Kräftig gekürzt und trotzdem verloren

7. November 2011, 18:19
6 Postings

Kreditgeber Griechenlands halten trotz massiver Probleme an Sparprogramm fest

Die Diskussionen über die stärkere Beteiligung des Bankensektors an der Griechenlandkrise und der Zerfall der alten Regierung in Athen haben ein Kernproblem der Euroretter überdeckt: Ihr Hellas-Programm funktioniert nicht wie geplant. Statt eines Defizits von 7,5 Prozent, dürfte die Neuverschuldung Griechenlands heuer auf bis zu neun Prozent steigen. Die Arbeitslosigkeit ist höher als erwartet und das Leistungsbilanzdefizit, also die Differenz zwischen Importen und Exporten, hat sich nicht wie geplant stabilisiert.

Ein Ziel des Programms von Eurozone und Währungsfonds (IWF) war es, Griechenland konkurrenzfähiger, also am Weltmarkt billiger zu machen. Auch das ist nicht gelungen: Die Lohnkosten sind zwar nach den massiven Gehaltskürzungen um fast sieben Prozent gefallen, doch weil der Output der Unternehmen noch stärker einbrach, fiel die Produktivität griechischer Konzerne 2011 weiter zurück.

An diesen Entwicklungen trifft Griechenland bestenfalls eine Teilschuld. Laut IWF hat Athen die meisten Auflagen seiner Kreditgeber (80 Prozent im Jahr 2011) gesetzlich brav umgesetzt.

Darüber, wer nun die Verantwortung trägt, wird in Athen heftig gestritten. Der IWF macht für die Schwierigkeiten primär die miese Weltkonjunktur und die schlechte Steuermoral in Griechenland verantwortlich. Viele Griechen und manche Ökonomen hingegen meinen, erst die massiven, von Eurozone und IWF geforderten Einsparungen, hätten die Wirtschaft abgewürgt.

Der IWF will an seiner bisherigen Therapie dennoch festhalten. Immerhin zeigt er sich für eine Verlangsamung des Reformtempos offen: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Griechenland länger als erwartet Zeit brauchen wird, damit sich die Wirtschaft stabilisiert. Unsere bisherigen Vorhersagen waren zu optimistisch", meinte Bob Matthias Traa, der ständige IWF-Vertreter in Athen, am Montag vor Journalisten.

Dass ein auf Exporte orientiertes Programm in einem Land ohne Industrie nicht funktionieren könne, wies er zurück. "Eine Volkswirtschaft kann sich umstellen. Gerade der zugegeben noch kleine griechische Industriesektor hat sich zuletzt gut entwickelt." (szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.11.2011)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.