"News of the World" bespitzelte auch Opferanwälte

8. November 2011, 06:50
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Murdochs Sohn muss wegen Abhörskandals erneut vor Ausschuss

London - Das britische Boulevard-Blatt "News of the World" hat im Rahmen seiner Abhöraktionen auch einen Privatdetektiv auf zwei Opfer-Anwälte angesetzt. Nach Informationen von BBC und "Guardian" filmte der ehemalige Polizist Derek Webb heimlich den Anwalt Mark Lewis, der unter anderem die Familie einer entführten und später ermordeten Schülerin vertrat, sowie Lewis' ehemalige Assistentin Charlotte Harris, eine weitere Opferanwältin. Webb sollte demnach nachweisen, dass die beiden eine Beziehung hatten und vertrauliche Informationen austauschten.

Der Privatdetektiv wurde nach eigenen Angaben von dem Blatt Anfang 2010 angeheuert. Laut "Guardian" überlegte die Zeitung auch, wie sie Lewis davon abbringen könnte, weiter Opfer des Abhörskandals zu vertreten. Unter anderem habe sie versucht, einen ehemaligen Kunden des renommiertem Anwalts zu einer Klage gegen ihn zu bewegen.

Skandal war 2006 bekannt geworden

Journalisten der "News of the World" hatten jahrelang Handymailboxen von Prominenten und von Angehörigen getöteter Soldaten und Kriminalitätsopfern abgehört. Der Skandal war bereits im Jahr 2006 ans Licht gekommen und weitete sich im Juli aus, als bekannt wurde, dass Journalisten des Blatts auch die Mailbox der entführten 13-jährigen Schülerin Milly Dowler geknackt hatten. Die Affäre löste ein Erdbeben aus und führte zur Einstellung der Zeitung, dem Rücktritt von Vertrauten des Medienmoguls Rupert Murdoch, ranghohen Polizeibeamten und eines Mitarbeiters von Premierminister David Cameron. Murdochs Sohn James muss am Donnerstag in seiner Rolle als Chef von "News of the World"-Herausgeber "News International" erneut vor einem Parlamentsausschuss zu dem Skandal Stellung beziehen. (APA)

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