Kaution garantiert, Geld garantiert weg

  • Beim Einzug in eine neue Wohnung fallen meist hohe Kosten auf einmal an - für Provision, Kaution, Einrichtung etc.
(Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de)
    foto: michael grabscheit / pixelio.de

    Beim Einzug in eine neue Wohnung fallen meist hohe Kosten auf einmal an - für Provision, Kaution, Einrichtung etc.

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Ein junges österreichisches Start-Up bietet seit kurzem Kautionsgarantien an - Doch Mieterschützer raten davon ab

Wer in eine (private) Mietwohnung neu einzieht, ist meist damit konfrontiert: mit dem Hinterlegen einer Kaution nämlich. Diese soll den Vermieter dagegen absichern, dass der Mieter die Miete plötzlich nicht mehr überweist. Oder dass er sie beim freiwilligen oder unfreiwilligen Auszug so hinterlässt, dass einiges zu tun bleibt, um sie wieder bewohnbar zu machen.
Bis zu sechs Monatsmieten darf der Vermieter von einem neu einziehenden Mieter an Kaution verlangen, dies wurde in einem OGH-Urteil entschieden. Üblich sind allerdings "nur" drei Monatsmieten.

Weniger Kosten zu Beginn

Weil das immer noch - eben abhängig von der jeweiligen Monatsmiete - eine schöne Stange Geld sein kann, sieht ein neues österreichisches Start-Up-Unternehmen hier eine Marktlücke: Die erst heuer gegründete dieMietkaution.at GmbH bringt eine neue Variante ins Spiel, "die Mietern die oft sehr hohen Anfangskosten beim Einzug in eine neue Wohnung deutlich reduzieren hilft", erklärt Geschäftsführerin Claudia Slupetzky im derStandard.at-Gespräch. Im Detail handelt es sich bei dem Modell um eine "Kautionsgarantie", ähnlich einer Bankgarantie, die dem Vermieter den Erhalt der Kaution lediglich garantiert, anstatt dass er sie ausgehändigt bekommt.

"Wenn jemand beispielsweise eine Kaution von 2000 Euro zu zahlen hätte, dann erspart er sich diese Zahlung mit unserem Modell. Er überweist lediglich vier Prozent dieser Summe (80 Euro, Anm.) jährlich an uns, plus einer einmaligen Gebühr von 50 Euro." Als Gegenleistung für diese Zahlungen wird eine Bonitätsprüfung des Mieters durchgeführt, die Hausverwaltung des Mieters bekommt also die Garantie, dass sich der Mieter die Kaution leisten könnte.

Schaden trägt der Mieter

In dem Fall, dass nach dem Auszug des Mieters ein Schaden entdeckt wird, bekommt der Vermieter diesen vom Versicherungspartner von dieMietkaution.at, der VAV Versicherung, ersetzt - und zwar bis zur Höhe der vereinbarten Kaution. Die Versicherung hält sich dann ihrerseits am Mieter schadlos, er muss für den Schaden also in jedem Fall aufkommen. Es handle sich deshalb eben nicht um eine Versicherung, betont Slupetzky, sondern bloß um eine Garantie.
Übersteigt der Schaden die vereinbarte Kautionssumme, kann dann auch der Vermieter noch - ohne den Umweg über die Versicherung - vom Mieter den Restbetrag einfordern.

Geschäftsführerin Slupetzky bewirbt das Modell mit dem Hinweis darauf, dass sich der Mieter die Kaution zu Beginn erspart - zu diesem Zeitpunkt habe man schließlich meist ohnehin hohe Kosten zu tragen, für Maklerprovisionen, Möbel etc. Das Produkt wird deshalb nun offensiv vermarktet, teilweise auch über Makler, die dafür eine Provision erhalten. Auch die nachträgliche Umwandlung der schon bezahlten Kaution in eine Kautionsgarantie sei möglich, wenn der Vermieter zustimme.

