Ein Bankmanager fordert die Italiener auf, die eigenen Schulden aufzukaufen
Giuliano Melani aus Pistoia (Toskana) ist ein wirklicher Patriot.
Italien steht unter Druck wegen seiner Staatsschulden (120 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts)? Die "Märkte" verlangen Rekordzinsen, weil sie
nicht mehr glauben, dass Berlusconi noch ganz mens sana in corpore sano
ist? (Beim EU-Gipfel in Cannes erklärte er: "Es gibt keine Krise in
Italien, die Restaurants sind voll, die Urlaubsorte sind voll.").
Giuliano Melani, ein Bankmanager, hat daher seine Landsleute
aufgefordert: "Lasst uns unsere Schulden kaufen." Er selbst orderte für
20.000 Euro italienische Staatsanleihen, die anderen sollen alle
mitmachen. Denn, so dieser sehr ungewöhnliche Italiener in einer Anzeige
in der Zeitung: "Wir sind alle mitschuldig an dem Defizit: nicht
bezahlte Steuern, Schwarzfahren, Missbrauch bei Gesundheitsleistungen
etc. Wenn jeder für 4500 Euro kauft, sind die Staatsschulden gedeckt."
Denn die Privatvermögen der Italiener machen etwa das Dreifache der
staatlichen Schulden aus. Melani berichtet, er habe tausende zustimmende
Reaktionen bekommen.
Die Idee hat was für sich. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in
Österreich betrug 2009 rund 430 Milliarden (davon müssen rund 145
Milliarden Schulden abgezogen werden). Die Staatsschulden der Republik
belaufen sich derzeit auf etwa 216 Milliarden. Das geht sich also aus,
wenn jeder sich ein Beispiel an der Melani-Lösung nimmt. (DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2011)