Ärztekammer empört über Gesetzesnovelle zu Spitälern

9. November 2011, 09:56

Novelle zum Kranken- und Kuranstaltengesetz biete Möglichkeit zum "massiven Etikettenschwindel"

Wien - Die Ärztekammer ist über eine geplante Gesetzesnovelle, die die Spitäler betrifft, empört. Die Novelle zum Kranken- und Kuranstaltengesetz (KAKuG) biete die Möglichkeit zum "massiven Etikettenschwindel", kritisierte Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer, Dienstagabend bei einem Hintergrundgespräch. Man warne davor, weil etwa eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung nicht mehr von Gesetzes wegen notwendig sein werde.

Die Spitäler sollen ihr Leistungsangebot nach den Plänen von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) stärker am tatsächlichen Bedarf in einer Region orientieren können. Einzelne Fachabteilungen müssen damit nicht mehr rund um die Uhr offenhalten, einzelne Leistungen können auch in Tages- oder Wochenkliniken ausgelagert werden. Bereits im abgelaufenen Begutachtungsverfahren war von der Ärztekammer heftige Kritik gekommen.

Keine Qualitätsverbesserung, sondern "Ausdünnung der Leistung"

Das Gesetz werde verkauft als Qualitätsverbesserung und Sicherung der peripheren Versorgung - "lauter leere Worthülsen", findet Mayer. Er wisse nicht, was an der peripheren Versorgung abgesichert sei, wenn man nicht mehr gezwungen sei, rund um die Uhr fachärztliche Expertise vorzuhalten. Die Patienten wüssten nicht mehr verbindlich, was sie erwarte, wenn sie in ein Krankenhaus gehen, befürchtet Mayer. So werde es vielleicht eine HNO-Abteilung geben, der HNO-Arzt komme aber nur ein paar Stunden dreimal die Woche.

Er habe kein Problem damit, wenn die Politik sage, man wolle zentralisieren und Schwerpunktspitäler in den Landeshauptstädten bzw. in der Peripherie nur mehr Standardkrankenhäuser, wo es in Wahrheit nur mehr eine Interne Abteilung gebe und ein paar Leute "hie und da" ein bisschen operieren. Wenn man eine Verknappung des medizinischen Angebots wolle, solle man das aber auch klipp und klar sagen. Man solle nicht von Qualitätsverbesserung reden, wenn es eine "Ausdünnung der Leistungen" sei.

"Vorsorgungsqualität der Bevölkerung leidet"

Man könne in diesen "herabgefahrenen Einrichtungen" auch keine Ärzte mehr ausbilden, man werde dort auch keine Ärzte hinkriegen, ebenso wenig wie Innovation und Spitzenmedizin. Mit dem Gesetz würden auch Mehrfach-Primariate - sprich: ein Abteilungsleiter für drei Abteilungen - legalisiert. Dagegen verwehre man sich.

Vergangene Woche sei man beim Minister gewesen. Dieser habe die Argumente, dass es sich um ein Herunterfahren handle, nicht wirklich entkräften können, schicke das Gesetz aber mit ein paar semantischen Änderungen in den Ministerrat, zeigte sich Mayer verärgert. Die Gesetzesänderung ermögliche, dass "nicht mehr Spital drin ist, wo Spital drauf steht".

Das Gesetz sei weiters das Gegenteil eines einheitlichen Spitalsgesetzes, könnten doch die Länder entscheiden. Diese seien es auch, die diese Neuerungen wollen, glaubt Mayer. Die Länder hätten Interesse, die Kosten zu minimieren und den Wählern "vorzutäuschen", dass sie in jedem Krankenhaus alles bekommen.

Sorgen um ärztliche Arbeitsplätze seien nicht das Motiv für die Kritik, versicherte Mayer auf Nachfrage - es werde immer genug Jobs für Ärzte geben. Ihm gehe es um die Versorgungsqualität der österreichischen Bevölkerung.