Das Geld ist weg

Der große Nachteil gegenüber den herkömmlichen Varianten - Kaution in bar oder als Sparbuch - liegt aber auf der Hand: Das Geld, das jährlich für die Kautionsgarantie bezahlt wird, ist weg - der Mieter erhält es nicht mehr zurück. Abhängig davon, wie lange er in der Wohnung bleibt, kann hier schnell ein Betrag von mehreren hundert bis zu 1000 Euro oder sogar mehr zusammenkommen.

Mieterorganisationen raten deshalb davon ab, sich auf die neue Variante einzulassen. "Meiner Ansicht nach ist das ein perfides Versicherungsmodell: Man zahlt ein, aber wenn die Versicherung schlagend wird, dann holt sich die Versicherung erst recht den gesamten Betrag vom Mieter zurück", sagt Georg Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung (MVÖ).

Rechtlich betrachtet wird die Sache für ihn außerdem höchst problematisch, weil mit der Versicherung ein dritter Vertragspartner hinzukommt. "Wenn die Hausverwaltung feststellt, dass bei der Wohnung nach der Rückgabe was nicht in Ordnung ist und sie sich den Betrag von der Versicherung holen will: Welche Möglichkeit hat dann der Mieter, das Ganze zu beeinspruchen, und wer ist überhaupt das direkte Gegenüber des Mieters, wenn es zum Rechtsstreit kommt?", gibt er zu Bedenken.

Rückzahlung samt Zinsen ist üblich

In dem Fall, dass die Wohnung nach Vertragsende völlig einwandfrei zurückgegeben wird, hat der Mieter nämlich üblicherweise Anspruch auf Rückzahlung der vollen Kaution. Und dies sei seit 2009 noch viel einfacher als davor, weil die Rückforderung nun im Außerstreitverfahren möglich ist. Streitgegner ist dabei der Vermieter; „ist ein Dritter mit im Spiel, ist die Rechtsgrundlage eine viel kompliziertere", so Niedermühlbichler.

"Für den Mieter ist das eine sehr teure Angelegenheit", so das Fazit des MVÖ-Präsidenten. Er rät eher dazu, bei hohen Mieten auf eigene Faust eine Bankgarantie mit dem Vermieter bzw. der Hausverwaltung zu vereinbaren, "oder ansonsten ein vinkuliertes (Anm.: abgetretenes) Sparbuch, dadurch ist der Mieter auch gut abgesichert". Wird die Kaution auf einem Sparbuch übergeben, hat der Mieter auch das Recht auf Auszahlung der entstandenen Zinsen. (Martin Putschögl, derStandard.at, 9.11.2011)

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Posting 276 bis 303 von 303
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ich weiß ja nicht

ich bin in meinem leben bereits in 4 wohnungen gewesen und habe bei allen 4 die vollständige kaution wieder zurückbekommen.

und bei meinen freunden/bekannten/arbeitskollegen hab ich bis jetzt auch höchst selten mitbekommen,daß es ein problem gibt.
und wenn,dann mußte man noch ein paar dinge richten und am ende hat man dann doch die gesamte kaution zurückbekommen.

vermieter sind doch keine monster sondern ganz normalle menschen.

Während eine fehlende Türschnalle sehr wohl abgegolten weder muss, sind verputzte Nagellöcher nicht von der Kaution betroffen. (Wer erzählt denn das?) Außer die Wohnung wurde ausgemalt übergeben, mit der Bedingung, dass sie wieder frisch ausgemalt zu retournieren ist.

Was wiederum nicht rechtens ist.

Der Vermieter hat prinzipell durch normale Abnutzung bedingten Wertverlust selber zu tragen. Diese Ausmalregelung ist in Deutschland durchaus rechtskräftig üblich.

Gilt nicht. Wurde bereits vom OGH gekippt.

stimmt, aber nur dann, wenn sich der Mieter nicht vertraglich dazu verpflichten hat lassen.

