Bundesheer

General gewinnt Schlacht gegen den Minister

7. November 2011, 19:07
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    foto: standard/newald

    Edmund Entacher wurde als Chef des Generalstabs rehabilitiert, ein "Volltreffer in die Munitionskammer". Nun muss Minister Darabos mit dem ungeliebten Spitzenoffizier weiterarbeiten, auch ohne ihm zu vertrauen.

General Edmund Entacher hat recht bekommen - Verteidigungsminister Norbert Darabos ist auf ganzer Linie mit seinem Versuch gescheitert, den Generalstabschef abzuberufen

Wien - Heute, Dienstag, wird General Edmund Entacher um 7.30 Uhr ins Verteidigungsministerium kommen und sich als Erstes bei Verteidigungsminister Norbert Darabos zurückmelden.

Man kann davon ausgehen, dass der Termin den beiden ehemaligen Parteifreunden nicht leicht fallen wird. Der von Darabos im Jänner seines Amtes enthobene Generalstabschef Entacher hat am Montag auf ganzer Linie recht bekommen - der vom Minister mit allerlei skurrilen Details über seinen "Vertrauensverlust" angereicherte Bescheid zur Versetzung des Generals ist ersatzlos aufgehoben worden.

Der rehabilitierte Generalstabschef (und langjährige Panzeroffizier) lobt die juristische Arbeit seines Anwalts, die zur Aufhebung des Bescheids geführt hat: "Ich würde sagen: Das war ein Treffer in die Munitionskammer."

Was bei einem Panzer die totale Vernichtung bedeuten würde, gleitet allerdings an einem Politiker ab. Darabos erste Reaktion: "Aus rechtlicher Sicht waren meine Argumente für den Vertrauensverlust offenbar nicht ausreichend. Für mich steht jedoch die Notwendigkeit der Reform des Bundesheeres außer Diskussion. Auf diesem politischen Reformweg werde ich mich als verantwortlicher Minister auch durch eine dienstrechtliche Entscheidung nicht abbringen lassen."

Jetzt ist Darabos dazu verurteilt, mit Entacher weiterzuarbeiten. Wie das gehen soll? "Der Vertrauensverlust ist in den letzten Monaten nicht geringer geworden. Persönlich hat der Minister kein Vertrauen in den General", bestätigt Darabos-Sprecher Stefan Hirsch.

Tatsächlich sind der Politiker und der Spitzenbeamte in einer Kernfrage unterschiedlicher Meinung: Der Minister hat sich im Jänner in den Kopf gesetzt, die Wehrpflicht abzuschaffen. Der hohe Offizier aber sieht sich der Verfassung verpflichtet, die diese Wehrpflicht festschreibt.

Verfassungsfrage

Entacher zum STANDARD: "Der Reformkurs des Ministers war erstens nicht Gegenstand des Verfahrens. Und zweitens hat über die Wehrpflicht nicht der Minister und nicht ein General zu entscheiden, sondern der Verfassungsgesetzgeber." Es gelte, streng nach den Gesetzen vorzugehen.

Der Minister hat schon Überlegungen angestellt, in einzelnen Truppenteilen keine Wehrpflichtigen mehr einzusetzen. Damit soll ein Probelauf für die Abschaffung der Wehrpflicht gestartet werden. Diese Projekte seien nicht gefährdet, sagt Darabos-Sprecher Hirsch. Sein Minister werde künftig eben mit schriftlichen Weisungen agieren. Allerdings beharren rechtskundige Beamte darauf, dass auch Ministerweisungen strikt aus der geltenden Gesetzeslage abgeleitet werden müssen.

Darabos hat auch noch einen zweiten Ansatz: Das Verteidigungsministerium ist schon seit Jahren nicht mehr umorganisiert worden, die starke Position des Generalstabschefs ist unter dem Vorvorgänger von Darabos, Herbert Scheibner (damals FPÖ), geschaffen worden. Im Zuge seiner Reformbemühungen will Darabos das Ministerium umorganisieren und dabei den Generalstab schwächen.

Generalstabschef Entacher könnte in seiner verbleibenden Dienstzeit also entmachtet werden. Der Vertrag des 63-jährigen Spitzenoffiziers läuft bis zum Februar 2013 - und er versichert schon jetzt, eine Verlängerung nicht anzustreben, "es sei denn, ich werde eindringlich darum gebeten". Dass er vom amtierenden Minister gebeten werden könnte, ist auszuschließen.

Dieser bekam umgehend Rückendeckung aus seiner Partei: SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas lobte Darabos ausdrücklich als "Reformminister". Auch Klubchef Josef Cap versicherte Darabos der "vollen Unterstützung der SPÖ".

