Nutzer sind mehr als nur Konsumenten

8. November 2011, 15:51
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Kommunkationswissenschafter Uwe Hasebrink hält nichts von der Gegenüberstellung von "alten" und "neuen" Medien, wichtiger sei, wie das Medienangebot kombiniert wird

"Nutzer von Medienangeboten sind mehr als nur Konsumenten, sie haben auch Ansprüche als Bürger und Bürgerinnen und auch als Inhaber von Rechten". Uwe Hasebrink ist Professor für "Empirische Kommunikationswissenschaft" am Hans-Bredow-Institut in Hamburg und referierte bei den Hedy Lamarr Lectures - organisiert von Medienhaus Wien und der Telekom Austria - über Perspektiven der Mediennutzung. Generell sieht er die Mediennutzungsforschung als einen vernachlässigten Bereich, hier müsse die Forschung kreativer angegangen werden. Die Mediennutzung sei zu wichtig, um sie nur der Publikumsforschung zu überlassen.

Verschwimmende Grenzen

"Wie werden wir Medien in Zukunft nutzen und mit welchen Konsequenzen?" lautet seine Ausgangsfrage. Er untersucht, welche medien- oder gesellschaftlichen Faktoren die Mediennutzung verändern und wie das Verhältnis zwischen "alten" und "neuen" Medien öffentlich diskutiert wird.

Konvergierende Medienumgebungen bedeuten freilich verschwimmende Grenzen zwischen zum Beispiel Übertragungswegen und Endgeräten, diese Endgeräte können für ganz unterschiedliche Dienste genutzt werden, führt Hasebrink aus. Auch die verschiedenen "Sphären des Alltags" wie Freizeit und Beruf, Öffentlichkeit und Privat gehen immer mehr ineinander.
Bei den gesellschaftlichen Faktoren, die die Mediennutzung verändern, sieht der den demografischen Wandel, Zeitstrukturen, individuelle Interessen, gesellschaftliche Anforderungen und Lebensstile als Hauptgründe.

Alt gegen Neu

Der öffentliche Diskurs über Mediennutzung werde durch die Gegenüberstellung von "alten" und "neuen" Medien geprägt. Das werde dem Nutzerverhalten jedoch nicht gerecht und verstelle den Blick auf die wesentlichen Fragen. Vielmehr gehe es darum, zu untersuchen, wie Nutzer diese "alten" und "neuen" Medien kombinieren und sie in ihrem Alltag integrieren. 

Die Frage, wie viele und welche Nutzer ein bestimmtes Medienangebot erreicht, verliere durch Konvergenz und crossmediale Strategien immer mehr an Aussagekraft, sagt Hasebrink. Die Forschung müsse sich damit beschäftigen, welche Medienangebote sich Nutzer oder Gruppen zusammenstellen, welche Rolle hier einzelne Medien- und Kommunikationsdienste spielen und wie sich dieses Informationsrepertoire verändert.

Informationsbedürfnisse

Diese Informationsbedürfnisse stellt Hasebrink anhand einer Pyramide dar. "Ungerichtete Informationsbedürfnisse" bilden dabei die unterste Ebene, gefolgt von "thematischen Interessen", "gruppenbezogenen Bedürfnissen" und "konkreten Problemlösungsbedürfnissen" an der Spitze. 

Bis zu den 80er-Jahren lag der Schwerpunkt auf den ungerichteten Informationsbedürfnissen, heute würden gruppenbezogene Informationsbedürfnisse und die konkreten Problemlösungen im Vordergrund stehen, so Hasebrink. Um diese Informationsbedürfnisse zu stillen, spielt freilich auch Social Media eine wichtige Rolle.

Es müsse für den Nutzer klar sein, dass ihre Medien ihre Bedürfnisse stillen, "alte Medien" hätten hier massiv an Vertrauen verloren, wie aber auch Banken oder die Politik. Über den Umweg Social Media könnten diese Medien Anerkennung und Vertrauen finden.

"Souveräne Bindungen"

"Alles ist zu jeder Zeit möglich", davon werde die Mediennutzung in Zukunft geprägt sein. Die Nutzer gehen selbstgewählte Bindungen - Uwe Hasebrink spricht von "souveränen Bindungen" - mit bestimmten Medienangeboten ein. Die Herstellung dieser Bindungen wird künftig interessant für die Forschung sein, Akteure seien hier auch große Player wie Google oder YouTube. Eine maßgebliche Rolle werden dabei "neue Mediatoren" spielen. (red)

  • Uwe Hasebrink
    foto: medienhaus/eisenberger

    Uwe Hasebrink

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