Umfrage

Schlechte Führung in Österreichs Unternehmen

8. November 2011, 14:44

Mangelnde Kommunikation und unklare Ziele als Ursachen

Wien - 95 Prozent der Unternehmen beobachten schlechte Führung, aber nur die Hälfte schätzt die von ihnen gesetzten Maßnahmen als erfolgreich ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Karmasin Motivforschung im Auftrag der Beratungsfirma Train Consulting. "Die Ursache für fast jedes Problem in Unternehmen ist schlechte Führung", kommentierte Train Consulting-Geschäftsführerin Ruth Seliger dieses Ergebnis bei einer Pressekonferenz in Wien.

Fehlendes Feedback

Jedes dritte befragte Unternehmen beobachtet Führungsprobleme sogar häufig oder sehr häufig. Als Ursachen werden fehlendes Feedback, mangelnde Kommunikation und nicht ausreichend klar definierte Ziele angegeben. Für Seliger werden Maßnahmen zwar gesetzt, verlaufen dann aber oft im Sand. "Unternehmen hinterfragen die zum Einsatz kommenden Interventionen oft zu wenig und setzen Maßnahmen mehr aus Gewohnheit, als aufgrund von Notwendigkeit", stimmt Studienleiterin Sophie Karmasin dieser Einschätzung zu. Drei Viertel der Maßnahmen sind dabei aus dem Bereich Aus- und Weiterbildung, obwohl die befragten Unternehmen selbst andere Interventionen für erfolgversprechender halten.

Manager wie Filmrollen

Seliger konstatiert eine häufige Verwechslung zwischen Führung und Führungskräften. Oft würden nur die Manager wie Filmrollen ausgetauscht, obwohl Probleme woanders lägen. So können etwa in einem Familienunternehmen Strukturen recht verkrustet sein, Stichwort "Das haben wir immer schon so gemacht". Größeren Unternehmen ("Shareholdervalue-Konzerne") seien dafür zentralistisch angelegt. Dort herrschen klare Regelwerke, man finde dafür aber oft eine unglaubliche Intelligenz, diese Regeln zu umgehen. Das rette den Konzernen aber nicht selten das Überleben.

Die Kosten von schlechter Führung lassen sich nicht direkt quantifizieren, genauso wenig wie man den Erfolg von Maßnahmen immer in Zahlen gießen könne, sagt Lothar Wenzl, ebenfalls Geschäftsführer bei Train Consulting. "Das führt nur zu einer Pseudo-Objektivität, die der Realität nicht gerecht wird". Er wünscht sich, dass Führung neu gedacht und weniger von der Position her betrachtet wird.

Unterschiedliche Motivation

Die Motive, Führungskraft zu werden, sind unterschiedlich. Karmasin sieht bei Männern wesentlich mehr Streben nach Macht und Sozialprestige als bei Frauen, bei denen eher inhaltliche Begeisterung im Vordergrund stünde. Der These, dass diese Haltung für Frauen oft karrierehemmend sei, könne sie daher etwas abgewinnen. So oder so sehen die Experten von Train Consulting aber als großes Problem, dass Beförderungen oft eher durch Zeitablauf als durch Leistung oder Eignung zustande kommen.

Die Studie wurde im Zeitraum Mai bis Juli 2011 durchgeführt, befragt wurden 362 Geschäftsführer und Unternehmensvorstände von Unternehmen ab 150 Mitarbeitern in Österreich. (APA)

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23 Postings
who came in from the cold
00
10.11.2011, 10:57
Führen wäre ja eigentlich ein Beruf..

aber, die meisten Führungskräfte konzentieren sich auf die operativen Aufgaben, anstatt die Menschen unter sich.

kauf nix
00
10.11.2011, 12:55
tja weil die führungskräfte von vielen führungskräften...

...ihnen selten die möglichkeit geben sich aus dem operativen geschäft loszulösen. oder weil auch viele "führungskräfte" aus dem operativen geschäft kommen (weil sie so erfolgreich waren) und nicht loslassen können oder wollen. ein guter verkäufer ergibt zwansläufig noch nicht einen guten verkaufsleiter.

Brat_Pit
00
10.11.2011, 07:01
Wie überall..

regiert das Peter-Prinzip.

„In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

Seria
00
9.11.2011, 22:26

und diese Unternehmen leben natürlich davon die Führung und das Personal weiterzubilden

Beobachter zweiter Ordnung
01
9.11.2011, 17:13
Die ganze Welt braucht gute Führung!

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
9.11.2011, 22:02
Angeblich kommt nächstes Jahr eh der Messias

rosebud2
03
9.11.2011, 14:46
Führungsausbildung als Arbeitnehmerschutz

In den Bereich des Arbeitnehmerschutzes müsste auch der Führungsaspekt einbezogen werden. Keine nicht in Führung ausgebildetes (Schwerpunkt: soziale Kompetenz) Personal in Führungspositionen. Den 1. ist es eine Qual unter solchen Menschen zu arbeiten, die bis ins Burn out führen kann und 2. ist sojemand meistens langfristig auch schädlich für ein Unternehmen.

Wolfgang56
04
9.11.2011, 14:21
Kein Wunder!