Diese steht aber allein da: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte Darabos zum Rücktritt auf. BZÖ-Wehrsprecher Kurt List sieht Kanzler Werner Faymann gefordert, den Minister abzulösen: "Wenn ein Minister unliebsame Untergebene mundtot machen will und schließlich seine Aktion von der Berufungskommission beim Bundeskanzleramt aufgehoben wird - dann ist so ein Minister blamiert und aus der Regierung zu entlassen."

Sogar ÖVP-Wehrsprecher Oswald Klikovits verlangt, dass Darabos selbst Konsequenzen zieht. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2011)

Nachlese (mit Postings): Blamage für Darabos

Kommentar posten
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Nardon
00
Abgesehen

vom Thema hat hier nicht ein General die Schlacht gewonnen sondern ein BEAMTER.
Das halte ich für bedauerlich.

fex1
00
20.12.2011, 20:06
Wie lange noch?

Hallo Norbert, hier spricht deine Selbstachtung: Hau endlich den Hut äh... Helm drauf!

Hulkster
01
10.11.2011, 21:12

Norbert Darabos soll gehen und platz machen für Peter Pilz der währe sicher ein besserer Verteidigungsminister

Angelika70
13
11.11.2011, 11:22

Warum nicht den Entacher? Der hätte für die jetzige Koali auch die richtige Partei.

Ausserdem ein Fachmann, ziemlich unbestechlich und bei den Bediensteten im Ministerium beliebt und angesehen.

Problem ist nur, dass er nicht wollen wird. ;-)

Folgendes...
 
13
11.11.2011, 14:22
Ich finde...

... dass Entacher durchaus eine Topkraft als Chef des Generalstabs ist. Ihn von dort abzuziehen, würde wohl einen Verlust bedeuten.

Ein brauchbarer Minister, der auf seine Mitarbeiter im Ressort auch mal hört, bevor er Schwachsinn versucht, würde absolut reichen. Ob Pilz auf diese Definition passt, mag ich nicht zu beurteilen.

Mr. XX
00
9.11.2011, 00:53

Darabos wills anscheinend nicht wahr haben...

http://www.bmlv.gv.at/sk/lebens... chef.shtml

positiv gesehen
01
9.11.2011, 00:11
da häupl michi wundert sich

wieso der bertl immer des bummerl hot

ober ana hot immer der bummerl ...

positiv gesehen
12
8.11.2011, 23:50
die letztklassigen ausreden

das beamte die kommission bildeten

könnte sich darabos sparen denn

est steht ihm die möglichkeit zu zum

verwaltungsgerichtshof zu gehen

nur sind blöderweise dort ebenfalls die richter beamte

und nicht parteiangestellte

GE
81
8.11.2011, 22:10

entacher... wer ihn hört glaubt das ist der letzte Bergbauer aus Südtirol.
Und die sprechen gepflegter.
Na dann werden wir unser herzaller-liebstes Herr noch länger haben, weil sich der arrogante Sturkopf mit Bergbauernstimme das einfach wünscht.
Tja meine lieben Österreicher, die ihr zur Stellung müsst, ihr wisst wo ihr euch bedanken müsst!

curieux
12
9.11.2011, 09:54
Sie verwechseln da etwas.

Ich diskutiere hier nicht darüber, ob Entacher oder Darabos besser hochdeutsch spricht.
Es ist viel wichtiger, dass Entacher darauf hingewiesen hat, dass sich die Berechnungsvorgaben des Herrn Ministers so geändert haben, dass ein Berufsheer schöngerechnet wird und verheimlicht wird, dass das angeblich nicht teurere Berufsheer wesentlich weniger leistungsfähig sein würde. Daraufhin wurde Entacher abberufen, nach 7 Monaten kam eine fadescheinige Begründung, jetzt wurde die Abberufung für null und nichtig erklärt. Darabos faselt vom Primat der Politik. Primat zum Falschrechnen? Vertrauensverlust? Muss er drauf vertrauen, dass der Generalstabschef seine Unwahrheiten deckt?

de Gouges
01
9.11.2011, 06:33
im Gegensatz zu seinem Minister

... beherrscht er jedenfalls die deutsche Grammatik

golden-boy
82
8.11.2011, 19:25
mir ist egal wer endlich diesen maroden haufen

zerstückelt, auflöst, beendet, reformiert was auch immer. endlich wäre was passiert, irgendwas. aber bei uns ändert sich einfach nix. weil sich immer irgendwer wichtig macht für seine genossen.
die kommentare hier für das bh sind erbärmlich und dumm, das können nur freaks schreiben, die diesen haufen nie kennengelernt haben.

de Gouges
03
9.11.2011, 06:40
leider geht es nicht nur um das "was", sondern auch um das "wie"

Die Reformidee Berufsheer hat Michael Häupl im Wr. Lantagswahlkampf aus Verzweiflung über die schwindenden JungwählerInnen ventiliert. Es hat keinen sachlichen Diskussionsprozess über Reformvarianten gegeben. Der Minister hat vielmehr als ersten Schritt seinen Generalstabschef medienwirksam zu entfernen versucht. Das ist einfach nur inkompetent.

