60 Strafen wegen Alko-Radelns in Wien

Maria Sterkl
9. November 2011, 06:15
  • Ab 0,8 Promille wird es so richtig teuer - es sei denn, man schiebt das Fahrrad
    foto: standard/fischer

    Ab 0,8 Promille wird es so richtig teuer - es sei denn, man schiebt das Fahrrad

"Aktion scharf" der Polizei wird im Winter mit gleicher Frequenz fortgesetzt

"Drei weiße Gespritzte, drei Krügerln Bier - wenn man unterwegs ist, trinkt man das ja schnell irgendwo", sagt Johannes Frey. Der 34-Jährige verzichtet in solchen Fällen auch nicht darauf, mit dem Rad nachhause zu fahren. "Warum? Ist doch besser, als mit dem Auto zu fahren", meint der Wiener. Der Gesetzgeber sieht das anders: Er macht keinen Unterschied, ob man mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille hinter einem Lenkrad oder auf dem Sattel sitzt. Die Strafe beträgt in beiden Fällen mindestens 800 Euro.

Auch Johannes Frey hätte so viel bezahlen müssen. Doch er konnte nicht - die Strafe entsprach ungefähr seinem Monatslohn als Leiharbeiter in einem Callcenter. Sein Antrag auf Ratenzahlung wurde abgelehnt - dafür müsse man ein Mindesteinkommen vorweisen, das über Freys Gehalt liege, erfuhr er bei der Polizei. Also blieb nur ein Ausweg: eine Woche Gefängnis.

"Wie ein Krimineller"

Vergangene Woche wurde Frey aus dem Polizeianhaltezentrum Roßauer Lände entlassen. "Schon heftig" sei es drinnen gewesen, erzählt er. "Man wird wie ein Krimineller behandelt." Frey glaubt, selbst einschätzen zu können, wann er nicht mehr fahrtauglich ist: "Mit 1,5 Promille würde ich sicher nicht aufs Rad steigen. Aber mit 0,9 Promille schon." 

Seit Juli hat die Wiener Polizei die RadfahrerInnen im Visier. Mit einer "Schwerpunktaktion Radfahren" werden Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung gezielt geahndet, auch Alkoholmessungen werden nun häufiger als früher durchgeführt.

60 alkoholisierte Radfahrer

Das Ergebnis der "Aktion scharf": 60 Anzeigen wegen alkoholisierten Radfahrens. Wie viele Alkoradler knapp über der Verbotsgrenze von 0,8 Promille lagen und in wie vielen Fällen eine stärkere Alkoholisierung vorlag, weiß die Polizei nicht: Dazu führen wir keine Statistik, sagt Sprecherin Adina Mircioane gegenüber derStandard.at. Insgesamt habe es 187 verkehrspolizeiliche Anzeigen gegeben, 199 Organstrafmandate seien verhängt worden, so Mircioane. 

Für RadfahrerInnen gilt ein Alkohollimit von 0,8 Promille, die Mindeststrafe liegt bei 800 Euro, die Strafhöhe steigt jedoch relativ stark: So kann eine Alkoholisierung von bis zu 1,19 Promille bereits mit 3700 Euro bestraft werden, wenn man nicht zum ersten Mal erwischt wird. Ab 1,2 Promille werden Strafen ab 1200 Euro bis zu 4400 Euro verhängt. Die Höchststrafe liegt bei 5600 Euro. Wer den Alkotest verweigert, muss mit Strafen zwischen 1600 und 5900 Euro rechnen.

"Hälfte der Strafe würde reichen"

Dass die Strafen für Alko-AutolenkerInnen und Auto-RadlerInnen gleich hoch sind, sorgt bei Radfahr-VertreterInnen für Kritik. "Das ist unverhältnismäßig", sagt Alec Hager von der Interessensgemeinschaft Fahrrad. Alkoholisierte AutofahrerInnen seien weitaus gefährlicher als angeheiterte RadfahrerInnen - "die Strafhöhen sollten dem realen Gefährdungspotenzial angeglichen werden", fordert Hager. Heißt konkret? "Die Hälfte der Strafe würde reichen", so Hager.

Einen anderen Vorschlag hat Luis Rosenberg: Der Wiener, der zurzeit in Deutschland studiert, wurde bei seinem letzten Wien-Besuch mit 0,82 Promille im Blut mit 880 Euro abgestraft. "Ich habe Glück, weil ich von meinen Eltern unterstützt werde. Aber was sollen andere Studenten machen, die mit 900 Euro im Monat auskommen müssen?" Rosenberg wünscht sich einen Ersatz-Sozialdienst für Alko-RadlerInnen: "Zwei, drei Wochen unbezahlte Arbeit in einem Wohnheim" sollten alternativ zur Geldstrafe möglich sein, findet der 22-Jährige.

