Statistische Rauchzeichen

Kommentar8. November 2011, 08:25
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Objektiv muss man sagen, dass das Ziel der Politik, die Menschen vom Konsum abzuhalten, nicht erreicht worden ist

Drogenstatistiken sind mit Vorsicht zu genießen. Spielen doch sozial erwünschte Antworten mit - nicht jeder gibt freiwillig zu, dass er oder sie Verbotenes macht. Aber Trends lassen sich ablesen. Und im Bereich Cannabis sind die eindeutig: Statt der Blumenkinder ziehen mittlerweile breite Bevölkerungskreise am Joint.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Wiener, die irgendwann in ihrem Leben Cannabis konsumiert haben, vervierfacht. Mittlerweile ist es schon jeder Fünfte. Bei jungen Erwachsenen sind es 30 bis 40 Prozent.

Gleichzeitig folgert der aktuelle Drogenbericht des Gesundheitsministeriums, dass es der überwiegende Teil der Konsumenten so hält wie Ex-US-Präsident Bill Clinton: probieren und dann wieder die Finger davon lassen.

Objektiv muss man daher sagen, dass das Ziel der Politik, nämlich die Menschen vom Konsum abzuhalten, nicht erreicht worden ist. Die Droge ist offensichtlich leicht verfügbar, immer mehr scheren sich wenig um die Gesetze. Auch wenn jährlich hunderte Personen verurteilt werden.

Die Frage ist, ob das Gesetz nicht an die Wirklichkeit angepasst werden sollte. Vorschläge gibt es: die Verlagerung der Verfolgung aus dem Straf- ins Verwaltungsrecht. Oder der Ausbau der schon jetzt praktizierten rechtlichen Trennung von Cannabis und anderen Drogen. Doch zu befürchten ist, dass die Politiker die statistischen Rauchzeichen ignorieren und hehre, aber unrealistische Ziele verfolgen. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

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