Angesprochen auf die geplante elektronische Gesundheitsakte (ELGA) meinte Mayer, man solle zuerst grundsätzliche Fragen klären, etwa was ELGA bringe. Wenn ELGA für die EDV-Branche ein Geschäft sei, sei das schön, wenn es aber für die Patienten und das Gesundheitswesen außer Mehrkosten nichts bringe, "dann lassen wir's bitte". Kein Freund ist Mayer auch von der "Opting-Out"-Möglichkeit für jeden Patienten - für die Mediziner werde es dann "lächerlich". (APA)

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24 Postings
sirius5one
00
14.11.2011, 20:49
www.gesundemeinung.at

dass es wirklich so impliziert ist, will ich einfach nicht glauben. die Versorgung muss passen. sparen muss man auch. wie wärs mit doppelgleisigkeiten einsparen?! Manches kann man bestimmt auslagern. es müssen doch nicht wirklich immer alle alles haben/bieten...

Jehane
00
30.11.2011, 11:24

Eh nicht. Aber wenn ich ins Spital muss, weil z.B. ein augenärztlicher Notfall eingetreten ist, dann darf ich ja wohl davon ausgehen, dass der dort auch behandelt wird bzw. dass die entsprechende Ambulanz vorhanden ist. Und wenn dem nicht so ist, dann werd ich hinters Licht geführt - von einem Spital erwarte ich mir nämlich schon, dass es eine Augenambulanz hat. Oder eine Gyn-Ambulanz.

http://www.zpa.at
00
10.11.2011, 18:32

es dauert noch ein wenig, dann werden die Landsleute schon kapieren, dass sie zwischen zwei sich ausschließenden Einrichtungen werden wählen müssen:

- entweder die gute Med- Versorgung in ländlichen Gebieten oder die Landesverwaltung.

Fraho
03
10.11.2011, 14:17
die "rund-um-die Uhr- Bereitschaft im Krankenhaus

müsste unbedingt gewährleistet werden, denn sonst ist jeder gefährdet, der das Pech hat, außerhalb der Normaldienstzeit einen Unfall (Schlaganfall - Herzinfarkt) zu erleiden!
So wie im LKH Gmunden geplant soll ab nächsten Jahr die Unfallabteilung geschlossen werden und nur mehr wochentags mit einem Arzt die Ambulanz besetzt werden. Dann wird es passieren, dass man außerhalb dieser Dienstzeit ca. 1 Std. mit der Rettung zu einem anderen KH mit Unfallabteilung fahren müssen. Pech gehabt wenn man das nicht überlebt - es muss schließlich gespart werden.

trampelpfad
11
10.11.2011, 10:28
Ärztekammer empört über Gesetzesnovelle?

Na dann kann's ja so schlecht nicht sein!

Walter Fenz
10
10.11.2011, 19:14
Sie sagen es.

Selbständiger
00
10.11.2011, 06:27
Vorsorgungsqualität der Bevölkerung leidet"

Also viel schlechter als jetzt kann es ohnehin nicht mehr werden.

Wartezeiten in Ambulanzen und bei Nachuntersuchungsterminen zwischen 3,5 und !!!!! 5 Stunden sind die Regel. Früher kommt man nur dran, wenn man mit jemanden verwandt, befreundet ist oder aber das Personal mit mindestens 20 € schmiert.

Man braucht keine Studie, um dieses kranke, korrpte System zu verstehen. Wer mehrmals 5 Stunden warten musste,bekommt in dieser Zeit mit, wie der Hase läuft. Unser krankes System ist nur das Teuerste, aber nicht wie immer behauptet, eines der Besten. Das österreichische Krankensystem ist durch und durch krank. Sein Zustand verschlechtert sich immer weiter. Nicht zuletzt durch die System- und Besitzstandsbewahrer. Nur ja keine Veränderung

Fraho
00
10.11.2011, 14:11
dann brauchst nicht mehr warten......

...wenn es keine Ambulanz mehr gibt!

