Papademos soll Griechenland aus der Krise führen

10. November 2011, 16:24
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Der frühere EZB-Vizepräsident folgt Giorgos Papandreou und wird die geplante griechische Übergangsregierung führen

Athen - Der frühere EZB-Vizepräsident Loukas Papademos wird die griechische Übergangsregierung führen. Der 64-jährige Wirtschaftsexperte und Euro-Befürworter wurde am Donnerstag von Präsident Karolos Papoulias in den Amtssitz des Staatschefs bestellt. Der griechische Präsident hatte zuvor Gespräche mit den Chefs der großen Parteien über die Bildung einer Notregierung geführt, die das Land aus der Krise führen soll. Diese Notregierung soll am Freitag um 14:00 Ortszeit angelobt werden.

Die neue Regierung wird von den großen Parteien im Parlament unterstützt. Papademos unterstrich nach seiner Nominierung, er sei kein Politiker. Die griechische Wirtschaft stehe vor riesigen Problemen, das Land sei an einem Scheideweg angelangt. Die Beschlüsse, die seine Regierung fällen werde, würden entscheidend für das griechische Volk sein. Er sei zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden könnten, meinte der frühere EZB-Vizepräsident.

Rückhalt für die Regierung

Papademos rief zugleich zur Einheit und zur Besonnenheit auf. Alle müssten ihren Beitrag leisten, um die Wirtschaft zu sanieren. Die neue Koalitionsregierung werde einen größeren Rückhalt als die bisherige haben. Ihre Hauptaufgabe sei es, das mit den anderen Euro-Ländern vereinbarte Sparpaket umzusetzen.

Papademos lehrt derzeit an der Universität Harvard in den USA. Er war schon Anfang der Woche als möglicher Nachfolger Papandreous, der am Mittwoch seinen Rücktritt offiziell bekanntgegeben hat, an der Spitze einer Übergangsregierung gehandelt worden. Er hatte aber offenbar Forderungen gestellt, die Papandreou zunächst nicht erfüllen wollte. Am Mittwoch hatte deshalb noch Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos, ein Vertrauter Papandreous, als aussichtsreichster Kandidat gegolten. Der Chef der rechtsnationalistischen LAOS-Partei, Giorgos Karatzaferis, legte gegen seine Ernennung jedoch Widerspruch ein.

Euro-Befürworter

Papademos genießt internationales Ansehen als Wirtschaftswissenschaftler und Finanzexperte. Zudem ist der als besonnener Pragmatiker geltende Grieche als überzeugter Europäer bekannt, der maßgeblich am Übergang von der griechischen Drachme zum Euro beteiligt war. Auch in seinen Veröffentlichungen befasste er sich immer wieder mit der Währungsunion.

Hauptaufgabe der Übergangsregierung ist es, eine Pleite des hochverschuldeten Landes zu verhindern und vorgezogene Neuwahlen zu organisieren. Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland ist seit vergangenem Jahr auf internationale Hilfen angewiesen. Im Gegenzug für die milliardenschwere Unterstützung durch EU und Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Athen massiv sparen. Papandreou war es in den vergangenen Monaten nicht gelungen, dafür eine breite Mehrheit im Parlament zu erhalten. 

Merkel sagt Unterstützung zu

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einer neuen griechischen Regierung Unterstützung zugesagt. "Deutschland wird alles tun, um gut zusammenzuarbeiten", sagte Merkel. "Wir wollen, dass Griechenland schnell auf einen guten Weg kommt."

Die Kanzlerin betonte: "Wir wollen vor allen Dingen, dass die sehr, sehr harten Reformbemühungen für ein besseres, effizienteres und konsolidierteres Griechenland auf möglichst breiten politischen Schultern stehen." Das werde die Akzeptanz der Reformen einfacher machen. "Und deshalb wünsche ich jedem, der in Griechenland Aufgaben übernimmt, herzlichen Erfolg."

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy haben indes Papademos und sein künftiges Regierungsteam aufgefordert, dass Griechenland "eine starke, parteiübergreifende Botschaft an seine europäischen Partner gibt". Dabei sollte Athen zusichern, dass es alles nötige tue, um seine Schulden abzubauen. Fiskalische Konsolidierung müsse mit wachstums- und jobfördernden Strukturreformen einhergehen.

Das vom Euro-Gipfel am 27. Oktober beschlossene zweite Rettungsprogramm müsse rasch fertiggestellt werden. Der freiwillige Anleihentausch sollte dann Anfang 2012 vollzogen werden. "Wir versichern, dass unsere europäischen Institutionen weiter alles in ihrer Macht stehende tun werden, um Griechenland zu helfen", betonten die beiden Spitzenpolitiker am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. "Aber Griechenland muss auch alles in seiner Macht stehende zu tun, um sich selbst zu helfen." Barroso und Van Rompuy kündigten an, so rasch wie möglich mit Papademos zusammentreffen zu wollen.  (red/APA)

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    Der neue Regierungschef Griechenlands heißt Loukas Papademos. Und so sieht er aus.

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