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"Darabos ist ein Rechtsbrecher"

Interview | Lukas Kapeller, 9. November 2011, 12:02
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    foto: apa/schlager

    Ex-Verteidigungsminister Robert Lichal: "Wenn Darabos ein ÖVP-Minister wäre, würde der Kanzler wahrscheinlich auf seinen Abgang drängen."

Ex-Verteidigungsminister Robert Lichal bezeichnet seinen Nachfolger Norbert Darabos als rücktrittsreif und sieht auch Kanzler Werner Faymann in der Pflicht

Robert Lichal, Verteidigungsminister in den späten Achtziger Jahren, stellt sich nach der juristischen Schlappe des heutigen Ressortchefs Norbert Darabos (SPÖ) gegen General Edmund Entacher klar auf die Seite des Beamten.

***

derStandard.at: Sie haben in der "Zeit im Bild 2" gesagt, Sie würden Norbert Darabos zum Rücktritt raten. Warum genau?

Lichal: Grundsätzlich möchte ich einen Nachfolger überhaupt nicht qualifizieren und ihm nichts raten. Die Frage, die mir gestellt wurde, war: Was würden Sie tun? Da habe ich gesagt, ich würde den Abschied nehmen. Weil ich doch noch etwas Ehrgefühl in mir verspüre. Und ein Führer einer soldatischen Organisation, ein Minister, sollte einen soldatischen Ehrbegriff zumindest noch kennen. Wenn er einen Fehler gemacht hat und so einen eklatanten, dass er eigentlich einem Berufsbeamten aufzwingen wollte, einen Rechtsbruch als Maxime seines neuen Handelns zu akzeptieren, dann ist der Mensch eigentlich rücktrittsreif.

derStandard.at: Sie argumentieren, Generalstabschef Edmund Entacher sei dafür bestraft worden, dass er das geltende Recht verteidigt hat?

Lichal: Ja, das konnte General Entacher als Berufsbeamter niemals machen. Er ist ein Berufsbeamter in Uniform. Wir dürfen nicht vergessen, die Forderung gegenüber dem Minister bei der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht loyal zu sein, bedeutet einen Rechtsbruch zur Maxime zu machen. Denn in unserer Bundesverfassung sind die allgemeine Wehrpflicht und die Ausrichtung des Bundesheeres nach dem Milizsystem verankert. Das ist der eine Grund.

derStandard.at: Der andere?

Lichal: Der andere Grund ist: In einer Demokratie gibt`s Regierungsbildungen. Da haben zwei politische Parteien einen Pakt geschlossen. Auch in diesem Koalitionspakt (Regierungsprogramm 2008-2013, Anm.) steht drinnen, dass wir das Bundesheer nach der allgemeinen Wehrpflicht und nach dem Milizsystem organisieren. Was in der Bundesverfassung steht, steht auch in diesem Pakt. Nun bricht der zuständige Minister diesen Vertrag, er wird vertragsbrüchig. Da aus einem Vertrag ein Recht entsteht, ist man dann ein Rechtsbrecher.

derStandard.at: Der Verteidigungsminister hat eine schwerwiegende Personalentscheidung getroffen, die von der Berufungskommission beim Bundeskanzleramt für nichtig erklärt wurde. Hat der Minister vor seinen Mitarbeitern sein Gesicht verloren hat?

Lichal: Na, selbstverständlich! Er hat vollkommen das Gesicht verloren, weil er die Anerkennung eines rechtswidrigen Zustandes verlangt hat.

derStandard.at: Sie kennen als ehemaliger Verteidigungsminister den Apparat von innen. Wird Darabos bei seinen Mitarbeitern an Autorität einbüßen?

Lichal: Die Autorität und das Ansehen des Ministers sind aufgrund seiner bisherigen Verhaltensweise gleich null. Das war jetzt das Tüpfelchen auf dem I.

derStandard.at: In der Truppe auch?

Lichal: In der Truppe auch.

derStandard.at: Warum glauben Sie das?

Lichal: Man darf ja nicht vergessen, dass jeder uniformierte Körper hat ein noch stärker ausgeprägtes Solidaritätsgefühl hat. Die Kameradschaft ist bei einem bewaffneten Körper ja notwendig, da entsteht ein Korpsgeist. Wenn die Truppe das Gefühl hat, auf einen von ihnen gehe man los, empfindet sie Verstöße gegen die eigene Truppe noch schlimmer als in einer normalen Verwaltungsorganisation. Das verstehen viele Politiker nicht, es herrscht bei der Sicherheitsexekutive, bei der Polizei, bei der Justizwache, ja immer ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis - natürlich beim Militär im Besonderen.

derStandard.at: Gab es Ihrer Erinnerung nach schon einmal einen Verteidigungsminister, der so wenig Ansehen hatte?