Wäre Rosenberg in seiner Uni-Stadt Berlin nach drei Krügerln Bier radelnd aufgehalten worden, wäre er heute übrigens um 880 Euro reicher: In Deutschland werden RadfarhrerInnen bis 1,6 Promille nur dann abgestraft, wenn sie durch ihr Fahrverhalten auffallen - beispielsweise durch Schlangenlinien-Fahren oder verzögerte Reaktion. 

Kein Ende der "Aktion scharf"

Eingeführt wurden die Rad-Schwerpunkt-Kontrollen mit der Begründung, Wien-UrlauberInnen fühlten sich durch aggressive RadfahrerInnen gestört (derStandard.at berichtete). Mit dem Ende der Sommer-Saison soll die "Aktion scharf" dennoch kein Ende nehmen: Laut Wiener Polizei wird sie in den Wintermonaten mit gleicher Kontrollfrequenz fortgesetzt. (Maria Sterkl, derStandard.at, 9.11.2011)

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wenn die polizei blos auch die ignoranten touristen von der oper bis zur hofburg informieren, ermahnen oder bestrafen würde, dann würd sich kein tourist mehr aufregen. das sind nämlich genau die, die dort in ihre stadtführer und -pläne vertieft auf den fahrradwegen herumgurken und dann erschrocken und verständnislos glotzen, wenn man sie anklingelt.

das zum einen und dann sollte man die strassenplaner, die diese fahrradwege verbrochen haben und immer noch verbrechen, teeren, federn, kündigen, ihre pensionen streichen, alles bezahlte gehalt zurückholen und nach mosambique abschieben. dort würde man sie für so einen mist einfach nur auslachen oder aber steinigen.

und hier muss man strafen zahlen.

"Wien-UrlauberInnen fühlten sich durch aggressive RadfahrerInnen gestört"

Liegt vielleicht daran, dass die Trennung von Rad- und Fußweg etwa am Ring schwer ersichtlich ist und daher alle 100m Touristengruppen auf den Radwegen herumstehen; oder daran, dass ein nicht zu unterschätzender Anteil der Fußgänger Radfahrer einfach nicht erwartet, sonder davon ausgeht, dass alles, was sich schneller als 5kmh bewegt, von weitem hörbar sein muss.

Die Strafen finde ich auch ausgesprochen hoch. Die Gefährdung anderer ist weitaus unwahrscheinlicher als bei alkoholisierten Autofahrern.

huch wusste ich gar nicht - interessant

"In Deutschland werden RadfarhrerInnen bis 1,6 Promille nur dann abgestraft, wenn sie durch ihr Fahrverhalten auffallen - beispielsweise durch Schlangenlinien-Fahren oder verzögerte Reaktion."

gibts eine statistik wieviele autofahrer fuer zu dichtes ueberholen von radfahrern gestraft wurden?

Mein Onkel...

... hams grad zum vierten mal den führerschein zwickt. er fohrt so gern bsoffn mitn auto.

???

WO begegnet ihr diesen rücksichtslosen Radfahrern tagtäglich? WO gehts ums nackte Überleben?

Diese Debatte wird do dermaßen künstlich aufgeblasen...

und jetzt noch bitte 6000 Strafen wegen Fahren am Gehsteig, wird Zeit, dass das abgestellt wird. Überfällig!

Ist meines Wissens erlaubt

Und zwar dann wenn kein Radweg vorhanden ist. Natürlich dürfen aber dabei keine Fußgänger gefärdet werden.

Ihr "Wissen" ist eine Erfindung. Auf Gehsteigen MÜSSEN Fahrräder geschoben werden.

Falsch. Wenn kein Radweg vorhanden ist dann haben Sie auf der Straße zu fahren und NICHT am Gehsteig. Am Gehsteig dürfen nur Kinder unter 12 fahren.
Genau das ist ja das Problem, Radfahrer kennen die einfachsten Regeln nicht.

Man kann nur auf dem Gehsteig fahren, nicht "am"!