In vielen Unternehmen werden die Spitzenfunktionen mit Freunderl, Politgünstlingen, abgehalfterten Politikern, Berufssöhnen und -töchter, Berufsneffen, etc., besetzt, bzw. werden dafür noch extra Positionen geschaffen. Nach jedem Wechsel der ach so tollen Führungskraft, können die verbliebenen jedesmal den hinterlassenen Sauhaufen wegräumen, bis der nächste kommt.
Da kann einer noch so viele Qualifikationen, Erfahrungen mit nachweislichen Erfolgen haben, etc., wenn man keine "Anschieber" hat, nutzt es gar nichts!

kauf nix
00
10.11.2011, 12:51
ich kenne nur wenige KMUs die sich eine solche vorgehensweise leisten können...

...wenn sie konzerne meinen, dann geb ich ihnen recht.

keywords
00
9.11.2011, 12:10

Größeren Unternehmen ("Shareholdervalue-Konzerne") seien dafür zentralistisch angelegt. Dort herrschen klare Regelwerke, man finde dafür aber oft eine unglaubliche Intelligenz, diese Regeln zu umgehen. Das rette den Konzernen aber nicht selten das Überleben. <-- merkt man an unis.

Fritz Meyer
02
9.11.2011, 10:19
Kompetenzen unwichtig.

Wie in der Politik.

rosebud2
01
9.11.2011, 10:00
Wann wird eine Führungsausbildung Standard?

Jeder der in eine Führungsposition gehievt wird oder sich diese erarbeitet, sollte eine gute standardisierte Führungsausbildung absolvieren müssen. Gute Firmeninhaber werden sowieso darauf schauen. Mich wunderts, daß noch immer viele nur mit fachlicher Qualifikation "rangelassen" werden. Menschen zu führen, und darum geht es ja, bedarf hoher sozialer Kompetenz, die nur wenige haben. Neben fachlicher Qualifikation gehört auch ein gewisses Maß an psychosozialem und arbeitsorganisatorischem Wissen dazu.

kauf nix
00
10.11.2011, 12:52
hire for attitude, train for skills..

.. hat sich leider noch nicht weit herumgesprochen hier im lande.

r_2_d_2
02
9.11.2011, 12:03

ja, wär schon gut, wenn führungskräfte auch führen könnten.

das problem liegt oft darin, dass die übergeordneten entscheidungsträger der führungskraft einen hampelmann wünschen, der genau das macht was sie wollen. der keine eigenständige meinung vertritt, also ein würschtel ohne rückgrat ist. biegsam soll er sein, nach unten treten und nach oben buckeln. damit ist es in der heutigen new economy eigentlich schon getan. ok - netzwerken muss er auch noch können. der rest ist eigentlich egal.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
04
9.11.2011, 07:53
Wen wunderts?

Wer bekommt die Spitzenposition? Der grösste Mastdarm-Akrobat mit dem lautesten Mundwerk und den spitzesten Ellbögen. Auch das "richtige" Parteibüchl ist eine wichtige Qualifikation, insbesondere bei Staatsbetrieben. Jene, die auch nur ein bisschen was in der Birne haben, tun sich sowas gar nicht an und bleiben lieber in der zweiten Reihe.

aculus populus
 
00
9.11.2011, 19:59
Die bleiben nicht in der 2. Reihe

die werden dort hingewiesen

lieschen müller4
01
9.11.2011, 03:27

Die vielen Flaschen in Führungspositionen größerer Firmen können nur deshalb dort sitzen,weil an der Spitze die größte Flasche sitzt.Und welche Flasche würde schon freiwillig zugeben,eine falsche Personalentscheidung getroffen zu haben?

aculus populus
 
00
9.11.2011, 19:58
Eine gute Flasche

:D

jassl11
01
8.11.2011, 23:48

es ist genau so. 'führungskräfte' wechseln sich inzwischen wie Hemden. ausser spesen meistens nichts gewesen. und verbrannte erde hinterlassen. wären sie erst gar nicht da gewesen - ich denke, es wäre nicht aufgefallen. das ergebnis wäre sicher positiver ausgefallen. die Hierarchischen strukturen, für die der austrianer so empfänglich ist, sind heutzutage nutzlos, extrem kostspielig. aber ob das jemals in dieses lande zieht und ankommt; fraglich.

Herr Gscheidl
02
8.11.2011, 17:30

Dazu fällt mir das Peter-Prinzip ein.

aculus populus
 
00
8.11.2011, 17:05
Dem stimme ich 100% zu

leider lassen die Freunderl nicht zu das ich Führungskraft werde und die inkompetenten Leute der obersten Etage rausschmeissen darf :)

r_2_d_2
03
8.11.2011, 15:23

könnte ja durchaus auch sein, dass ein günstling in eine top-position gehievt wird und die bude den bach runterläuft. das ist heut gar nix neues mehr, kommt in den besten unternehmen vor!

oder vielleicht, weil mänätscher von 20 jährigen personaltussen aufgrund ihrer softskills und ihres social-networking ausgesucht werden.

aber es hat auch schon einmal einen fall gegeben, wo ein blender, dampfplauderer oder besser gesagt: heißluftgebläse es in den obersten stock geschafft hat, weil er sich blos gut verkauft hat, und genau das von den entscheidungsträgern erwünscht war...

aculus populus
 
00
8.11.2011, 17:06
Wie wahr, wie wahr

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