Lichal: Nein. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass er auf die Strukturen des Bundesheeres ja bei seiner Installierung keine Rücksicht genommen hat. Er hat sich ein Kabinett mit lauter Auswärtigen zusammengestellt. Ich habe mir im Ministerium ein Kabinett zusammengestellt und habe das Ministerium geführt mit Berufsbeamten des Ministeriums. Ob der rot, schwarz oder blau war, das war wurscht.

derStandard.at: Sie sagen, Sie persönlich wären zurückgetreten. Sagen Sie auch, Regierungschef Werner Faymann soll einen Schritt setzen?

Lichal: Er ist eigentlich Letztverantwortlicher für die ganze Misere - nach dem Prinzip der culpa in eligendo (Verschulden durch schlechte Auswahl, Anm.). Dieses Verschulden geht auf den damaligen Bundeskanzler Gusenbauer zurück.

derStandard.at: Wenn Sie mit der Personalauswahl argumentieren, dann hätte der heutige Kanzler Faymann Minister Darabos auch austauschen können ...

Lichal: Wenn das ein ÖVP-Minister wäre, würde der Kanzler wahrscheinlich auf den Abgang drängen. Aber da darf man jetzt nicht parteipolitisch denken. Verstehen Sie, bei dieser Frage geht es jetzt um etwas viel Größeres. Da geht es um das Bundesheer, um eine Institution, die von den Mitbürgern verlangt, Opfer zu bringen. Das kann ich nicht ruinieren. Wenn wer die Abschaffung der Wehrpflicht will, dann muss er das bei der nächsten Regierungsbildung mit dem neuen Regierungspartner verhandeln.

derStandard.at: Von Darabos' sogenannten Pilotprojekten ohne Grundwehrdiener halten Sie demnach nicht viel ...

Lichal: Das ist rechtswidrig, da fällt er wieder auf die Nase. Aber er hat anscheinend überhaupt kein Rechtsempfinden. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 9.11.2011)

ROBERT LICHAL (79) war ÖAAB-Obmann, ÖVP-Nationalratsabgeordneter und von 1987 bis 1990 Verteidigungsminister. Der überzeugte Gewerkschafter galt in seiner politischen Karriere als eiserner Verfechter des Milizsystems im österreichischen Bundesheer.

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moulin rouge
00
24.11.2011, 19:49
MIR GEFAELLT...

das Eigenschaftswort "soldatisch". Lichal spricht von soldatischer Organisation und soldatischem Ehrbegriff, jetzt frag ich mich nur, woher der Lichal seinen unheimlichen Wortschatz hat. Vermutlich soldatisch angereichert aus seiner Zeit im Verteidigungsministerium? Ob das soldatische vielleicht mit militaerisch zu ersetzen ist? Ich frag ganz einfach den Pendler: http://www.youtube.com/user/00DERPENDLER

Valdez liberta
11
12.11.2011, 17:46
Die gesamte Bundesregierung ist rücktrittsreif!

Zwar hat es immerwieder Schwachmatiker in der diversen Regierungen gegeben - jedoch diese Konzentration ist bis dato einzigartig!

favonius
00
13.12.2011, 13:59

Der Schüssel mit seinen Kumpels hat aber trotzdem einiges vorgelegt, da muß die jetzige Regierung noch ein Jährchen dran arbeiten bevors in die wohlverdiente Pension gehen darf.

Fernando Castro
02
12.11.2011, 01:18
Lichal hat grundsätzlich recht. Darabos hat sich erübrigt.

Es gab bisher beim Heer noch nie einen Minister, der in Heereskreisen so abgelehnt wird und so wenig ernst genommen wird wie Darabos.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Konfrontation erfolgt. Zudem hat der Bundespräsident stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Schließlich hat er seinen Minister nicht im Griff.
Denn eine Absetzung von Entacher hätte nur der Bundespräsident veranlassen können, nicht Darabos.
Im Grunde genommen ist daher nicht nur der Darabos sondern auch der Bundespräsident reif für den Rücktritt.

DThl
00
13.11.2011, 20:15

"Zudem hat der Bundespräsident stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Schließlich hat er seinen Minister nicht im Griff. "

Sie überschätzen die verfassungsrechtliche Kompetenz des BP. Die Funktion "Oberbefehlshaber" bedeutet nur, wer zuerst militärisch zu Grüßen ist. Darüberhinaus sagt der Minister - im Rahmen der Gesetze - was zu geschehen hat.

