Reemtsma-Entführer Thomas Drach zu 15 Monaten Haft verurteilt

8. November 2011, 18:39
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Schuldspruch wegen versuchter Anstiftung zu Erpressung

Hamburg - Der Prozess um die versuchte Erpressung seines eigenen Bruders aus der Haft heraus hat für den Reemtsma-Entführer Thomas Drach ein vergleichsweise glimpfliches Ende genommen. Das Hamburger Landgericht verurteilte den 51-Jährigen am Dienstag wegen versuchter Anstiftung zu der Tat zu 15 Monaten Haft. Den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Sicherungsverwahrung, der Drach womöglich lebenslang hinter Gitter gebracht hätten, lehnte es ab.

Drach hatte vor Gericht eingeräumt, aus dem Gefängnis heraus mehrere Briefe geschrieben zu haben, in denen er einen ehemaligen Zellengenossen sowie seine Mutter dazu aufgefordert hatte, seinen Bruder nach dessen Haftentlassung 2009 "abzupassen" und zur Zahlung von 30 Millionen Euro zu veranlassen. Nach Drachs eigener Darstellung schuldet sein Bruder ihm das Geld, weil er sich nicht an geschäftliche "Absprachen" gehalten habe. Außerdem machte er "Schadenersatz" geltend. Drach und sein Verteidiger werteten den Vorgang allerdings nicht als Straftat, sondern als Versuch, eine "innerfamiliäre Angelegenheit" zu klären.

"Tat zwischen zwei Ganoven"

Drachs Bruder saß bis 2009 eine Gefängnisstrafe ab, zu der er wegen Geldwäsche eines Teils des Lösegelds aus der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma 1996 verurteilt worden war. Drach selbst wurde 2001 als Rädelsführer der Entführung zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt und sitzt dafür noch bis zum kommenden Sommer hinter Gittern. Bei dem Kidnapping erbeuteten Drach und seine Bande nach heutigem Kurs etwa 17,5 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem neuerlichen Verfahren eine zweijährige Haftstrafe sowie Sicherungsverwahrung für den bereits mehrfach verurteilten Kriminellen Drach gefordert. Sein Verteidiger beantragte dagegen Freispruch.

In der Urteilsbegründung betonte die Vorsitzende Richterin Ulrike Taeubner, dass das Gericht bei der Bewertung der Tatumstände zu einer deutlich milderen Strafe als von der Anklage gefordert gekommen sei. Zwar habe Drach tatsächlich die Erpressung seines Bruders geplant. Der von Drach in den Briefen dargelegte Plan sei allerdings nie umgesetzt worden, sagte Taeubner. Außerdem sei Drachs Bruder kein Unschuldiger, sondern ein "Schwerkrimineller", der sein Vermögen nur durch Geldwäsche erlangt habe. "Es handelt sich um die Tat zwischen zwei Ganoven", betonte die Richterin. Daher sei die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe zu hoch gewesen. (APA)

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