Sorge um das Medienimperium

8. November 2011, 19:21
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Berlusconi könnte auch Kontrolle über Holding verlieren

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat Sorgen. Nicht etwa Unwetter, Schuldenkrise oder Rezession - derartige Probleme ignoriert er einfach. Nein, er sorgt sich um seine Holding Fininvest und sein Medienimperium Mediaset. Umsatz und Gewinn schrumpften zuletzt, die Mediaset-Kurse haben seit Jahresbeginn um 47 Prozent nachgegeben.

Fast zwei Jahrzehnte stand Mediaset de facto unter dem Schutz der Regierung. Die großen Unternehmen Enel und Eni platzierten ihre Spots vorrangig bei den Berlusconi-Sendern, die Werbeeinnahmen waren enorm.

Mit einer neuen Regierung könnte das anders werden. Aber auch der beginnende freie Wettbewerb in der TV-Landschaft, der wachsende Erfolg von Murdochs Pay-TV Sky, der neue Publikumsliebling La7 und nicht zuletzt das Defizit von Endemol - an dem Unternehmen ist Mediaset zu einem Drittel beteiligt - werfen Schatten auf die Zukunft des medialen Berlusconi-Imperiums. Positiv für Berlusconi: Wegen der Dividendenausschüttungen in den letzten Jahren hat Mediaset inzwischen 1,2 Mrd. Euro in der Kriegskasse. 1994, als Berlusconi an die Macht kam, waren es bloß 162 Mio. Euro.

Nun sorgt sich der Medienmogul aber nicht bloß um Bilanzen: Er ist vor allem um das Erbe besorgt. Rechtsmäßig stehen seiner in Scheidung lebenden Frau Veronica Lario ein Drittel sowie den fünf Kindern die restlichen zwei Drittel zu. Berlusconi will unbedingt verhindern, dass Veronica und ihre drei Sprösslinge die Mehrheit an Mediaset erhalten.

Auch deshalb will er an der Macht bleiben, um Tochter Marina und Sohn Pier Silvio die Mehrheit (beide aus erster Ehe mit Lucia Dall'Oglio) zu überlassen: Mit seinem Versuch, Italiens Erbrecht zu ändern, ist er aber kläglich gescheitert. Für Berlusconi wird es immer schwieriger, die gewohnte Machtpolitik fortzusetzen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2011)

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    Silvio Berlusconi fürchtet, die Macht über Fininvest und Mediaset zu verlieren. Foto: Reuters

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