Lünz
00
12.11.2011, 10:08

Darabos kann Entacher sehr wohl versetzen. Nur sind eben Regeln und Fristen einzuhalten, was Darabos nicht getan hat. Ein "Vertrauensverlust" rechtfertigt eben keine Versetzung.

ceiberweiber.at
00
12.11.2011, 09:27
es hat noch nie einen verteidigungsminister gegeben

um dessen ablöse sich die usa so sehr bemüht haben wie bei darabos - und auch wenn sie es noch nicht geschafft haben, bedanken sie sich doch bei entacher für die unfreiwillige hllfe dabei. er wird am 22.11. in der us-botschaft geehrt - da haben dann ja er und sein anhang gelegenheit sich zu entscheiden, ob sie auf seiten der republik österreich oder der usa stehen (bislang schweigen sie zu dieser heiklen frage).

Hank Williams1
00
1.12.2011, 22:29
Endlich

Gottseidank, jetzt ist es endlich heraussen - es waren wieder einmal die bösen Amerigana. Jawohl, überall sitzt einer , frisst einen Burger und sauft eine Cola und siniert hinter seiner verspiegelten Rayban , wie er der Friedensgroßmacht Ösien schaden könnte. Und dann gibt es aber noch den Pannonien-Bertl und seine Cyberweiber, die mit ihrem Scharfsinn so gscheit sind, dass diese bösen, bösen Amis keinen Auftrag haben. Ganz im Sinne eines der größten Polit-Genies dieses Landes, V. Klima, der mit tränenerstickter Stimme bemerkte:"Passen Sie mir auf dieses Österreich auf !", um sich flugs zu schleichen (sicher auch von der CIA eingefädelt). - Danke für die Erklärung ich kann wieder ruhig schlafen

unterbezahltüberarbeitet
00
16.11.2011, 15:06

selbst wenn unser Minister sich gegen Nato und die USA stellt hat er trotzdem nicht die Erlaubnis, Rechtsbruch zu begehen.
Die US geben Entacher eher den Orden, um Herrn Darabos symbolisch ans Bein zu Pinkeln, eine reine Stichelaktion.
Was sich Entacher dazu denkt kann ich nicht sagen, er hat keine offizielle Meldung dazu abgegeben.
Vllt. macht er es auch um Darabos zu sticheln, vielleicht denkt er freudig an die letzten 30 Jahre (normalerweiser) guter Zusammenarbeit und Bildungsaustausch mit dem amer. Militär. Vielleicht auch beides gleichzeitig. Fragen Sie ihn selbst, oder erstellen sie eine Facebook-Page dazu. Antworten sind Ihnen sicher.

verschwörer.at
00
12.11.2011, 10:14

Können Sie Ihr Ablöse-Hirngespinnst mit Fakten - nicht mit paranoiden Indizien - belegen?

Castrator
22
11.11.2011, 16:54
Lichal u Darabos

zwei Ahnungslose!

Kein Wunder, dass das Thema Landesverteidigung in Österreich so mies "beleumundet" ist.

Das Bundesheer ist in der jetztigen Form unnötig. 6 bis 8 Wochen Grundwehrdienst reichen gerade einmal dafür, bei den Paraterschießbuden ein bißchen besser abzuscheneiden, als vielleicht ein dahergelaufener Strizzi. Zu mehr reicht es nicht.

Diese "light Versionen" u Improvisationen sind zwar österr charmant, aber gleichzeitig auch dümmlich, siehe eben Darabos u Lichal etc....

ceiberweiber.at
20
12.11.2011, 09:31
sagen sie...

gehören sie zu der aussterbenden gattung, die meint, ein mann ist nur mit waffe ein mann? sowas hört man zwar noch bei tagungen der offiziersgesellschaft - etwa von conrad seidl, standard - aber in einer modernen welt hat diese einstellung nichts verloren. kriege sollen ja vermieden werden, durch frauen und männer, von denen einige zwar wissen, wie man eine waffe gebraucht, aber alle viele formen der konfliktlösung kennen und anwenden...

DThl
00
13.11.2011, 20:24

Schwer zu sagen, was er meint oder nicht meint. Verstanden habe ich den Vorposter so:

Wenige Wochen Grundwehrdienst reichen nicht, um eine Person auf den Ernstfall als Soldat, d.h. auf eine bewaffnete Auseinandersetzung, vorzubereiten. Da ist ihm eigentlich zuzustimmen. Das Ganze "funktioniert" ja nur deshalb, weil alle davon ausgehen, dass die Person als "Soldat" ohnehin nie zu kämpfen hat. Das Restrisiko nimmt man bewußt in Kauf (Stichwort: Kanonenfutter).

