Der Drachme-Knalleffekt

Blog8. November 2011, 10:21
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Wenn Griechenland aus dem Euro aussteigt, muss das überraschend geschehen – vielleicht schon diesen Freitag

Nehmen wir einmal an, die neue griechische Regierung hätte ebenso wie die Spitzen der anderen Eurostaaten erkannt, dass all die Ökonomen recht haben, die schon seit Monaten und Jahren behaupten, Griechenland könne nicht in der Eurozone bleiben, weil die einzige Chance für eine Sanierung der Wirtschaft in einer drastischen Abwertung liege.

Nehmen wir einmal an, der Wechsel vom Euro zur Drachme wäre daher bereits entschieden und könnte jederzeit passieren. Dann müsste man doch davon etwas gehört haben?

Falsch. Die einzige Chance für Griechenland, in einer halbwegs geordneten Form aus dem Euro auszusteigen, besteht darin, die eigenen Bürger und die Märkte völlig zu überraschen.

Sobald auch nur Gerüchte auftreten, dass dieser Schritt bevorsteht, würde jeder Grieche sofort seine Euro vom Bankkonto abheben und zuhause horten. Die griechischen Banken wären mit einem Schlag pleite, das Chaos wäre perfekt.

Wie auch Hans-Werner Sinn im Spiegel skizziert, kann ein Wechsel zur Drachme nur so vonstattengehen, dass die Banken einige Tage (Sinn sagt eine Woche) geschlossen bleiben, in dieser Zeit alles in Drachme umgewandelt wird und die Notenbank zumindest die neuen Banknoten druckt (Münzen können noch ein bisschen warten). Das muss mit einem Überraschungsschlag geschehen, möglichst zu Beginn eines Wochenendes.

Und wäre nicht der ideale Zeitpunkt dafür der Antritt einer neuen Regierung, die sich nicht so stark an den Euro gebunden hat wie der scheidende Premier Giorgos Papandreou?

Deshalb ist es nicht unvorstellbar, dass noch in diesem Jahr an einem Freitagnachmittag, nachdem die Banken um 14 Uhr geschlossen haben, die Regierung den Ausstieg aus der Eurozone und die Wiedereinführung der Drachme bekannt gibt. Das könnte bereits diesen Freitag sein.

Davon dürften nur der neue Premier, sein Finanzminister, EZB-Präsident Mario Draghi sowie Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wissen. Ein größerer Kreis von Eingeweihten würde nicht dichthalten.

Und der neue Premier müsste noch bis zum Freitag mehrfach betonen, dass Griechenland jedenfalls in der Eurozone bleibt. Er muss lügen, damit der Wechsel überhaupt funktionieren kann.

Der Wechselkurs wäre zunächst eins zu eins, doch die Drachme würde sofort dramatisch abwerten, wahrscheinlich um die Hälfte. Solange die Banken geschlossen sind, müssten auch die Bankomaten außer Funktion sein oder nur ganz geringe Mengen Bargeld hergeben. So wie 2002 in Argentinien wäre die griechische Wirtschaft einige Tage bargeldlos, bevor der Wechsel vollzogen ist.

Die Operation wäre noch chaotischer als damals in Argentinien, als es nur um eine Abwertung des Pesos ging. Diesmal muss eine neue Währung eingeführt werden.

Ob es funktioniert weiß niemand. Aber wenn Griechenland früher oder später ohnehin aus dem Euro aussteigen muss, weil das Land sich sonst niemals erholen kann, dann ist früher besser als später. Also warum nicht am Freitag, den 11.11.?

Und nein, das ist kein Faschingsscherz.

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