Telekom Austria will separaten EU-Roaming-Markt statt Preisgrenzen

8. November 2011, 13:29
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    foto: apa/techt

    TA-Chef Hannes Ametsreiter

Unternehmen: Bisherige Verordnungen brachten nicht mehr Wettbewerb

In der Diskussion um EU-Preisobergrenzen für die Handy-Nutzung im Ausland ("Roaming") hat sich die Telekom Austria für die Schaffung eines separaten Roaming-Marktes anstelle fortschreitender Preisregulierung ausgesprochen. Die Kunden könnten in diesem Fall unabhängig von ihrem nationalen Betreiber einen alternativen Anbieter für Roaming-Dienste wählen, wie dies die EU-Kommission vorgeschlagen hat. Der Festnetz-Bereich habe gezeigt, dass eine solche Trennung von Betreibern die Preise gesenkt habe, sagte der TA-Regulierungsexperte Alexander Zuser am Dienstag in Brüssel.

Wettbewerb

Die bisherigen beiden EU-Roaming-Verordnungen hätten nicht zu mehr Wettbewerb unter den Telekom-Providern geführt, sagte Zuser. Obwohl die Preise für Sprach-Roaming seit dem Start der EU-Verordnung 2007 um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen seien, würden die Konsumenten eher weniger und nicht mehr solche Dienste nutzen. Zuser betonte, im Gegensatz zu den Endkundenmärkten seien die Großkunden-Märke, auf denen die Provider sich gegenseitig ihre Roaming-Kosten in Rechnung stellen, bereits voll wettbewerbsfähig.

Trennung

Für die Schaffung eines vom nationalen Anbieter unabhängigen, getrennten Roaming-Marktes plädiert auch eine von der Telekom Austria vorgestellte Studie der Londoner Consulting-Firma "Plum". Deren Autor David Lewin sagte, die weitere Fortschreibung von Preisobergrenzen fördere nicht Innovation und stärke auch nicht den EU-Binnenmarkt. Daher sollte die EU-Preisregulierung so früh wie möglich, nämlich 2014, auslaufen, und durch einen getrennten Roaming-Markt ersetzt werden. Dieser Schritt würde den Unternehmen insgesamt 400 Mio. bis 700 Mio. Euro kosten, dem stünden jährliche Roaming-Einnahmen in der EU von 4,8 Mrd. Euro entgegen.

Technisch stünden für eine solche Lösung zwei Optionen zur Verfügung, die beide bis 2014 umsetzbar wären, heißt es in der Studie. Entweder könne der Kunde seine aktuelle SIM-Karte behalten, der nationale Betreiber hätte weiter über das Service die technische Kontrolle. Der Roaming-Betreiber, für den sich Kunden dann extra entscheiden müssten, könnte zu einem regulierten Großkundentarif das Service von nationalen Betreibern kaufen.

Ausstattung der Kunden mit neuen SIM-Karten

Die zweite Option für einen getrennten Roaming-Markt wäre laut der Studie die Ausstattung der Kunden mit neuen SIM-Karten, die doppelte Identifizierungen zuließen - für den nationalen und den Roaming-Betreiber. Die technische Kontrolle wäre dann beim Roaming-Provider, dieser könnte zu ausverhandelten Großkundentarifen Roaming-Dienste von den nationalen Anbietern kaufen. Ein Nachteil der zweiten Option sei, dass sie technisch komplizierter und für den Kunden mit Verzögerungen verbunden sei, gaben Lewin und Zuser zu bedenken.

Die derzeitige EU-Verordnung für Roaming-Preisobergrenzen läuft Mitte kommenden Jahres aus. Die EU-Kommission hat im Juli vorgeschlagen, die Gebühren für europaweite Telefonate oder Datentransfers mit Mobiltelefonen bis 2014 jährlich weiter zu senken. So sollen bis Juli 2014 für ein- und ausgehende Gespräche im EU-Ausland von derzeit 11 und 35 Cent vor Steuern auf dann 10 und 24 Cent pro Minute reduziert werden. "Ziel ist, dass der Unterschied zwischen Roaming- und nationalen Tarifen bis 2015 bei Null liegt", erklärte die für digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes.

Zuser sagte, seitens der Telekom Austria bestehe die Befürchtung, dass das Europaparlament die Preisobergrenzen noch weiter absenken wolle. Damit würde aber ein Einstieg in einen getrennten Roaming-Markt für viele Betreiber unattraktiv. Auch müsse sichergestellt sein, dass nicht 2015 wieder Preisobergrenzen eingeführt würden, wenn die Verordnung erneut überprüft werde. (APA)

Ggg14
01
15.11.2011, 16:31

Diese idiotische Bindung an nationale Grenzen gehört weg.

Ich will nicht und muss nicht nach Vorarlberg telefonieren, sehr wohl aber zb nach Bratislava. Wieso krieg ich das eine als Freiminuten und das andere zum Apothekerpreis?

glitsch
00
8.11.2011, 22:57
Die Minutenabrechnung ist ein Anachronismus

Dieser stammt aus der Zeit der analogen Kupferleitungen und ist relativ großer Quatsch in einem digitalen Datennetz.

Boksuneun neoui geot
00
8.11.2011, 17:20

Wenn sowas wie Roaming Markt kommt, wetten dass die schlechtere Alternative (mit 2 SIM Karten) realisiert wird...

Und wenn ich schon 2 SIM Karten brauche (hm... was ist mit SIM-Lock Geräten??? wie wird das gelöst?), dann nehme ich doch lieber eine Wertkarte im Zielland, dürfte etwas billiger sein als Roaming und viel umständlicher ist es dann auch wieder nicht.

Schmutziger Kojote
00
8.11.2011, 17:34
Hier geht es nicht um 2 SIM-Karten!...

"[...] die Ausstattung der Kunden mit neuen SIM-Karten, die doppelte Identifizierungen zuließen [...]"

Lunovis ...
12
8.11.2011, 16:26
Nebelgranaten

Jaja - die Großkunden, die heute viel im Ausland unterwegs sind, haben doch sowieso schon viel niedrigere Roamingtarife als die europäischen Höchstgrenzen.

Geht nur um die Privattelefonierer, die eh fast immer im österr. Netz unterwegs sind - die sollen dann gefälligst € 10,-- die Minute löhnen, wenn sie mal in ein ausländisches Netz geraten...

Reine Abzocke auf kosten der Kleinen - dass da die EU nix dagegen hat, ist aber auch klar.

leftjustified
02
8.11.2011, 23:11

Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Es geht eben darum, das eben die ach so böse EU etwas dagegen hat. Ohne die von der EU angeordneten Preis-Obergrenzen würden wir wohl nach wie vor 1,5 Euro pro Minute Roaminggebühren zahlen...
Aber schön das man trotzdem der EU rein präventiv die schuld an allem gibt.

Schmutziger Kojote
00
8.11.2011, 17:36
Das nennt man Mengenrabatt!...

... etwas völlig normales in einer Marktwirtschaft. Wo ist das Problem?

SoldMyEIFon
03
8.11.2011, 15:15
max. 3 cent / minute und fertig!

und max. 3 cent / 100MB und fertig!

neeeed
10
8.11.2011, 13:47
gebe ihm recht

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