Von zwei auf 43 Millionen

9. November 2011, 06:53
1 Posting

Zeitgenössisches bescherte diese Woche Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury Umsatz- und Rekordsegen

Die kommerzielle Kunstszene war Clyfford Still ein Gräuel, weshalb er den Verkauf seiner Arbeiten auf ein Minimum beschränkte. In den vergangenen zwanzig Jahren wechselten weltweit gerade mal 23 Arbeiten des Mitbegründers des Abstrakten Expressionismus in Auktionen den Besitzer. Als Sotheby's die Versteigerung eines Quartetts avisierte, war die Sensation insofern vorprogrammiert.

Der Erlös kommt dem Clyfford Still Museum in Denver zugute, das am 18. November eröffnet wird. Hinter den Kulissen hatte das allerdings für Zoff gesorgt: Beide Auktionsgiganten hatten sich um diesen Deal bemüht, als Sotheby's das Rennen machte, soll Christie's unlauteren Wettbewerb gewittert und über Rechtsanwälte eine Stornierung angestrebt haben. Vergeblich. Und so gelangte die Werkgruppe im Rahmen des dritten Evening Sales der Woche bei Sotheby's (9. 11.) unter den Hammer und spielte mit 114,1 Millionen Dollar mehr als das Doppelte der Erwartungen ein: Mit 61,68 Millionen konnte 1949-A-No.1 den bisherigen Künstlerrekord (Christie's 2006, 21,3 Mio.) annähernd Verdreifachen.

Neue Höchstmarken bewilligten anonyme Käufer weiters für Gerhard Richter (20,8 Mio., Abstraktes Bild, 1997), Joan Mitchell (9,32 Mio., Untitled, 1960) oder Cady Noland (6,57 Mio., Oozewald, 1989). Am Ende notierte Sotheby's nach 62 Besitzerwechseln ein Total von 315,83 Millionen Dollar (192 bis 270 Mio.), der dritthöchste Umsatz in der Geschichte des Auktionshauses.

Die Woche hatte in New York zumindest aus Sicht des Kunstmarktes bereits vielversprechend begonnen: Phillips de Pury konnte mit 71,3 Millionen Dollar (7. 11.) 94 Prozent nach Wert realisieren, Christie's (8. 11.) immerhin noch derer 87 Prozent, auch wenn der Umsatz von 247,59 Millionen Dollar dort gerade noch im Bereich der Erwartungen (226 bis 312 Mio.) lag. An die Spitze der zehn höchsten Zuschläge setzte sich Roy Lichtensteins I Can an See the Whole Room ..., für das Guy Benett - Ex-Christie's-Mitarbeiter und privater Kunsthändler - den vorläufigen Künstlerweltrekord bewilligte. Ein neuer Höchstwert, der zeitgleich synonym für die gigantische Marktentwicklung in der letzten beiden Jahrzehnte steht: 1988 hatten die Einbringer dieses Gemälde bei Christie's für läppische 2,09 Millionen erworben, nun bescherte es derer 43,2 Millionen Dollar. (kron / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Acht Bilder des deutschen Malers Gerhard Richter sind   in New York für umgerechnet rund 54 Mio. Euro versteigert worden. Erwartet worden war etwa die Hälfte. 14,6 Mio. Euro brachte etwa ein Werk mit dem Titel "Abstraktes Bild - 849-3" ein.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    '1949-A-No.1' und '1947-Y-No.2' von Clyfford Still vor der Auktion

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Roy Lichtenstein: 43,2 Mio. - neuer Künstlerweltrekord.

Share if you care.