wechselnden Bedingungen viel schwieriger zu stehen sind als beispielweise im Snowboarden. Die Surfikone hat sich aber angepasst, konnte noch immer einen Gang zulegen. Sind die Bedingungen schlecht und die Konkurrenz beklagt sich, findet er meistens trotzdem noch eine feine Welle. So wie damals auch in der Pipeline auf Hawaii. Er spürte sie förmlich auf. Und seine Gegner meinen, er habe einen Vertrag mit dem Meer. Sein bester Move ist der "Tuberide", Slater gilt als der Meister des Ritts im Innern der Wellenröhre. Ich fand ihn damals grandios, auch wenn er nicht gewann, weil da draußen noch ein paar andere extrem gute Surfer unterwegs waren.

Vielleicht ist die Zeit reif für eine neu Art des Surfens und für neue Typen - wie einen Owen Wright oder einen John John Florence - die die Wellen nicht nur abreiten, sondern als Rampe nutzen und Airs springen, Drehungen machen und Figuren im Wasser tanzen. Ob Kelly Slater tatsächlich der beste Surfer aller Zeiten ist? Wer kann das sagen, in einem Sport, in dem der eigentliche Wettkampf zwischen einem Menschen und dem Meer stattfindet. (Florian Vetter; derStandard.at; 10. November)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Der Freund Deiner Frau
00
10.11.2011, 15:19
Dieser Tage in Portugal:

.
http://www.youtube.com/watch?v=K... re=related

Eine Ewigkeit von 40 sec.

Dr Don Tango
01
10.11.2011, 13:42

kelly slater und tony hawk haben beide ihren sport professionalisiert und es über die jahre geschafft die permanente veränderung zu treiben und zu meistern.

gibt wohl in keiner anderen techniklastigen sportart athleten, die die transformation von old zur newschool derart geschafft haben.

das zeigt ihr ausnahmetalent, ihre motivation und vor allem idealismus weit ab vom lifestyleaspekt der gloryhunter.

wuzel74
01
10.11.2011, 12:10

Was ist mit Björn Dunkerbeck? Der Knabe hat 41 Weltmeistertitel!! Bitte recherchiert doch mal, bevor immer das selbe Fanboy-Gewäsch auf dieser Seite zu lesen ist. Nur weil der Autor Wellenreiten grad cool findet, wird hier übertrieben, was das Zeug hält.

IncontinentIceweasel
00
10.11.2011, 12:44
Anders als Slater...

...kann bzw. konnte Dunkerbeck mehrere Titel in unterschiedlichen Disziplinen (derzeit Wave, Freestyle, Slalom, zwischenzeitlich auch Overall, SuperX und so lange wie Dunkerbeck schon dabei ist, weiß der Kuckuck, was sonst noch). Aber allein mit 12 Overall Titeln stellt er Slater wohl in den Schatten.

Aber es gibt noch andere Dominatoren: Markus Moser im Skibob mit 37 Titeln und wohl etliche mehr.

joey76
00
10.11.2011, 11:45
Äpfel und Birnen

wenn hier ein Vergleich möglich ist, dann nur mit einem anderen Surfer und nicht mit einem zb. Dartspieler...

Slater ist sicher einer der konstatesten Surfer die es auf der Tour gibt. Die Tatsache dass er es sich leisten kann ein Event einfach auszulassen und trotzdem den 11 Titel holt, zeigt wie er die Surfwelt dominiert und wie gut er ist.

Persönlich fände ich es sehr schade wenn er aufhört.

Thanus
00
10.11.2011, 11:56

eine Diskussion über einen Vergleich des größten und zweitgrößten Apfels macht aber wenig Spaß

No_lD
42
9.11.2011, 23:19
hm

Tony hawk war auch 11 mal weltmeister, in einer sportart, die um einiges jünger ist als surfen. Dunkerbeck? War doch auch schon öfter als slater am obersten stockerl, oder nicht?
Also ich bin kein surf-kapazunder aber der artikel liest sich eher wie die huldigung eines postpubertierten fans von kelly slater....

piknik
00
10.11.2011, 12:00

Da muss ich doch widersprechen. Jeder der Surfen etwas verfolgt kann Herrn Vetter nur beipflichten. Slater ist ein anatomisches Wunderkind und hat die Transformation des Surfens der letzten 20 Jahre mitgemacht. Heute im Alter von 39 Jahren noch Weltmeistertitel zu gewinnen, ist bei dem Standard der von jungen Kids an den Tag gelegt wird, ein Ding der Unmöglichkeit. Surfen geschieht in bewegtem Wasser und erfordert extrem gute Flexibilität und Reflexe. Gerade erst wurde Slater zweimal von einem 17-jährigen besiegt. Das Ende seiner Ära zeichnet sich ab... aber in der Zwischenzeit hat Slater unzählige Rekorde gebrochen und war Vorbild für Abertausende von Surfern. Er war der jüngste Champ 92 und ist nun der Älteste 2011. Hut ab vor King Kelly!

Porqué no te callas?
00
10.11.2011, 12:20

naja abgesehen davon dass wellenreiten maßlos übergehypt wird und die meisten, die "wellenreiten" hören automatisch an bigwave-surfing denken, ist der hype um kelly schon irgendwie nicht unberechtigt. er ist eben der star der szene, wie es ihn in wenigen anderen sportarten gibt.