GE
20
9.11.2011, 00:31

You make my day!

SK26
06
8.11.2011, 16:03
gewisse Beamtenprivilegien haben einen Guten Grund...wollen sie ein Berlusconi Europa wo sich ein Korrupter Politiker die Gesetze so hindreht dass er nicht ins Gefängniss gehen muss..Zum General muss

man sich hocharbeiten, zum Korrupten Politiker braucht es nicht viel (in keinem Land) es ist Gut dass hohe Beamten die mehr für ihr Land getan haben als die meisten Politiker (und die auch ausgewiesene Experten auf ihrem Fachgebiet sind) nicht so einfach abzusägen sind! Entacher hat sich Beweisen müssen um General zu werden was hat der Darabos machen müssen um Minister zu werden? Nicht mal direkt Gewählt wurde er! ich schau mir an wieviele Österreicher einen Verteidigungsminister Darabos in einer Direkt Wahl bestätigen. Er hat den Posten zugeschachert bekommen, weil er ein braver Parteisoldat ist,in direkt wahlen würden eher Experten ernannt und Resort würden nicht mehr wie Socken gewechselt.Innenministerin - Finanzministerin? eh das selbe?

stupendous man
31
8.11.2011, 22:19

Der Entacher mag ein Experte sein, als Bollwerk gegen drohenden Berlusconismus ist jemand der sich in einem völlig intransparenten, in sich geschlossenen und seit 66 Jahren defacto untätigen Verein hochgedient hat und jetzt um seine Pfründe fürchten muss, denkbar ungeeignet.

me phisto
01
8.11.2011, 14:57

Der Minister macht die Verfassung. Und die Öffentlichkeit ist die Zeitschrift "Heute". :-)))

Alter Fuchs, was nimmt der Typ für Medikamente?

Hallo Herr Minister!
Schnellstens aufwachen aus den Tagträumen und bis zum Polster schwimmen.
;-)

ceiberweiber.at
21
8.11.2011, 20:25
wenns ihnen passt

zitieren sie wahrscheinlich die umfrage in österreich, wo darabos schlechter liegt....

ceiberweiber.at
10
8.11.2011, 20:25
wenns ihnen passt

zitieren sie wahrscheinlich die umfrage in österreich, wo darabos schlechter liegt....

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
12
8.11.2011, 12:14
[Propagandapranger]

"Der Minister hat sich im Jänner in den Kopf gesetzt, die Wehrpflicht abzuschaffen."

Unterschwellige Abwertung.
In den Kopf kann man sich ja nur "Flausen" setzen.

jane doe2
31
8.11.2011, 12:08

Habe gestern im ZIP2 gehört, dass die Kommission von Beamten geführt wurde. Wenn das so ist das in der Kommissin nur Beamte entschieden haben, finde ich es von Wolf sehr schwach das nicht angesprochen zu haben, da hier ja von Befangenheit ausgegangen werden muß. Denkt wirklich jemand, das Beamte feststellen das sie versetzt werden können? Wenn das wirklich so ist, dann ist das ein Witz in einer Demokratie aber was will man von Österreich noch anderes erwarten.

ceiberweiber.at
00
8.11.2011, 20:25
wolf ist immer befangen

was tut er schon ausser andere über das befragen, was diese tun?

curieux
01
9.11.2011, 10:00
Was tun eigentlich Sie, außer Darabos in Posting zu verteidigen

und in einem Internet - Blog über gewisse Themen zu schreiben?

Leia O.S.
01
10.11.2011, 16:50

Als ich auf den Blog gestoßen bin, fand ich ihn anfangs ehrlich gesagt ganz interessant - weil detaillierter berichtet wurde als gewohnt.
Allerdings hat mich das plakative Parteiergreifen zu diesem Thema als Leser verjagt.

curieux
01
9.11.2011, 10:00
Na, Sie habe ich schon vermisst!

Dass Sie den Darabos aber erst so spät verteidigen!

Dafür dürfen Sie mir jetzt das Interview Ihres Lieblings in der ZiB 2 am Montag erklären. Da gibt es doch tatsächlich einen Poster, der das als klarste und geradlinigste Aussage, die je ein Politiker gemacht hat bezeichnet.

Ihre Meinung, bitte. Aber mit Beispielen für geradlinige Aussagen!

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