Verschätzt, verpfuscht, verloren

8. November 2011, 17:33
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Opposition erklärt Verteidigungsminister Darabos nun geschlossen für rücktrittsreif

Wien - Eine "herbe Niederlage" für Norbert Darabos nennt es Michael Spindelegger. Reinhold Mitterlehner attestiert dem Verteidigungsminister, "kein gutes Bild" abzugeben. Und Karlheinz Kopf qualifiziert die Causa um den abgesetzten, nun rehabilitierten Generalstabschef Edmund Entacher, als "einmaligen Vorgang".

Trotzdem wollten die schwarzen Spitzen - vom Vizekanzler über den Wirtschaftsminister bis zum Klubchef - beim Ministerrat keine Rücktrittsaufforderungen in Richtung des roten Heeresministers abgeben. Denn, so der offensichtlich abgesprochene und im Foyer einhellig zum Besten gegebene Tenor: Das müsse Darabos selbst wissen.

Darabos selbst, der als Letzter zur wöchentlichen Regierungsrunde eintraf, wehrte Fragen zu seinem möglichen Rücktritt neuerlich brüsk ab: "Da fehlt mir jegliches politisches Verständnis dafür. Die Frage stellt sich nicht!"

Sein Chef, der Kanzler, tat beim anschließenden Pressefoyer alles, um den Vertrauensverlust in Darabos wegen dessen aufgehobenen Abberufungsbescheid für Entacher wegzureden. Werner Faymann: "Er hat meine volle Unterstützung und mein Vertrauen." Danach folgte eine längere Ausführung darüber, dass es Darabos mit den Plänen, die Wehrpflicht abzuschaffen und ein Berufsheer einzuführen, besonders schwer habe.

Die Opposition hingegen erklärte am Dienstag Darabos geschlossen für rücktrittsreif. Nach der FPÖ und dem BZÖ meinte auch der Grüne Peter Pilz: "Es reicht!" Denn: Darabos habe die schlechtesten Eurofighter zum höchsten Preis gekauft, den Ausstieg aus der Wehrpflicht mit einem unsinnigen Modell und einer unseriösen Vorgangsweise verpfuscht und nun auch noch das Verfahren gegen Entacher verloren. (nw, DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2011)

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