Thanus
00
10.11.2011, 10:58

Dunki hält bei 41-WM-Titeln in unterschiedlichen Disziplinen und ist damit der Sportler mit den meisten WM-Titeln überhaupt. Eri st aber insofern nicht mit Slater zu verleichen, da er nicht einer Disziplin treu geblieben ist, weil die Konkurrenz zu groß wurde. Am ehesten ist Slater mit Phil Taylor zu vergleichen.

Phil Knight
00
9.11.2011, 23:14
...

... so asketisch kann er bei dem typ an ex-frauen nicht gewesen sein. das sind rock-bitches, da kommst mit einem glasel leitungswasser nicht weit, da staubt es schon ordentlich. aber respekt!

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
04
9.11.2011, 21:27
Michael Jordan wusste nicht wann er aufhören sollte ?!?

Ich befürchte der Autor verwechselt MJ mit einem anderen Sportler

bedarf ist keine konstante
00
10.11.2011, 11:34

Michael Jackson?

No_lD
00
9.11.2011, 23:06
vielleicht

Mike Tyson?

elbrujo1
04
9.11.2011, 21:03
autsch

toller artikel über einen großartigen sportler, aber zu behaupten, dass es michael jordan zu irgendeinem zeitpunkt in seiner karriere - zumindest beim basketball - egal gewesen sei, ob er gut ist, oder nicht, zeugt von so fundamentaler unkenntnis, dass mir der satz fast physische schmerzen bereitet hat...

Ihr Franz-Josef Hartlauer
10
9.11.2011, 21:57
ich glaube sie und herr northrim leiden eher unter fundamentalem unwissen

Zitat aus einem Artikel der Berliner Zeitung: "Ich habe eines der letzten Spiele von Michael Jordan gesehen", sagt er, "es war an meinem 31. Geburtstag." Jordan habe schlecht gespielt, sagt Slater. Das ist das eine. Das könne passieren. "Das Schlimme aber war, es schien ihm egal zu sein." Im Grunde, sagt Slater, habe der Mann von der Times recht. Wenn man nichts mehr zu zeigen hat, dann soll man gehen. "Aber ich habe das Gefühl, ich surfe noch immer mit sehr viel Leidenschaft", sagt Slater. Und so lange will er bleiben...<br><br>

http://www.berliner-zeitung.de/sport/kel... 31920.html

elbrujo1
00
10.11.2011, 14:31
slater

wenn ein surfer das an hand eines einzigen spiels diagnostiziert, muss es ja stimmen. die 20ppg die er in seiner letzten saison mit 40 jahren sind auch wirklich erbärmlich schlecht. auch dass er der einzige spieler ist, der mit 40 jahren auch 40 punkte gemacht hat. unvorstellbar, dass ein sportler am ende seiner karriere wirklich schlechter is, als in seiner prime. shame on you mj! dass er sich das wizards abenteuer sparen hätte können, wird wohl jeder unterschreiben, aber ihm deshalb seinen willen abzusprechen beweist halt einfach, dass man keine ahnung hat...

Facialbook
00
10.11.2011, 12:20
MJ ...

wusste natürlich wie jeder andere auch, dass er seine Primetime lange überschritten hatte, fühlte sich aber wohl immer noch gut genug, SEINEM Team zu helfen.

Mandark
00
11.11.2011, 10:36

Natürlich konnte er seinem Team noch helfen und war wahrscheinlich besser als 80% (vielleicht auch mehr) der restlichen Spieler der Liga. aber für jemanden der für eine zeitlang der absolut beste in der Liga war, finde ich es persönlich immer schade wenn er dann weiterspielt/fährt und einfach nicht mehr ganz an seine früheren Leistungen rankommt. Es drübt einfach das Bild ein wenig. Selbes gilt leider z.b für Roger Federer. Noch immer die Nummer 3 der welt aber ich bezweifel das er nochmal nr.1 wird.

northrim
01
10.11.2011, 08:29

ein punktuelles ereignis und das aus der sicht EINER person? ...die sich anmasst, seine hochwürden zu beurteilen? das macht den slater eher unsympathisch und zeugt von engem horizont.
natürlich surft hr. slater JEDEN moment seines lebens mit voller leidenschaft und zeigt nie einen hängenden kopf! dream on, brillenmann!

northrim
02
9.11.2011, 21:32

danke, so gings mir auch ;-). ein bild von jordan ohne competitiveness an die wand zu malen zeugt davon, wirklich überhaupt keine ahnung von mj zu haben!

Charly Foot
02
9.11.2011, 21:49
das seh ich auch so.

netter artikel, aber der jordan-vergleich ist nicht nur vollkommen deplatziert, sondern kann wirklich gar nix. schade.

get zapped
00
9.11.2011, 20:39
Kelly Slater ist ein Kaot & Idol, ein ziemlich sauberes.

Walter KURTZ
 
22
9.11.2011, 20:07

"Eine Annäherung an ein zeitloses Phänomen, wie es in keiner anderen Sportart vorkommt"

Da kennt wer Phil Taylor nicht...

Heavyweather
00
14.11.2011, 23:59

Dart ist auch keine ernst zu nehmende Sportart.

Hier geht es um eine echten Sport.

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