Weiter Kritik am Sicherheitspolizeigesetz

8. November 2011, 18:30
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    foto: photophilipp

    Wäre man Einzeltäter Franz Fuchs mittels "Gefahrenerforschung" neu leichter auf die Spur gekommen? Ja, sagt die Ministerin.

Schwere rechtsstaatliche Bedenken auch gegen neue, "überarbeitete Version"

Wien - Für den Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk sind es "nur ein paar semantische Placebos": Die überarbeitete Version des Entwurfs für die geplante Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes (SPG) räume rechtsstaatliche Bedenken nicht aus, sagte er am Dienstag dem Standard.

Besagter neuer Entwurf für Teil zwei des Antiterrorpakets - jenem, der die Polizeibefugnisse neu regeln soll und für den das ÖVP-regierte Innenministerium verantwortlich zeichnet - kursiert seit Dienstag. Teil eins des Pakets, die strafrechtlichen Verschärfungen, die im Justizministerium ressortieren, hat schon den National- und den Bundesrat passiert. Das neue Sicherheitspolizeigesetz hingegen soll kommende Woche vorerst im Ministerrat beschlossen werden.

Wenn die SPÖ zustimmt: Am Dienstag fanden Gespräche zwischen Vertretern der Zivilgesellschaft und SPÖ-Politikern statt.

Im Vergleich zum früheren Sicherheitspolizeigesetz-Entwurf wurde in der überarbeiteten Version der Datenschutz gestärkt. Die Regel, dass Daten, die der Verfassungsschutz gesammelt hat, nach einem Jahr gelöscht werden müssen, wurde präzisiert.

An den schon bisher zentralen Kritikpunkten hingegen wurde offenbar nichts geändert. Etwa am Plan, die "erweiterte Gefahrenerforschung" von Gruppen auf Einzelne auszuweiten. Eine Neuerung, der besagte Zivilgesellschaftsvertreter ebenso wie Albert Steinhauser (Grüne) und Harald Vilimsky (FPÖ) mit Skepsis gegenüberstehen. Die "bürgerlichen Freiheiten" seien in Gefahr, meint der Freiheitliche.

Peilsender gegen Verdächtige

Die "erweiterte Gefahrenerforschung" gibt dem Verfassungsschutz das Recht, Verdächtige auszuspähen, zum Beispiel mittels Peilsender. Laut dem vorgeschlagenen neuen Paragrafen 21 SPG soll das künftig etwa auch dann möglich sein, wenn sich ein Einzelner "öffentlich, schriftlich oder elektronisch für Gewalt ausspricht" oder sich "Mittel und Kenntnisse verschafft", um Sachen oder Menschen zu beschädigen.

Die Kontrolle über die Ausspähmaßnahmen soll keinem Richter, sondern allein dem Rechtsschutzbeauftragten des Innenministeriums obliegen. "Die Einrichtung des Rechtsschutzbeauftragten hat sich bisher nicht bewährt. In den vergangenen Jahren ist mir kein Fall bekannt, wo er gegen eine Polizeimaßnahme Einspruch erhoben hätte", kommentiert Grünen-Justizsprecher Steinhauser.

Laut Innenministerin Johanna Mikl-Leitner will man mitteln neuer "erweiterter Gefahrenerforschung" gefährlichen Einzeltätern vom Schlag eines Anders Breivik leichter als bisher auf die Spur kommen. Politaktivisten und Journalistenvertreter hingegen befürchten, als kritisch Denkende ins Fadenkreuz von Verfassungsschutzermittlungen zu geraten.

Investigative Journalisten arbeiteten meist allein und beschafften sich vielfältigste Kenntnisse, merkt etwa der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) in seiner Stellungnahme im Begutachtungsverfahren an: Die geplante Gesetzesänderung sei eine Gefahr für "freien und unabhängigen Journalismus". Ein anderes wichtiges Mediengremium widerspricht: Der Verband Österreichischer Zeitungsherausgeber sieht diese Gefahr in seiner Stellungnahme nicht gegeben.

Große Hoffnungen setzt indes Peter Gridling, Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), in die anvisierte Regelung. Nach derzeitiger Gesetzeslage sei es unmöglich, Informationen über Einzelpersonen zu speichern und diese zu verknüpfen. Allerdings: Sämtliche Internetforen nach wirren Manifesten à la Breivik zu durchforsten, sei unmöglich, gesteht er ein. (Irene Brickner, Michael Möseneder, DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2011)

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Nikolaus Lackner
00
15.11.2011, 12:22
Manchmal hilft nur noch Galgenhumor...

