OMV steigert Neunmonats-Ergebnis leicht

9. November 2011, 12:52
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Wien - Der Ausfall libyschen Rohöls hat auch im dritten Quartal den Gewinn der OMV belastet. Im Vorjahr bezog der Konzern gut ein Zehntel seines Öls aus dem nordafrikanischen Land, jetzt kann die Produktion aber nur langsam wieder angefahren werden. Erst in einigen Wochen werde man hier ein klareres Bild haben, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Mittwoch. Auch im Jemen steht nach weiteren Anschlägen die Produktion, und in dem von Unruhen geschüttelten Syrien kauft man zur Zeit kein Öl, so Roiss. Wegen der Förderunterbrechungen im Mittleren Osten und Nordafrika erreicht die OMV heuer nicht ihre vorjährige Produktion von im Schnitt 318.000 Fass Öl-Äquivalent/Tag.

Im dritten Quartal verdiente die OMV beim Betriebsergebnis bereinigt (clean, vor Sondereffekten) mit 480 Mio. Euro um 8 Prozent weniger, in den gesamten neun Monaten waren es mit 1,569 Mrd. Euro um 3 Prozent weniger. Ohne ölpreisbedingte Lagereffekte (CCS, current cost of supply) sank das EBIT vor Sondereffekten im Quartal sogar um 8 Prozent auf 581 Mio. Euro und verringerte sich von Jänner bis September um 7 Prozent auf 1,775 Mrd. Euro. Während Libyen belastete, stützten das EBIT geringere E&P-Sonderaufwendungen, die heuer in Q3 mit -11 Mio. deutlich geringer waren als im Vorjahr (-202 Mio. Euro).

Periodenüberschuss

Der Periodenüberschuss (Net profit) auf CCS-Basis vor Sondereffekten sackte im dritten Quartal um 20 Prozent auf 233 Mio. Euro ab und lag in den neun Monaten mit 740 Mio. Euro um 18 Prozent tiefer. Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit legte heuer bis September um 8 Prozent auf 2,134 Mrd. Euro zu. Ähnlich wie bereits im Halbjahr kletterte auch in den drei Quartalen zusammen der Umsatz kräftig um 48 Prozent auf 24,701 Mrd. Euro. Die Mitarbeiterzahl lag mit 30.365 um 6 Prozent tiefer als ein Jahr davor, davon entfielen 23.463 (-11 Prozent) auf die rumänische Tochter Petrom.

Den Investoren an der Börse schmeckte der Drittquartalsbericht nicht: Die OMV-Aktie gab bis zu Mittag deutlich stärker als der Gesamtmarkt nach. Kurz nach 12.15 Uhr notierten die Titel mit 24,40 Euro um 3,65 Prozent unter Vortagesschluss. Der ATX lag zu dem Zeitpunkt 2,43 Prozent tiefer.

Cashcow der OMV war auch im dritten Quartal der Bereich Exploration & Produktion (E&P), der den Großteil des Betriebserfolgs erwirtschaftete. Hier stieg das EBIT von Juli bis September um 46 Prozent auf 469 Mio. Euro, in den ersten neun Monaten um 13 Prozent auf 1,558 Mrd. Euro. In Refining & Marketing (R&M) wuchs das EBIT zwar im 3. Quartal um 43 Prozent auf 121 Mio. Euro, gab aber von Jahresanfang gerechnet um 11 Prozent auf 352 Mio. Euro nach. Gas & Power (G&P) steuerte im 3. Quartal 6 (45) Mio. Euro EBIT bei, von Jänner bis September 105 (150) Mio. Euro.

Die Raffinerie-Spannen sollten sich wegen höherer Nachfrage nach Mitteldestillaten etwas erholen, erwartet die OMV im Ausblick. Die seit Anfang 2011 gut entwickelten Petrochemie-Margen dürften im vierten Quartal leicht sinken. Die Marketing-Mengen und -Spannen stünden weiter unter Druck wegen der schwachen Konjunktur. Die Marktparameter erwartet die OMV für den Rest des Jahres 2011 weiter sehr volatil, auch die relevanten Wechselkurse.

In Gas & Power (G&P) bleiben im Absatz die Margen weiter unter Druck. Eine nachhaltige Entlastung könne nur durch erfolgreiche Preis-Revisions-Verhandlungen mit den Lieferanten von ölindexiertem Gas erreicht werden, erklärt die OMV. Beim Gaskraftwerk Brazi in Rumänien, das noch heuer für den kommerziellen Betrieb bereit sein soll, wird laut OMV die Profitabilität durch neue Gas-Bestimmungen der rumänischen Regulierungsbehörden "erheblich belastet". Den Erlass, der Petrom zu Fremdgas-Zukäufen zwingt und auch gegen EU-Regeln verstoße, will man aber bekämpfen.

Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad betrug Ende September 33 Prozent, nach 46 Prozent Ende 2010 bzw. 30 Prozent vor einem Jahr. In absoluten Zahlen lag die Nettoverschuldung jetzt bei 4,226 Mrd. Euro, nach 5,167 Mrd. Euro Ende 2010 bzw. 3,262 Mrd. Euro zum Ende des Drittquartals 2010.

Die Investitionen erreichten im dritten Quartal 738 Mio. Euro, um 26 Prozent mehr; von Jänner bis September waren es 2,260 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 57 Prozent. Im Gesamtjahr 2010 hatte die OMV 3,207 Mrd. Euro investiert, soviel wird es heuer nicht.

In Bezug auf das Nabucco-Gaspipeline-Projekt liege der Hauptfokus auf den Verhandlungen mit Gaslieferländern der Kaspischen Region, der weiteren technischen Detailplanung und der Vorbereitung des Open-Season-Prozesses für die Vermarktung der Transportkapazitäten, so die OMV im Quartalsbericht. Roiss bekräftigte in einer Telefonkonferenz, dass spätestens drei bis vier Jahre vor Start von Gaslieferungen in 2017/18 der Bau begonnen müsste, also etwa 2014. Für Gas aus dem riesigen Shah-Deniz-II-Feld in Aserbaidschan habe das Nabucco-Konsortium ein Angebot gelegt, erinnerte er. Das Thema entwickle sich, aber man wolle dies nicht näher kommentieren.

Zur Frage, wann für den mit Jahresende aus Gesundheitsgründen scheidenden Gas-Vorstand Werner Auli die Nachfolge klar sein soll, gab es am Mittwoch keine Auskunft. Der Nachbesetzungsvorgang laufe, das sei Angelegenheit der Staatsholding ÖIAG, die Haupteigentümer ist und mit ÖIAG-Chef Markus Beyrer den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt. Die ÖIAG hält 31,5 Prozent und hat ihren Anteil mit den 24,9 Prozent des Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi (VAE) syndiziert. (APA)

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