Kopie, Original, egal

8. November 2011, 17:26
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Ein Motto kommt immer gut an: "Kopie und Original" wurde als Titel auserkoren

Ein Motto, haben sie sich beim ORF gedacht, sowas kommt immer gut an. Das kennt der Zuschauer noch von der Motto-Party am Wochenende, und soviel nachdenken muss er da auch nicht. Ist ja immer gut, speziell an einem Montag. Und weil in dieser Sendung halt grade Roland Emmerichs neuer Kinofilm "Anonymous" über die Frage "Shakespeare oder Nicht-Shakespeare?" dran war, haben sie eben gleich "Kopie und Original" als Motto genommen.

Da braucht es natürlich einen Beitrag zur "Remix-Kultur", über Plagiate und Zitate, Hegemann, Guttenberg und die Kölner Kunstfälscher. Sehr montagstauglich das, ein kuscheliger Chronik-Beitrag, nichts Neues oder gar potenziell Aufregendes. Nur am Schluss, sozusagen als Würze, ein wohldosiertes, angenehmes Gruseln: Der Remix nämlich! "Wir werden ihn nicht aufhalten können!" Ein bisschen zum Fürchten war davor auch schon der Beitrag über die Magritte-Ausstellung in der Albertina, wo man "dem Phänomen Magritte auf die Spur kommen" kann. Ein Phänomen ist der Mann offenbar deshalb, weil er sich zwar "kleidete wie ein Spießer", trotz dieses geschickten Täuschungsmanövers aber "einer der revolutionärsten Künstler des 20. Jahrhunderts" war.

Der "Kulturmontag" muss da noch dran arbeiten. Zwar trägt auch das Studio Spießergewand und scheut sich nicht, das "Phänomen" Magritte mit dem Twin Peaks-Soundtrack zu begleiten (Achtung: Magrittes Werke sind geheimnisvoll!), nur revolutionär ist das eher nicht.

Außer natürlich, die ganze Sendung folgt einem höheren Konzept. Die "Kulturgeschichte des Kopierens" - die kann konsequenterweise schließlich nur als Remix erzählt werden. (Andrea Heinz/DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2011)

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    Roland Emmerich, Regisseur von "Anonymous".

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