...http://www.kpoe.at/home/anze... ils/2.html

0815-Kommentar
01
9.11.2011, 20:04

wieviele krimininelle aktivitäten wurden eigenlich durch die zur prävention gedachte rasterfahndung aufgedeckt? ich meine die zahl tendiert nicht nur zur null.

aber es ist natürlich ein tolles instrument um unliebsame personen auszuspionieren oder ihnen einen terror-prozess zu machen wie bspw. den tierschützern.

starship
 
03
9.11.2011, 15:19
kann man mit der "erweiterten Gefahrenerforschung" auch korruptsionsanfällige politiker und beamte verhindern?

in diesem bereich gäbe es ja theoretisch viel zu tun...

aber es ist zu erwarten, dass sich dieses gesetz in der praxis hauptsächlich gegen politische aktivisten, ngos und kunstudenten / öh-vorsitzende richten wird.

övp und spö treffen die vorbereitungen für den autoriären überwachungsstaat.

strache wird sich über diese vorleistungen freuen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01
9.11.2011, 16:31

Illegal ist der autoritäre Überwachungsstaat schon lange in der Fall.

Genauso wie der autoritäre, fehlformatierte Trickbetrüger-, und Skandalchronikstaat, der autoritäre Reformverweigerer-, und Korruptionsstaat und der autoritäre Alles-unter-den-Teppich-Kehrer-Staat.

Was jetzt stattfindet, ist die hastige, nachträgliche Legitimierung des - insgesamt - autoritären Dummdreiststaates.

Der bunkert sich jetzt hinter Paragraphen ein, seit ihm doch mehr und mehr Geistesgegenwärtige auf die Schliche kommen.

Auf die Art versuchen sich min. 4 Parteien und ihre speziellen Freunde noch irgendwie über Wasser zu halten.

Mit Repression und Staatsterror.

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsterror

http://de.wikipedia.org/wiki/Repression

Sigismund Sandmann
03
9.11.2011, 15:06
Sicherheitspolizei? Staatssicherheit?

Fr. Minister, nennen sie es wie sie wollen, im Grunde versteht jeder worum es geht. So wie die Stasi im Namen der Sicherheit Bürger in einem "Unrechtsstaat" wie der DDR überwachte und Vereine etc. unterwandert hat, geschieht dies mittlerweile ja auch unverfroren in einem angeblichen "Rechtsstaat" wie dem unseren. Ich möchte hier nochmals die Tierschützer die unter einen "Antiterrorparagraphen" gefallen sind erwähnen. Schon die jetztigen Befugnisse sind mehr als überproportioniert in den Händen von Beamten die sich ihre Vorgehensweisen nur noch gegenseitig absegnen müssen, ohne richterliche Beschlüße abwarten zu müssen. Dies ist die Aushöhlung des Rechtsstaates zugunsten des Polizeistaates. Kommt der fal

Sigismund Sandmann
03
9.11.2011, 15:09

sche an die Macht, gute Nacht......und das könnte bei ihrer Politik und Personal schneller passieren als uns und ihnen lieb ist.

Danke!

Dormouse
03
9.11.2011, 15:15

und das ist auch einer der hauptgründe, warum wir unser heer nicht so leichtfertig aufgeben sollten - dort sind (noch) praktisch alle bevölkerungsgruppen vertreten, und es wäre wirklich nicht gut, wenn die gesamte macht dann praktisch bei der polizei liegt, da wären wir von diversen ländern, die von dikatatoren beherrscht werden/wurden nicht mehr weit entfernt...

hage
02
9.11.2011, 14:55

"...Mittel und Kenntnisse verschafft, um Sachen oder Menschen zu beschädigen..."

Das heisst, jeder, der beim Bundesheer war, kriegt beim Abrüsten gleich den Peilsender in den A.... ?

Mikl-Leitner verkörpert den bisherigen Höhepunkt der Fehlbesetzungen, es ist wirklich zum schwarz- und blauärgern...

bratak
00
9.11.2011, 16:11
habe auch über diesen teil nachgedacht

schließlich würde dann jeder usi-kurs, der kampfsportarten beinhaltet, auch darunter fallen, iaido mit schwertern sowieso. schwertähnliches dürfen ja anscheinend nur gewisse gruppen in der öffentlichkeit tragen ...