Stimmt nicht ganz

Der OGH hat ja gerade diese Teile des Vertrages für unzulässig erklärt. D.H. bei normaler Abnützung muß ich nicht ausmalen selbst wenn es im Mietvertrag steht.

na ja, jetzt könnten wir herumstreiten, was "normale Abnützung" ist.

wenn mieter die wand "schwarz" gemalt haben, werden sie wohl oder übel weiß malen müssen.

auch wenn keinerlei abnützung stattgefunden hat.

ich weiß bis heute nicht, wie die verpflichtung des jährlichen thermenservices bei einem altgerät (über 23 jahre) zu fassen ist. es ist absurd!

wobei die rechtslage in wahrheit

viel komplizierter ist und nur mehr für experten zu durchschauen, da abhängig davon ob vermieter unternehmer und mieter konsument, ob in vertragsformblättern formuliert und ob wohnung dem mrg ganz, teilweise oder gar nicht unterfällt.
Vermieter ein Konsument einem anderen Konsumenten beispielsweise sein Wochenendhaus am Attersee für 1 Jahr so kann eine Ausmalverpflichtung sehr wohl individualvertraglich vereinbart werden.

Ganz Richtig

deshalb muss eine Vereinfachung des Mietrechts her.

Tja

drum sollte man den Einzug auch entsprechend dokumentieren und die kleinste Kleinigkeit protokollieren.

Und Dübellöcher kann ein Vermieter schon länger nicht mehr als Grund für das Einbehalten der Kaution geltend machen. Es gibt den Begriff der "üblichen Abnützung", der durch entsprechende OGH-Judikatur ziemlich genau umrissen ist. Wer sich diesbezüglich vom Vermieter verar***en lässt, ist mM selber schuld.

das geschäft ist aber nicht nur für den mieter riskant

sondern auch für den vermieter..

sein "start-up" d.h. eine völlig neue firma von irgendwem verspricht mir, daß ich irgendwann geld von ihr bekomme könnte....aber welche sicherheit hat man, daß es diese firma in 2, 3 oder 4 jahren noch gibt?
ich mein wenn eine renomierte bank dies anbeiten würde, dann könnte man darauf noch vertrauen....aber zum jetzigen zeitpunkt einem kleinstunternehmen vertrauen, dessen geschäftsmodell wahrscheinlich floppt - niemals würde ich das als vermieter akzeptieren.

Das hängt davon ab welche Sicherheiten mir die Firma bietet. Eine Bankgarantie zb wäre durchaus ok.

welche Sicherheiten?
Offenbar garantiert die VAV Versicherung die Auszahlung.

steht doch eh da:

...bekommt der Vermieter diesen vom Versicherungspartner von dieMietkaution.at, der VAV Versicherung, ersetzt...

diese neue Firma ist mehr ein Versicherungsmakler für die VAV als ein Garantiegeber.

Bankgarantie

in der Sache ist dieses Angebot ja nichts anderes als eine Bankgarantie. Die Frage ist nur, ob eine solche billiger oder teurer ist. Die Bonitätsprüfung macht die Bank sowieso automatisch und hat dazu ja auch alle Daten in der Hand.
Im Falle eines Streits ist die Bank als neutraler Dritter auch immer außen vor, wenn es sich um eine abstakte, unwiderrufliche Garantie handelt. Somit sehe ich keine Schlechterstellung beim Modell von Fr. Slupetzky. Wie gesagt, wenn sie das billiger anbieten kann als eine Bankgarantie, warum nicht?

Im Normalfall ist eine Bankgarantie günstiger. Aber Personen die an der Kaution scheitern bekommen keine Bankgarantie.

für die Versicherung ist dies aber ein tolles Geschäft.

Was habt Ihr dagegen? Seid Ihr etwa neidig?

Es geht einfach um Betrug. Auch wenn es rechtlich keiner ist, im Prinzip macht die "Versicherung" genau gar nichts für mich, aber lässt sich das noch schön zahlen. Papier ist ja so geduldig und darum muss man auch warnen, denn nicht jeder erkennt das sofort.