O5
76
9.11.2011, 13:16

Die ÄK vergisst in all ihrer Propaganda wieder einmal die unzähligen Studien die zeigen wieviel schlechter kleine Krankenhäuser im Behandeln sind. Es geht also sehr wohl auch um Qualität. Aber was will man sich von dieser Lobbyingorganisation schon erwarten.

Karl Joda
00
9.11.2011, 23:00
Aber was will man sich von dieser Lobbyingorganisation schon erwarten.

Genau. Und die argumentieren mit der Gesundheit und dem Leben. Unser höchstes Gut. Dass sie komplett falsch liegen ist evident. Nur, da muss man gegen die
Ärztelobby ankämpfen. Wie gut sind eigentlich die älteren Semester unter den Allgemeinedizinern "weitergebildet" ?
Statine, Q10, Nährstoffe... ? Die verschreiben halt und wenn was "passiert" wirds eh irgendwie ausgebügelt... Zum Glück verträgt der menschliche Organismus so einiges....:)

Sarepta
00
10.11.2011, 11:40

Die Älteren unter den Allgemeinmedizinern sind zum grössten Teil noch die einzig guten! Was glaubens denn, wie gut die Qualität von jungen Allgemeinärzten in Österreich sein kann, wenn sie sich nach 3 Jahren Turnus, also nach drei Jahren Spritzenschani und Flascherlsklave Allgemeinarzt schimpfen dürfen. Mit einem hams natürlich Recht, die ÄK vertritt nur die Niedergelassenen, weswegen die Ausbildung zum Allgemeinarzt in Österreich ja auch international eine der schlechtesten überhaupt ist...

Walter Fenz
00
10.11.2011, 19:15
Welche jungen Allgemeinmediziner denn ?

Ich kenne kaum noch welche......will ja keiner mehr machen, bei DEN Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen.

noldman
01
9.11.2011, 20:43
Der hat doch Recht.

1. es besteht ein derart großer Ärztemangel, dass ein Arzt niemals Arbeitslos sein kann.

2. Der Gesetzesvorschlag hört sich für mich auch so nach dem Motto an: Die Bevölkerung will keine Spitalsschließungen, sie ist aber zu blöd um zu durchschauen, dass unserer Reformen sie gesundheitlich gefährdet. Qualität gäbe es in diesen Häusern nicht mehr.

3. er hat Recht, damit dass dort kein Arzt sich mehr bewerben wird. Man kriegt jetzt schon in ländlichen Gegenden für ein Spital fast keine Ärzte mehr her.

4. Er spricht doch deutlich davon, dass wenn die Politik Einsparungen will, dann aber nach Medizinischen Gesichtspunkten und "ehrlich". Das bedeutet dann aber Spitalsschließungen.

Than gorodrim
04
9.11.2011, 16:11
ja und nein

Natürlich ist für Qualität "Größe" ein Kriterium. Wenn allerdings allein die economies of scale gelten würden, hätte das AKH Wien die besten Ergebnisse. Es ist vielmehr so, dass es eine optimale Betriebsgröße für Spitäler gibt. Sowohl drüber und drunter sinkt die Qualität. Daneben gibts auch noch die economies of scope. Soll heißen, Verbundlösungen sind unter Umständen besser, als Kleinkrankenhäuser mit lediglich einer Internen übrig zu lassen.
Die undifferenzierte Schließung kleiner Häuser wirft ein zweites Problem auf. Die Ärztedichte - speziell der Fachärzte - ist nur (!!) in Wien hoch. Schließe ich kleine Krankenhäuser pauschal, dann gefährde ich die medizinische Versorgung in manchen Regionen. Das kann nicht Sinn einer Reform sein.