Dormouse
03
9.11.2011, 14:18

na dann wird in zukunft jeder vom fussballstadion mit einem peilsender nach hause gehn :D

mal im ernst: die vp gefährdet die demokratie auf ganzer linie, und ist dabei österreich in die 30er zurückzuführen...und die sp wird brav mitmachen - aber in 2 jahren ist dann schluss. bin zwar kein fp-wähler, aber solche gesetze trau ich im moment nichtmal dem strache zu!

mfg

cba
06
9.11.2011, 13:23

bei ernsthafter erweiterte gefahrenforschung hätte die dame ihr amt wohl nicht bekommen, und ihr vorvor...gänger wäre mit kuvertmanufaktur beschäftigt...

LeMik
07
9.11.2011, 13:07

..aufgrund der "gewaltigen" terrorbedrohung in ö. wird natürlich sofort ein weitreichendes spitzel- überwachungs- und knebelungsgesetz weiter und weiter vorangetrieben, während bei der korruptionsbekämpfung zum teil sogar gesetze wieder entschärft wurden! naja, eh klar - kaum korruption, dafür aber massig terror in unserem schönen lande.
da muss man schon prioritäten setzen..

Marquis
04
9.11.2011, 12:51
Wenn die Politik nicht mehr weiter weiß,

dann versucht sie ihre Bürger auszuspionieren, zu überwachen, einzuschränken und wenn sie es als nötig erachtet, auch einzusperren.

Leider haben unsere Politiker/innen weder die fachliche noch die moralische Kompetenz um aktuelle Herausforderungen zu meistern. Was ihnen bleibt ist die Kontrolle der Bürger/innen damit die Politik ungestört ihren Diletantismus und ihre Inkompetenz ausleben können.

otto strammer
01
9.11.2011, 12:38
dem Schüssel seine Tarockkarte

können Sie sich

Verdammt Coole Schreckschrauwe
03
9.11.2011, 12:03
Frage an Frau Mikl-L: Wann gedenken Sie oder Ihre KumpanInnen den ersten Blockwart zu ernennen?

powidl
150
9.11.2011, 11:16
Ich Finde, wir sollten die Frau Minister einmal arbeiten lassen und schauen wie sich das Gesetz bewährt.

Typisch Österreich, dass alle immer das negative vermuten. So kommen wir nicht weiter. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten. Eine Innenministerin muß nun mal den Verbrechern immer einen Schritt voraussein, damit Sie dann im richtigen Moment zugeifen kann.

Was anderes: Wie taugen euch dem Schüssel seine Tarockkarte. Ich find sie sehr gut gezeichnet.

Club-der-dichten-Toten
02
9.11.2011, 14:59

Sie sollten Ironie deutlicher kennzeichnen.

Wobei, der Hinweis mit dem Schüssel seinen Karten war eh recht deutlich...

Dormouse
01
9.11.2011, 14:21

dazu muss ich nichts ausprobieren - überwachung ohne richterlichen beschluss...weit haben wirs gebracht: der vp-politiker ruft dann bei seinem freunderl im innenministerium an, und lässt seinen politischen mitbewerber mal so auf die finger schaun.

cba
01
9.11.2011, 13:25

> immer einen Schritt voraussein
ist sie ja eh, wenn sie ein övp-treffen anführt ...

Joe_Chip
00
9.11.2011, 12:52

dh du hättest auch nichts gegen lückenlose geschwindigkeitskontrollen etc...?

barney
07
9.11.2011, 11:30
Tivi

"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten."
Naja, dann wird die ehrenwerte Polizei doch wohl bald eine Kamera in Ihrem Schafzimmer montieren dürfen...

belgma
 
06
9.11.2011, 11:04
"Wäre man Einzeltäter Franz Fuchs mittels "Gefahrenerforschung" neu leichter auf die Spur gekommen? Ja, sagt die Ministerin."

na, wenn sie das sagt .....

man kann ja gar nicht so viel essen, wie ... na, eh scho wissen.

obibiber
04
9.11.2011, 10:58

einschränkungen der bürgerrechte, massive ent-demokratisierung. die regierung hält den polizei-staat nicht mehr nur in der anmarsch-phase, polizeistaat ist bereits. siehe interview mikl-leitner
http://wientv.org/

Das schlimme an Zensur ist **********
01
9.11.2011, 10:46
brix
01
9.11.2011, 10:37

seit ich gehört habe, daß es angeblich eine Software gibt, die den PC Benützer über seine im PC installierte Kamera beobachten kann (Orwell), decke ich mein Kameraauge ab. Sicher ist sicher.

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