Das stimmt so auch nicht ganz:

Man zahlt als Kunde diesem Unternehmen eigentlich schlicht dafür eine Gebühr, dass man bei MV-Abschluss nicht eine Kaution von (teilweise) mehreren Tsd. Euro "auf den Tisch legen" muss.

Für diese "Absicherung" dem Vermieter gegenüber (nämlich dass er trotz nicht unmittelbar deponierten Geldes im Schadensfall an seine "Kaution" kommt) zahlt man als Mieter/Kunde eben diese Gebühr.

ABER bzw. Disclaimer: das heißt noch lange nicht, dass ich dieses Modell gutheiße (ganz im Gegenteil), vor allem weil es ja ohnehin auch mit einer Bonitätsprüfung verbunden ist und somit durchaus auch eine Bankgarantie eine Alternative wäre (die allerdings im Normalfall ebenfalls Kosten mit sich zieht, vermutlich aber geringere).

Welche Erkenntnis...!!!

Eine Versicherung macht NIEMALS etwas für Sie, ausser die Prämien kassiern und Sie kündigen, falls ein Schadensfall eingetreten ist.

Im Artikel geht es aber nicht um eine Versicherung.

Es ist doch völlig egal ob das Ding nun Versicherung, Garantie oder Geburtstagkuchen heißt. Fakt ist, dass man als Mieter jährlich zahlen muss, das Geld nie zurück bekommt und falls es zu einem Schaden kommt auch den Schaden zu 100% übernehmen muss.

Deswegen heisst's ja auch Garantie - Ihr Nutzen ist, das Geld nicht hinlegen zu müssen. Und dann können's entscheiden, ob ihnen das 4% wert ist.

Kann schon Sinn machen, muss es aber nicht.

auch für den Mieter ist das ein gutes Geschäft

Wenn er das Geld nicht hat, müsste er es sich ausleihen um die Kaution zu bezahlen und wo er Geld um 4 % leihen kann, erzählen Sie uns bitte

Sie haben etwas missverstanden. Der Mieter zahlt ja üblicherweise nicht die Kaution (und verabschiedet sich davon), sondern er muss ja nur Geld zur Sicherheit, also zweckgebunden, hinterlegen. In der Regel bekommt er das Geld schwach verzinst wieder zurück.

Trotzdem muss er es irgendwo ausborgen, um es hinlegen zu können.

Wenn er's beispielsweise über den überziehungsrahmen finanziert, wird's noch teurer.

Eine Garantie reduziert auch die Kapitalbindung, und der Vermieter kann schwere rmit dem Geld weg sein.

Aber nur wenn er es hat. Müsste er es sich über eine Überziehung oder einen Kredit ausleihen, dann wäre es für ihn mglw. teurer. Eine Bankgarantie ist jedoch billiger zu haben als diese Art der Garantie.

Bankgarantie neu, sozudagen?

Im klassischen Kautionsmodell ist es doch so das wenn bei der Wohnungsübergabe Schäden festgestellt werden und der Mieter diese nicht behebt die Kosten von der Kaution abgezogen werden.
Im Bank/Kautionsgarantie Modell zieht der Vermieter die Garantie und bekommt so die Kaution und der Mieter zahlt diesen Betrag erst in diesen Moment und nicht Jahre zuvor.

Wenn die Garantie zu Unrecht gezogen wurde kann der Mieter den Vermieter wegen unrechtmäßigen Ziehens der Garantie verklagen.

Die Bank/Versicherung hält sich schadlos, macht sie das nicht auch wenn der Vermieter die Kaution vom Sparbuch abhebt?

und das Beste zum Schluss, leider nicht im Artikel geklärt - wann endet die Garantie? Bei Wohnungsübergabe oder später?

Mit Übergabe des Garantiebriefs.

Der Mieter wird ja hoffentlich bei Wohnungsübergabe den Garantiebrief zurückverlangen, denn dann ist die Garantie für den Vermieter wertlos.

Posting 276 bis 303 von 303
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