"Strache meets young leaders"

Kolumne |

Fazit von Strache als Stargast: Haider ist er keiner

Wussten Sie, dass Heinz-Christian Strache für die Körperpflege in der früh nur 30 Minuten braucht? Oder dass er jeden Tag mit einem "Danke" beginnt? Einem "Danke für den schönen neuen Tag"? Sehen Sie, das wussten Sie nicht. Die Teilnehmer eines Diskussionsabends bei der Accedo Austria, einem internationalen Unternehmensberater, sind jetzt um diese Informationen reicher. Sie erlebten einen Heinz-Christian Strache, der, ausdrücklich als möglicher nächster Kanzler eingeladen, eine Weichspülversion von sich selbst zum Besten gab.

Solche Abende sind informativ, weil man ein wenig ablesen kann, wie ein rechtspopulistischer Bierzelt-Rabauke vom jüngeren Wirtschaftsestablishment aufgenommen wird. Die etwa 50 bis 60 Teilnehmer im feinen Historismus-Saal von Accedo trugen Titel wie "Marketing-Manager", "Leiter der Unternehmenskommunikation" und "Strategisches Management". Der einzige bekannte Industrielle im Publikum war Mirko Kovats, der soeben spektakulär Pleite gemacht hat.

Fazit von Strache als Stargast: Haider ist er keiner. Wenn der Verblichene vor einem solchen Publikum auftrat, war er binnen Minuten Herr der Situation, drehte jede kritische Frage zu seinem Vorteil um, erzeugte (billiges) Gelächter, vergaß aber nie, den Managern und Unternehmern das Goderl zu kratzen: von wegen Leistung, unternehmerischer Freiheit und bösen schwarz-roten Funktionären. Heute hat er noch immer Anhänger unter Wirtschaftstreibenden, ganz egal, dass er für die größten Pleite nördlich von Athen verantwortlich ist.

Strache hingegen war defensiv, musterschülerhaft bemüht, einen guten Eindruck zu machen und seinen eigentlichen Heimatboden vergessen zu machen: Bierzelt? Ja, schon, aber nur weil man dort die Menschen so unglaublich direkt kennenlernen kann.

Christoph Edelbacher, geschäftsführender Gesellschafter von Accedo, hatte sich geschickt scheinnaive Fragen zurechtgelegt: Was hat er z. B. heute so den ganzen Tag gemacht? Strache, dessen Arbeitswut als enden wollend beschrieben wird, ging in die Falle: Ja, eigentlich nix Besonderes, Zeitungslesen und so, das Übliche.

Die Vertreter der Leistungsgesellschaft waren etwas verwirrt. Überhaupt, Strache war so anders, so brav: "Ich hoffe, dass ich die Menschen, die mich jetzt ablehnen, überzeugen kann" - Der Slogan "Daham statt Islam"? - "Ja, das war ein Fehler, ich hätte den ,-ismus' anprangern sollen statt des Islam." Na gut, aber "Daham statt Islamismus" hätte sich nicht so schön gereimt.

Macht aber nichts. Strache verweist darauf, dass er cool ist - "bei den 16- bis 19-Jährigen haben wir die absolute Mehrheit, bei den Lehrlingen 70 Prozent, bei den Gymnasiasten 42 Prozent". Er ist Facebook-Kaiser mit 105.000 "Freunden".

Das beeindruckt den einen oder anderen Marketingmanager. Hingerissen sind sie nicht von dieser Performance, aber sie halten sich die Option offen. Einer sagt den klassischen Satz: "Ich bin offen für jeden, der demokratisch gewählt ist." Übersetzung: Passt schon. Im Fall des Falles.(DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2011)

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