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Unsere Netze dürfen nicht veralten

20. Februar 2012, 16:31
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EU-Kommissar Günther Oettinger fordert rasche Investitionen in Netze und Erzeugung

Strom ist die Energie der Zukunft und die Zukunft der Energieversorgung wird wesentlich davon abhängen, ob es uns gelingt, mit starken Netzen und durch internationale Zusammenarbeit die Potenziale der erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung zu mobilisieren. Das waren die zentralen Erkenntnisse des Oesterreichs Energie-Trendforums mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Parlament am 4. November.

Die Abhängigkeit der Europäischen Union von Energieimporten, die derzeit 55 Prozent beträgt, wird nach Ansicht von Energiekommissar Günther Oettinger auf 60 bis 70 Prozent steigen. Damit aus Abhängigkeit nicht Erpressbarkeit werde, müsse man einerseits die Energieimporte diversifizieren, andererseits müssten die Energienetze massiv ausgebaut werden, sagte Oettinger. Eine große Herausforderung sei auch der Ausbau der Stromnetze. „Es wird zu wenig investiert, unsere Netze veralten", so Oettinger.

Potenzial nutzen

Er sprach sich dafür aus, erneuerbare Energien am besten dort zu nutzen, wo es die höchsten Potenziale gibt. „Wenn Strom im Norden künftig aus Wind kommen soll, im Süden aus Sonne oder in Ländern mit natürlichen Holzvorräten aus Biomasse, benötigen wir dafür eine arbeitsteilige und dezentrale Struktur", betonte der Energiekommissar. Parallel dazu müssten die Pumpspeicher-Kraftwerke ausgebaut und die Energieeffizienz weiter erhöht werden. Nur so könne Europa gemeinsam eine Energiestruktur aufbauen, die die Vorteile aller Regionen inkludiere.

Peter Layr, Präsident von Oesterreichs Energie, unterstrich die Forderung nach einem raschen Ausbau der Infrastruktur. Er hält eine Vorreiterrolle Österreichs beim Umstieg auf erneuerbare Energien für möglich. Vorausgesetzt, dass die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden: „Wir brauchen weiterhin den massiven Ausbau erneuerbarer Energien und müssen auf der anderen Seite das Bewusstsein für Energie-Effizienz steigern. Außerdem muss das eingesetzte Kapital entsprechend verzinst werden", so Layr. Die Stromkunden seien bereit, eine Energiewende zu unterstützen, wie auch die E-Wirtschaft bereit sei, ihren Beitrag für die Energiezukunft unseres Landes zu leisten. Es gelte die richtigen Signale auf grün zu stellen. Bereits im Frühjahr 2012 will die österreichische Energiebranche mit einem Aktionsprogramm konkrete Vorschläge präsentieren.

Im Bereich Energieeffizienz sieht Oettinger noch Potenzial. Ob das EU-Ziel - die Effizienz bis 2020 um 20 % zu erhöhen - erreicht wird, hänge wesentlich davon ab, jetzt entschlossen zu handeln. Dabei müsse die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen: So sollen beispielsweise öffentliche Bestandsgebäude thermisch saniert werden. Aber auch die Konsumenten spielen eine wichtige Rolle: Sie bräuchten vor allem vergleichbare Informationen über ihren Stromverbrauch. Die Zukunft erfordere Smart Grids und Smart Meters - also intelligente Stromnetze und Stromzähler. Erst auf dieser Basis sei es möglich, ein tiefergreifendes Bewusstsein der Verbraucher für Energiesparen zu schaffen. In einem waren sich alle Podiumsteilnehmer - auch die Energiesprecher der im Parlament vertretenen Parteien - einig: Um die Energiewende umzusetzen, sind massive Investitionen erforderlich. Dies zeigt sich deutlich am Beispiel Deutschlands. Die angestrebte Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien in den kommenden zehn Jahren erfordert knapp 200 Milliarden Euro an Investitionen sowie noch einmal denselben Betrag für laufende Kosten. Diese Zahlen präsentierte die Energieexpertin Prof. Dr. Claudia Kemfert.

Die Energiesprecher der Parteien betonten in ihren Diskussionsbeiträgen die Bedeutung des richtigen Mix von Energieträgern. Mit 71 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen ist Österreich in Europa bereits heute mit Abstand führend, dieser Bereich soll noch weiter ausgebaut werden. Dennoch sind fossile Energieträger - allen voran Gas - als Brückentechnologie notwendig. Mit der Umsetzung des dritten Binnenmarktpakets durch das ElWOG und dem Ökostrom-Gesetz seien in Österreich zuletzt wichtige Schritte für die Energiezukunft gesetzt worden. Nun gehe es um die Vorbereitung eines Energieeffizienz Gesetzes.

Schulterschluss gefragt

„Letztlich müssen alle ihren Beitrag für die Energiezukunft leisten", fasste der zweite Präsident des Nationalrates, Fritz Neugebauer, die Diskussion zusammen. Konsumenten, Unternehmen und E-Wirtschaft werden gleichermaßen gefordert sein, um die nachhaltige und sichere Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit Strom auch in Zukunft zu gewährleisten.

Wissen

Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000 Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und betreiben die Transport- und Verteilernetze Österreichs.

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Die Antworten erscheinen regelmäßig hier auf dieser Seite beantwortet. Senden Sie ihre Fragen an energiediskurs@derStandard.at.

  • Zweites Trendforum von Oesterreichs Energie zur Energieversorgung der Zukunft. v. li. Werner Neubauer - Nationalratsabgeordneter, Mag. Wolfgang Katzian - Nationalratsabgeordneter, Peter Haubner - Nationalratsabgeordneter, Mag. Rainer Widmann - Nationalratsabgeordneter, Mag.a Christiane Brunner - Nationalratsabgeordnete, Fritz Neugebauer - Zweiter Nationalratspräsident, Günther Oettinger - EUKommissar für Energie,  Investitionen und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Energieversorgung in Europa, Prof.in Dr.in Claudia Kemfert - Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Deutschland als Pionier der Energiewende in der EU, Dr. Peter Layr - Präsident Oesterreichs Energie und Dr.in Barbara Schmidt - Generalsekretärin von Oesterreichs Energierukturausbau.
    foto: parlamentsdirektion/carina ott

    Zweites Trendforum von Oesterreichs Energie zur Energieversorgung der Zukunft. v. li. Werner Neubauer - Nationalratsabgeordneter, Mag. Wolfgang Katzian - Nationalratsabgeordneter, Peter Haubner - Nationalratsabgeordneter, Mag. Rainer Widmann - Nationalratsabgeordneter, Mag.a Christiane Brunner - Nationalratsabgeordnete, Fritz Neugebauer - Zweiter Nationalratspräsident, Günther Oettinger - EUKommissar für Energie,  Investitionen und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Energieversorgung in Europa, Prof.in Dr.in Claudia Kemfert - Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Deutschland als Pionier der Energiewende in der EU, Dr. Peter Layr - Präsident Oesterreichs Energie und Dr.in Barbara Schmidt - Generalsekretärin von Oesterreichs Energierukturausbau.

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