Die Konsequenzen für die österreichische Verteidigungspolitik wären zu diskutieren.

naihoit
22
11.11.2011, 13:23
darabos ist ein Rechtsbrecher, der versucht doch tatsächlich, bestehendes Recht zu ändern!

Na so was aber !!!!!!
Glaubt der doch ernsthaft, daß ein Minister was arbeiten soll?
Wo kämen mir denn da hin?

ceiberweiber.at
33
11.11.2011, 15:15
lichal findet darabos fad....

solche schlagzeilen muss man ja erstmal machen:

http://www.spiegel.de/spiegel/p... 98106.html
Gegen Verteidigungsminister Lichal ermitteln Staatsanwälte wegen Verdachts des Amtsmißbrauchs und der Untreue.
Der Minister sieht sich selber gern in der Tradition legendärer Leinwandhelden: "Ich bin der Revolverhofrat, der Django der Nation, Lichal reitet wieder." Kokett und zielstrebig bastelt Robert Lichal, 57, Österreichs Heereschef, am Image des Law-and-Order-Mannes, hart und tough. Zu Hause, erzählt er bisweilen, bewahre er eine Smith & Wesson 38 Spezial, Kaliber 9 mm, auf. Die sei natürlich "mannstoppend".

was nimmt der darabos hingegen gerne in die hand? sowas harmloses wie einen tischtennisschläger :-)

Lünz
02
11.11.2011, 15:08
Wer unsere Demokratie versteht weiß auch, daß ein Minister nicht die Aufgabe (ja gar nicht die Befugnis!) hat Recht zu ändern, sondern zu VOLLZIEHEN!

naihoit
31
11.11.2011, 13:06
Der "Eiserne" redet doch nur über Darabos,

damit ihn niemand nach Strasser fragt.

fan8
14
11.11.2011, 11:48

danke für die mutigen worte, herr lichal!

ceiberweiber.at
72
11.11.2011, 12:15
wo kommen denn all die trolle her?

oder sinds auch fossile aus dem naturhistorischen museum?

Lünz
03
11.11.2011, 13:45

Nennen sie mir einen Punkt, abgesehen von der Behauptung daß Darabos' Pilotprojekte rechtswidrig wären, in dem Lichal nicht recht hat.

ceiberweiber.at
10
12.11.2011, 09:35
lichal ist lächerlich

genau wie die, die ihn toll finden - das sind soldateneigenschaften nur im konjunktiv, als pose, als selbstdarstellung, als imponiergehabe. haltung und handlungen sind etwas ganz anderes, sie sind mut, aktion ohne zu zögern oder zu fragen, ob einen auch alle bewundern. ich garantiere ihnen, wenns drauf ankommt, laufen lichal und co weg - darabos und andere halten stand, auch wenn sie damit natürlich das risiko eingehen zu verlieren.

surb1981
03
11.11.2011, 13:00
Sehr geehrte Fr. Bader!

Ihre Kommentare trifften immer mehr von der Sachebene ab!
Warum bitte sind Sie dermaßen emotionalisiert?
Sie denunzieren, werten andere Meinungen ab, usw...?

Bitte, was ist mit Ihnen los?

ceiberweiber.at
41
11.11.2011, 14:01
zuerst

sollten sie an die appellieren, die gebetsmühlenartig immer dieselben falschen behauptungen posten. niemand wird da immer geduldig antworten können - denn alles kommt dann eben unter anderen nicks oder auch demselben nick nochmal.

surb1981
02
11.11.2011, 18:19
Ist das ein Versuch zur

Selbstkritik?

Stimme ihnen voll und ganz zu!

Polk Salad
05
11.11.2011, 09:34

Darabos hat nach der Bekanntwerden der Entscheidung etwas von "Primat der Politik" gefaselt. Mir scheint, der Minister hat da Grundlegendes nicht verstanden: In einem Rechtsstaat gilt das Primat des Gesetzes bzw. des Rechts und daran hat sich auch ein Minister zu halten. Und wenn die Absetzung des Generals rechtswidrig war, kann er sich nicht dem "Primat der Politik" rechtfertigen. Irgendwie klingt schon wie eine gefährliche Drohung: Welche rechtswidrigen Vorgehensweisen in der Zukunft wird Darabos noch mit "Primat der Politik" rechtfertigen?

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