70000000000000 € strafe fürs übern schutzwegfahren und am radwag parken .. danke :D

Leseschwäche?
6000 Strafen und 6000 Strafe sind zwei verschiedene Dinge.
Andere begehen auch Delikte ist sowieso ein mieses Argument für eigene Verfehlungen.
Wenn Radfahrer nicht kapieren, dass auch für sie Regeln gelten, dann sollen sie genauso zur Rechenschaft gezogen werden wie jeder anderer.

absolut korrekt.
gleichzeitig aber bitte auch zusätzliche 5.000.000 strafen für parken auf gehsteig
zusätzliche 500.000 strafen für parken am radweg
50.0000 strafen für gehen am radweg (dieser wert ist möglicherweise als einziger zu hoch angesetzt)

das argument der radfahrer lautet: hier wird mit kanonen auf spatzen geschossen.
und wenn diese spatzen (radfahrer) dannn nur mit dem finger auf die taubenplage zeigen ...

~6.000 radfahrer am gehsteig weniger machen österreich nicht zu einem viel sichereren land.
~10 mio autofahrer, die nicht zu schnell, gegen einbahnen, besoffen und auf gehwegen ihr unwesen treiben schon eher

So wird das nix mit dem verdoppelten Radfahreranteil, liebe Wiener Polizei!

auch rücksichtsloses radfahren ist gefährlich

Viele RadfahrerInnen erkennen leider nicht, dass sie für Fußgänger eine echte Gefährdung darstellen, wenn sie schnell und rücksichtslos unterwegs sind. Alkoholosierung trägt áuch zur Selbstüberschätzung und Rücksichtslosigkeit bei.
Für alte Leute, die am Gehsteig oder am Fußgängerübergang umgestoßen werden und sich zb. etwas brechen kann das schlecht ausgehen. Nach einem Oberschenkelhalsbruch erholt man sich dann kaum mehr. Für viele gibts dann nur mehr Rollstuhl.
Überhaupt gehen Radfahrer bzw. ihre Lobbies oft davon aus, dass alle anderen so wie sie wären - Fit, jung, gesund, beweglich. Und daher auch Radfahren sollten, und wenn sies nicht tun seien sie nur zu faul. Daher kommt auch oft leider eine Rücksichtslosigkeit der Radfahrer.

radfahrer sind eine gefahr. sie erkennen hier nicht, dass autos eine viel grössere gefahr darstellen. egal wie alt und gebrechlich, wenn ich die wahl habe lasse ich mich lieber 50 mal von einem rad anfahren als 1mal von einem auto - und so sollten auch die strafen sein.
natürlich wäre es noch besser, überhaupt nicht angefahren zu werden, aber da müssen wir realistisch bleiben ;)
jeder radfahrer, der umsteigt aufs auto ist ein potentieller mörder (kostenpunkt laut aktuellem urteil 9.000€).
jeder autofahrer, der umsteigt aufs rad rettet damit leben. das verhältniss autos zu durch autos getöteten ist bei 1:10.000 (D 2008 laut wiki)
man könnte also sagen, je 10.000 radfahrer retten ein menschenleben

ich wunder mich ja seit langem - menschen die dicke audi und bmw fahren haben vor nix mehr angst als vor radlern die womöglich noch gegen die einbahn! daher kommen.
naja, elefanten fürchten sich auch vor mäusen :-))

wer bsoffen mit dem radl fährt

der macht es auch mit dem auto.

Blödsinn

Bin schon dutzende Male angeheitert mit dem Rad nach Hause gefahren, aber noch kein einziges Mal mit dem Auto - das fiele mir nicht ein. Und ich glaube hier durchaus Teil der Mehrheit zu sein.

Dito. Strafen in der Höhe kann ich wirklich nicht nachvollziehen, vorallem da man "angeheitert" aus koordinatorischen Gründen recht langsam mit dem Rad unterwegs ist und ab einen gewissen Promillespiegel ohnehin nicht mehr fahren kann.

Bestrafung sehe ich zwar ein, weil man doch leichtfertig einen Schaden verursachen kann, verletzen tut man aber sehr wahrscheinlich nur sich selbst.

schon möglich, dass du teil der mehrheit bist.... das sagt aber noch nichts aus...

hm, doch

Das schließt die o.a. Verallgemeinerung aus.

natürlich, genau das ist ja das problem, worauf hier hingewiesen wird.
die strafen sollten dafür sorgen, dass sich die leute für das kleinere übel entscheiden.
am besten gar nicht saufen
wenn doch, am besten mit taxi fahren
wenn nicht zu fuss besser als mit rad, was immer noch besser als mit dem auto, was wiederrum besser als mit dem hubschrauber ist ...
wenn rad genauso teuer ist wie alles andere, stell ich mir in zukunft immer einen panzer bereit, falls ich besoffen noch auf die idee komme heimzufahren

wenn du eine straßenzulassung für den panzer bekommst, kannst du das machen.

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