Sarepta
24
9.11.2011, 12:21
Sorgen um ärztliche Arbeitsplätze seien nicht das Motiv für die Kritik, versicherte Mayer auf Nachfrage

No na ned, wo in zahlreichen Provinzbritschnn in Österreich jetzt schon massiver Ärztemangel herrscht. Um eines braucht man sich als Arzt in Europa in Zukunft keine Sorgen machen, um einen Arbeitsplatz. Nur was nützen einem sämtliche Spezialitäten und Subspezialitäten in jeder noch so kleinen Britschn, wenn dort ohnehin keiner hin will, wenn ohnehin aus Österreich immer mehr Ärzte aufgrund von unmenschlichen Arbeitsbedingungen, dummer Hierarchie und Burnout abwandern? Aber der Herr Mayer hat Angst um die Versorgung, unglaublich, dass die Ärzte in Österreich für diesen Sauhaufen auch noch einen Zwangsmitgliedsbeitrag zahlen müssen

Walter Fenz
11
9.11.2011, 19:07
Es geht unter anderem um dann

fehlende ÄK-Beiträge von Fachärzten und Primarii von (Mini)Abteilungen.

Daher weht der Wind.

ein arzt
10
9.11.2011, 20:34
Hallo Walter!

Dich gints auch noch! Schon lange nichts mehr von dir gehört, nach dem erfolglosen Startversuchen in Österreich! Gehts dir eh gut? Erfolg, ja? schön für dich! Liebe Grüsse!

R58
14
9.11.2011, 11:42
Was soll das Geschrei der ÄK?!

Es gibt in einigen Spitälern Wiens nicht alle Fachbereiche rund um die Uhr.
z.B.: im Wilhelminenspital HNO und Augen nur vormittags. Der Zahnarzt ist überhaupt nur für stationäre Patienten zuständig.

Es reicht wohl, wenn in bestimmter verkehrstechnischer Reichweite (nicht Umkreis!) die jeweilige Fachambulanz geöffnet hat.

Ceterum censeo: Nicht jeder muss alles jederzeit und überall begutachtet haben, egal wie alt der Zustand schon ist.

Jehane
00
30.11.2011, 11:26

In Wien hab ich aber kein Problem, wenn ich mir mitten in der Nacht so weh tue, dass ich ins Spital muss - in irgendeinem Spital werd ich schon versorgt werden. Aber was tu ich am Land, hm? Hoffen, dass ich nicht verblute, bis die Ambulanz wieder geöffnet hat?

< silence >
01
9.11.2011, 18:00
hier geht es NICHT um Wien

in Wien herrscht Überversorgung.
In den Bundesländern schaut es *ein bißchen* anders aus, wenn Ambulanzen geschlossen werden.

Karl Joda
00
9.11.2011, 23:02
In den Bundesländern schaut es *ein bißchen* anders aus, wenn Ambulanzen geschlossen werden

Da bin ich anderer Meinung ! Für NÖ gilt das jedenfalls NICHT

noldman
01
9.11.2011, 20:49
Zb. OÖ

in OÖ haben sie wenn sie eine Spitalsabteilung schließen, bereits jetzt das Problem, dass sie dann im gesammten Bezirk defakto keine Versorgung mehr hätten. In OÖ hat man dafür gesorgt, dass es fast keinen Niedergelassenen Bereich gibt.

Auf einen Augenkontrolltermin wartet man in OÖ in meinem Bezirk 3! Monate, für den Zahnarzt zw. 3 und 6! Monate, für den HNO Arzt 1 Monat, für den Hausarzt 2 Monate und für den Lungenarzt ebenfalls 2 Monate.

Würden das aufhören dass sich alle möglichen als angebliche Akutpatienten in die Spitalsambulanzen setzen, dann verdreifachen sich außerhalb die Wartezeiten!!

Und das zu Zeiten wo man es in OÖ immer schwerer schafft Kassenfacharztstellen überhaupt nachzubesetzen.

Walter Fenz
10
10.11.2011, 19:17
In OÖ ist das Problem hausgemacht.

Aber wen interessiert OÖ ? Die können Facharztausbildungsstellen bei der GESPAG in Linz teilweise nur mehr mit Frischlingen von der Uni besetzen - meist stromlinienförmig weiblichen. Wenn die schwanger werden oder beim Psychotehrapeuten landen, macht keiner die Vertretung mehr.....

< silence >
00
9.11.2011, 23:38
Wir recht sie haben

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