Hintergrund

Wenn Minister nicht mit ihren Beamten können

8. November 2011, 18:34
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    foto: der standard/cremer

    Beruflich und politisch entzweit: Michael Sika, der Generaldirektor (links), und Caspar Einem, der Innenminister. Der Beamte saß auf dem längeren Ast.

Kraftproben zwischen Ressortchefs und aufmüpfigen Spitzenbeamten gab es schon mehrfach

Wien - Gerhard Steger macht schon für seinen fünften Chef das Budget, und diesmal ist es eine Chefin, nämlich Finanzministerin Maria Fekter. Steger ist seit 14 Jahren Chef der Budgetsektion, er hat bereits Ministern aus drei Parteien gedient: Rudolf Edlinger (SPÖ), Karl-Heinz Grasser (erst FPÖ, dann für die ÖVP), Wilhelm Molterer, Josef Pröll und jetzt Fekter (alle drei ÖVP). Leicht war es nicht immer, besonders mit Grasser nicht, der auch ein Disziplinarverfahren wegen einer weitergeleiteten internen E-Mail gegen Steger eingeleitet hatte, aber letztendlich raufte sich Steger mit jedem Minister zusammen - oder die Ressortchefs mit ihm.

Das Zusammentreffen von Spitzenbeamten und Ministern funktioniert nicht immer. Das Zerwürfnis von Verteidigungsminister Norbert Darabos mit seinem Generalstabschef Edmund Entacher ist nur ein Beispiel von mehreren. Gut in Erinnerung ist noch die Auseinandersetzung von Caspar Einem, der 1995 als frischgebackener Chef im Innenministerium dort auf Michael Sika, den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit traf - oder prallte. Beide waren Sozialdemokraten, konnten aber nicht miteinander. Einem war bei der Exekutive als Linker, bei manchen sogar als Linksextremist verschrien, schlimmer noch: Er galt als liberal. Sika dagegen verkörperte die gesetzestreue Exekutive, die politisch immer mehr nach rechts tendierte.

Disziplinarrechtlich gab sich Sika keine Blöße, er hielt sich in der Öffentlichkeit auch mit Äußerungen über Einem zurück, die Abneigung konnte er aber nicht verhehlen. Sikas diffiziles Wirken war mit ein Grund, warum Einem als Innenminister scheiterte und 1997 vorübergehend aus der Regierung ausschied. Sika blieb bis 1999 Generaldirektor im Innenministerium, ehe er unter Minister Karl Schlögl in Pension ging.

Ein anderer Spitzenbeamter, der mit seinem Minister im Clinch lag, ist Herwig Haidinger, einst Leiter des Bundeskriminalamts im Innenministerium. Im Nachhinein hat Haidinger auch vom Verfassungsgericht recht bekommen, mittlerweile ist der Sozialdemokrat aber schon in Pension. Haider war 2008 vom damaligen Innenminister Günther Platter (ÖVP) abgesetzt worden, er warf der ÖVP daraufhin vor, das Innenministerium parteipolitisch zu missbrauchen. Platters Nachfolgerin Maria Fekter ließ Haidinger, der mittlerweile zur Sicherheitsakademie versetzt worden war, dann sogar suspendieren. Zu Unrecht, wie das Höchstgericht im Nachhinein entschied. (Michael Völker, DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2011)

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16 Postings
xiphias
 
00
18.11.2011, 20:58
Parteifreunde

Auch ein interessanter Punkt hier: Die jeweils beteiligten sind hier immer in der selben Partei.
Parteifreund, das Superlativ von Feind.

- Dr. No
00
11.11.2011, 12:40
Haidinger Sozialdemokrat?

Köstlich. Ein bisserl Recherche ist also auch beim STANDARD schon zu viel verlangt.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
00
9.11.2011, 18:44
Der Minister ist der Partei verpflichtet...

der Beamte ausschließlich dem Gestz.Das ist der Unterschied, der bei Sika, Haidinger und Entacher so vorzüglich zu Tage tritt. So sollte es ssein und leider ist es die Ausnahme...

Cuchullain
00
9.11.2011, 13:41
"... Einem war bei der Exekutive als Linker, bei manchen sogar als Linksextremist verschrien, schlimmer noch: Er galt als liberal. Sika dagegen verkörperte die gesetzestreue Exekutive, die politisch immer mehr nach rechts tendierte...."

Diesen Satz könnte man auch kürzer formulieren: "Einem war ein guter, Sika ein böser Mensch".

saibawoa
00
10.11.2011, 06:26

Warum sind die Linken immer die Guten?

dermartino
03
9.11.2011, 12:16

Die Schreiber gegen die "Beamtenschaft" müssen nur aufpassen, dass sie nicht am Ende unabsichtlich für politische Willkür eintreten.

