Zeitgenössisches bescherte diese Woche Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury Umsatz- und Rekordsegen
Die kommerzielle Kunstszene war Clyfford Still ein Gräuel, weshalb er
den Verkauf seiner Arbeiten auf ein Minimum beschränkte. In den
vergangenen zwanzig Jahren wechselten weltweit gerade mal 23 Arbeiten
des Mitbegründers des Abstrakten Expressionismus in Auktionen den
Besitzer. Als Sotheby's die Versteigerung eines Quartetts avisierte, war
die Sensation insofern vorprogrammiert.
Der Erlös kommt dem Clyfford Still Museum in Denver zugute, das am 18.
November eröffnet wird. Hinter den Kulissen hatte das allerdings für
Zoff gesorgt: Beide Auktionsgiganten hatten sich um diesen Deal bemüht,
als Sotheby's das Rennen machte, soll Christie's unlauteren Wettbewerb
gewittert und über Rechtsanwälte eine Stornierung angestrebt haben.
Vergeblich. Und so gelangte die Werkgruppe im Rahmen des dritten Evening
Sales der Woche bei Sotheby's (9. 11.) unter den Hammer und spielte mit
114,1 Millionen Dollar mehr als das Doppelte der Erwartungen ein: Mit
61,68 Millionen konnte 1949-A-No.1 den bisherigen Künstlerrekord
(Christie's 2006, 21,3 Mio.) annähernd Verdreifachen.
Neue Höchstmarken bewilligten anonyme Käufer weiters für Gerhard Richter
(20,8 Mio., Abstraktes Bild, 1997), Joan Mitchell (9,32 Mio., Untitled,
1960) oder Cady Noland (6,57 Mio., Oozewald, 1989). Am Ende notierte
Sotheby's nach 62 Besitzerwechseln ein Total von 315,83 Millionen Dollar
(192 bis 270 Mio.), der dritthöchste Umsatz in der Geschichte des
Auktionshauses.
Die Woche hatte in New York zumindest aus Sicht des Kunstmarktes bereits
vielversprechend begonnen: Phillips de Pury konnte mit 71,3 Millionen
Dollar (7. 11.) 94 Prozent nach Wert realisieren, Christie's (8. 11.)
immerhin noch derer 87 Prozent, auch wenn der Umsatz von 247,59
Millionen Dollar dort gerade noch im Bereich der Erwartungen (226 bis
312 Mio.) lag. An die Spitze der zehn höchsten Zuschläge setzte sich Roy
Lichtensteins I Can an See the Whole Room ..., für das Guy Benett -
Ex-Christie's-Mitarbeiter und privater Kunsthändler - den vorläufigen
Künstlerweltrekord bewilligte. Ein neuer Höchstwert, der zeitgleich
synonym für die gigantische Marktentwicklung in der letzten beiden
Jahrzehnte steht: 1988 hatten die Einbringer dieses Gemälde bei
Christie's für läppische 2,09 Millionen erworben, nun bescherte es derer
43,2 Millionen Dollar. (kron / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)