Reißverschluss-Prinzip gegen "frauenlose" Fraktionen

8. November 2011, 10:28
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Anträge und Resolutionen bei diesjähriger Landesfrauenkonferenz zielen auf gleichberechtigte politische Teilhabe ab - Ablinger als Vorsitzende bestätigt

Bei der Landesfrauenkonferenz der SPÖ Frauen OÖ ist die Landesfrauenvorsitzende Sonja Ablinger am Samstag mit 99 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden. Ihr vorrangiges Ziel ist die Umsetzung des Reißverschluss-Prinzips für die Gemeinderatswahlen 2015. Dafür werde derzeit ein umfangreiches Strategie- und Umsetzungskonzept erarbeitet. Dieses Projekt sei eine Aktion der gesamten Landespartei und nicht nur der SPÖ Frauen, betonte Ablinger in ihrem Ausblick auf die künftige Arbeit.

Das Motto "Freundschaft braucht Gleichberechtigung" zog sich wie ein roter Faden durch die Konferenz und die SPÖ Frauen machten klar, was sie in den eigenen Reihen damit meinen: "Reißverschluss-Prinzip bedeutet Halbe/Halbe in der Politik." Künftig soll es bei allen Listenerstellungen vor Wahlen zur Anwendung kommen soll, weil es laut SPÖ Frauen die wirksamste Maßnahme gegen "frauenlose" Fraktionen ist. Das heißt: Jeder Frau folgt ein Mann oder umgekehrt, damit Frauen sich nicht länger mit hinteren Listenplätzen begnügen müssen.

"Begehbare Befragung" zur Teilhabe in der Politik

Im Rahmen der Veranstaltung, an der auch Nationalratspräsidentin Babara Prammer und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek teilnahmen, konnten Frauen im Rahmen einer originell konzipierten "Begehbaren Befragung" mittels rot bemalter Holzstäbchen, die auf Tischen zu ausgewählten Fragen platziert werden sollten, ihre Meinung bzw. Einschätzung hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen im politischen Leben kundtun. Es zeigte sich: Frauen sind überzeugt, dass sie auch in der SPÖ mehr leisten müssen, um ähnliche Positionen wie Männer zu erreichen und dass der Weg dorthin ohne die Quotenregelung noch schwieriger wäre.

Gleichstellung der Geschlechter erleben

In einem kurzen Talk steckten die Teilnehmerinnen ihre Ziele und Wünsche ab: Heinisch-Hosek will, dass die Gehaltsschere schon im nächsten Jahr kleiner geworden ist. Der Weg dorthin stellt eine große Herausforderung für die Gewerkschaften dar, ist AK-Vizepräsidentin Christine Lengauer überzeugt. Prammer möchte, dass zumindest die Generation ihrer Tochter die absolute Gleichstellung der Geschlechter erleben kann und die Klubobfrau im OÖ. Landtag, Gerti Jahn, hofft, dass es bald keiner endlos langen Debatten mehr bedarf, damit Frauen in Führungsposition kommen.

Feministische Errungenschaften schätzen

In einer zweiten Talkrunde erörterten Frauenberger, Heinisch-Hosek, Ablinger und SJ-Vorsitzende Fiona Kaiser das Spannungsfeld, in dem der Feminismus sich derzeit befindet. Zum einen sei bereits viel erreicht worden - viele Errungenschaften würden vor allem von jungen Frauen aber heute oft als selbstverständlich hingenommen - zum anderen gäbe es noch viele offene Forderungen, so das bekannte Fazit. Gerade jetzt, in Zeiten der Wirtschaftskrise, liefen Frauen wieder Gefahr, am Arbeitsmarkt an den Rand gedrängt zu werden, meinten die Diskutantinnen. Die Forderungen daraus: Frauen müssten nach dem Wert ihrer Arbeit und nicht nach ihrem Geschlecht bezahlt werden, sie müssten von ihrem Einkommen leben können und Teilzeitarbeit dürfe für sie nicht zum Dauerparkplatz werden. Da Frauen längst nicht an allen Hebeln der Macht sitzen, gelte es, Bündnispartner auch bei den Männern zu suchen.

Alle Anträge und Resolutionen an die Landesfrauenkonferenz wurden beschlossen und das Team im Landesfrauenvorstand mit einem überwältigenden Vertrauensvotum ausgestattet. (red)

  • Im Bild v.l.n.r.: Sandra Frauenberger, Fiona Kaiser, Sonja Ablinger und Gabriele Heinisch-Hosek.
    foto: spö frauen oö

    Im Bild v.l.n.r.: Sandra Frauenberger, Fiona Kaiser, Sonja Ablinger und Gabriele Heinisch-Hosek.

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