Darabos ist das beste Beispiel... bzw. ein noch besseres Beispiel war Strasser, der DUTZENDE Dienstrechtsverfahren verloren hat und niemanden hat es interessiert.

Man kann es nicht oft genug sagen: Mittlerweile kriegen Sektionschefs nur noch 5-Jahresverträge. Somit ist zumindest von dieser Seite her der Bananenrepublik Tür und Tor geöffnet, wenn es nicht immer wieder Leute wie Entacher oder damals Haidinger gibt.

Angelika70
01
9.11.2011, 12:20

Verwirren sie die Leserschaft doch nicht mit Fakten!

wakeup
00
9.11.2011, 10:28
Sika saß nur deshalb auf dem längeren Ast...

weil er vor allem von Löschnak und anderen Funktionären der SPÖ unterstützt wurde.
Das Weltbild Einems war Sika (und den meisten Beamten) so fremd und unverständlich, das es ihm offensichtlich Angst machte und er glaubte sich und die Republik davor schützen zu müssen.
Einem verfolgte einen ganzheitlichen, gruppendynamischen Ansatz und wäre langfristig möglicherweise erfolgreich gewesen.
Aber die Bretter im Innenministerium sind zu dick, als dass es einem (sic!) möglich gewesen wäre, sie zu durchbohren.

Leo Laokoon
03
9.11.2011, 11:57

sind wir doch froh dass es männer wie sika gab und gibt! manchmal weisen sie halt doch wildgewordene parteifunktionäre in die schranken. das sollte eigentlich ihr tägliches brot sein ist aber leider, wie man sieht, mit vielen risken verbunden.
männer wie sika, haidinger, entacher verdienen die höchsten auszeichnungen des staates!

wakeup
10
9.11.2011, 13:16
Einem können sie vertrauen...

Einem hat sich nie wie ein wildgewordener Parteifunktionär benommen.
Warum glauben sie daher, dass der Widerstand Sikas gegen ihn zu Recht erfolgt ist?
Worin erblicken sie ein Risiko für Sika?
Wofür konkret soll er die höchsten Auszeichnungen des Staates bekommen? Abgesehen davon, dass er die schon hat.

Leo Laokoon
00
10.11.2011, 09:15

Einem vertrauen?
So einer mit derart linken Ansichten hätte niemals Innen- und damit Sicherheitsminister werden dürfen.
Ich fürchte nur dass sie das nicht kapieren werden!
Sie sehen wohl in der extrem Linken keine Gefahr!

Angelika70
02
9.11.2011, 10:13

Minister sind Politgünstlinge, die je nach Wahlausgang an die Spitze eines beliebigen Ministeriums gespült werden. Dieses Ministerium wechseln sie dann mitunter wie die Unterhosen.

Spitzenbeamte sind auf die Verfassung angelobt und meist Juristen, die seit Jahrzehnten ihren Job machen und jeden Punkt und Beistrich der zu vollziehenden Gesetze kennen.

Elferfrage: Wer geht, wenn sich die nicht "verstehen"?

Martin Purtscher
00
9.11.2011, 09:43
Bitte richtigstellen.

Herwig Haidinger (nicht Haider!) zum Sozialdemokraten zu machen ist schlicht falsch. Gerade dadurch, daß er im Team mit Ernst Strasser 2000 ins Innenministerium eingeritten ist, war seine Anklage der politischen Instrumentalisierung des Ministeriums durch die ÖVP nämlich so glaubwürdig, da sie aus dem innersten Kreis kam!

Ernstl Strasser
00
9.11.2011, 09:03

Also Haidinger war vieles, aber ein Sozialdemokrat mit Sicherheit nicht. Er gehörte zu den "jungen Wilden" in Strassers Umfeld.

sawi48
00
9.11.2011, 07:49
Zwei unvergessliche Dinge von Sika:

1. als er in einem ORF-Interview feststellte, daß die heutige Jugend deshalb so verwahrlost und kriminell sei, weil die Mütter lieber arbeiten gingen, als sich um ihre Kinder zu kümmern;

2. als er Einem in der Bombenattentäter-Sache in den Rücken fiel: Einem ging von einer Tätergruppe aus - Sika war vom Einzeltäter überzeugt und ließ nicht einmal nach mehreren Tätern untersuchen.
Ich gehe davon aus, daß er deshalb Einem "besiegte" und auf seinem Posten blieb, aber der Minister gehen mußte.

Denn es gab sehr viele Anhaltspunkte für mehrere Beteiligte.

positiv gesehen
15
8.11.2011, 19:33
wenn politiker ohne führungskompetenz dies mit willkürakten kompensieren wollen

dann sind plötzlich die spitzenbeamten die bösen

aber diese masche vom bösen beamten verfängt nicht da die betreffenden politiker zu diesem zeitpunkt von der

öffentlichtlichkeit schon längst durchschaut sind

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